Immobilien, Regierungen

STUTTGART - Mieter ächzen unter den Energiepreisen, Bauvorhaben werden gestoppt und auf dem Immobilienmarkt zeichnet sich ein Abschwung ab: Inmitten dieser Gemengelage wollen die Bauminister der Länder den Wohnungsbau weiter vorantreiben.

23.09.2022 - 06:38:30

Bauminister suchen Wege aus der Krise. "Wir haben es infolge von Krieg und Energiekrise auch mit einer Krise beim Bauen und Wohnen zu tun. Denn auch hier findet die Zeitenwende statt", sagte Baden-Württembergs Ressortchefin Nicole Razavi (CDU) als Vorsitzende der Bauministerkonferenz. Bund und Länder müssten alles dafür tun, dass der Motor beim Wohnungsbau nicht ausgehe.

"Und wir müssen schauen, wie wir die zusätzlichen Belastungen für Mieter und Vermieter in erträglichen, bezahlbaren Grenzen halten", sagte sie weiter. Bauen und Wohnen müssten bezahlbar bleiben - das sei eine Frage des sozialen Friedens. "Der Dreiklang lautet: Entlasten, Beschleunigen, Anreize setzen. Alles, was den Wohnungsbau erschwert und verteuert, muss auf den Prüfstand."

Über diese und weitere Themen beraten die Bauminister und

-ministerinnen der Länder seit Donnerstag in Stuttgart. Am Freitag

(12.30 Uhr) wollen die Ressortchefs eine gemeinsame Erklärung zu den aktuellen Herausforderungen vorstellen. Auch Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) ist als Gast bei den Besprechungen.

Wie bei der vorangegangen Bauministerkonferenz im Februar stehen auch dieses Mal die Fördertöpfe für energieeffiziente Gebäude auf der Tagesordnung. Damals waren die Minister wegen des Chaos rund um die kurzfristig gestoppte KfW-Förderung für energiesparende Neubauten zusammengekommen und hatten Druck auf den Bund gemacht. Im Juli kündigte das Bundeswirtschaftsministerium zudem eine grundlegende Reform der Förderung für energieeffiziente Gebäude an. Erste Änderungen traten zwei Tage später in Kraft. Diese Kurzfristigkeit und die mit der Reform verbundene Kürzung von Fördersätzen waren auf heftige Kritik gestoßen.

"Wohnungsbau verlangt Planungssicherheit - und das über Jahre hinweg. Daran hat es zuletzt gemangelt", hatte Razavi mit Blick auf die aktuelle Bauministerkonferenz gesagt. Wenn der Bund wie geplant ab 2023 einen höheren Mindeststandard für effiziente Gebäude vorschreibe, müsse das auch mit Unterstützung flankiert werden. "Wer fordert, der muss auch fördern." Es gehe darum, den Zielkonflikt zwischen klimagerechtem Bauen und bezahlbarem Wohnraum aufzulösen.

Der Neubau in Deutschland ist wegen Lieferengpässen bei Material, stark steigender Preise und teureren Finanzierungen ins Stocken geraten. Projektentwickler, die ganze Wohnungs- oder Gewerbeareale planen, halten sich zurück, da sie kaum noch kalkulieren können. Auch private Hausherren sagen wegen Kostensteigerungen Bauvorhaben ab. Im Wohnungsbau kommt es vermehrt zu Stornierungen, beobachtet das Münchner Ifo-Institut.

Und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) verzeichnet bereits kräftige Einbußen bei den Auftragseingängen in der Branche. Das Ziel der Bundesregierung, den Bau von 400 000 neuen Wohnungen im Jahr, sieht der Verband in weiter Ferne. Am Freitag (8.00 Uhr) will das Statistische Bundesamt Juli-Zahlen zum Auftragseingang beim Bauhauptgewerbe veröffentlichen.

Nach mehr als zehn Jahren Boom erwarten Fachleute auch eine Wende am deutschen Immobilienmarkt, weil insbesondere die Zinsen für Baukredite hochgeschossen sind. Das Hamburger GEWOS-Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung rechnet damit, dass der Umsatz mit Immobilien dieses Jahr um sieben Prozent auf 313,5 Milliarden Euro fallen wird - das wäre demnach der stärkste Rückgang seit dem Jahr 2009, nach Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Klarheit über die Lage am Immobilienmarkt werden Zahlen zur Preisentwicklung im zweiten Quartal geben, die das Statistische Bundesamt ebenfalls am Freitag vorlegt. Nachdem die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal um 12 Prozent gestiegen waren, erwarten viele Fachleute eine Abschwächung.

@ dpa.de

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