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Vermischtes, SOS-Kinderdorf e.V.

SOS-Kinderdorf warnt am Welttag zur Beseitigung der Armut: Corona-Pandemie versch?rft die Folgen von Kinderarmut

16.10.2020 - 09:07:28

SOS-Kinderdorf warnt am Welttag zur Beseitigung der Armut: Corona-Pandemie versch?rft die Folgen von Kinderarmut. M?nchen - Armut hat viele Gesichter und trifft Kinder und Jugendliche als schw?chste Mitglieder der Gesellschaft besonders hart - darauf m?chte SOS-Kinderdorf e.V. zum Welttag zur Beseitigung der Armut am 17. Oktober aufmerksam machen. Die aktuellen Zahlen geben Grund zur Beunruhigung: Nach einer Studie ...

M?nchen - Armut hat viele Gesichter und trifft Kinder und Jugendliche als schw?chste Mitglieder der Gesellschaft besonders hart - darauf m?chte SOS-Kinderdorf e.V. zum Welttag zur Beseitigung der Armut am 17. Oktober aufmerksam machen. Die aktuellen Zahlen geben Grund zur Beunruhigung: Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung pr?gt Armut den Alltag von mehr als einem F?nftel aller Kinder in Deutschland, das sind 21,3 Prozent bzw. 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18. Die Corona-Pandemie versch?rft die Lage zus?tzlich: Geldn?te entstehen durch den pl?tzlichen Verlust von Arbeitspl?tzen und Konflikte in Familien eskalieren auf engem Wohnraum schneller. An der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit erlebt Anne Luther, Schulsozialarbeiterin beim SOS-Kinderdorfverein, t?glich unmittelbar die Auswirkungen von stark ausgepr?gter sozialer Ungleichheit. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihren Alltag vor Ort.

1. Frau Luther, welche Auspr?gungen von Armut begegnen Ihnen bei Ihrer Arbeit?

Was Armut bedeutet, ist ja nicht einheitlich definiert. Wenn damit relative Einkommensarmut gemeint ist, so haben wir es als Team des sozialp?dagogischen Bereichs vom SOS-Kinderdorf an der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit viel mit Familien zu tun, die arm sind - deren Einkommen also weniger als die H?lfte des Durchschnittseinkommens betr?gt. Kinder und Jugendliche sind nach wie vor die am h?ufigsten von Armut betroffene Altersgruppe. In der aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung gilt als arm, wer in einer Familie aufw?chst, die Leistungen nach dem SGB II - Grundsicherung f?r Arbeitsuchende - erh?lt. Demnach ist ein Viertel aller Berliner Kinder arm. In Berlin-Mitte, wo ich arbeite, sind es sogar 40 Prozent. Ich bevorzuge einen umfassenderen Armutsbegriff, der Lebensbereiche wie Wohnen, Ern?hrung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe einbezieht. Allen voran auch den Bereich Bildung; der Zusammenhang zwischen Bildung und Armut ist hinreichend belegt. Aus dieser Sicht ist Armut eher eine extreme Auspr?gung sozialer Ungleichheit und kann sich in vielf?ltiger Weise zeigen: Eine Sch?lerin lebt mit acht Menschen auf knapp 60 Quadratmetern, ein Sch?ler bekommt nur in der Mensa der Schule ein warmes Mittagessen und eine weitere Sch?lerin schw?nzt regelm??ig den Sportunterricht, weil sie sich f?r ihre alten Turnschuhe sch?mt. Hier wird deutlich: Armut beschr?nkt die Gestaltung des Alltags in vielen Bereichen. Armut kann besch?men, ausgrenzen und belasten. Deswegen frage ich nach den Sommerferien nicht: Wo warst du im Urlaub? Sondern: Was war gut an den Ferien? Was hat dir gefallen?

2. Hat Corona die Lage versch?rft und wenn ja, wie genau ist das sp?rbar?

Viele der Jugendlichen, mit denen ich arbeite, leben in prek?ren sozio-?konomischen Verh?ltnissen. Ihre Eltern arbeiten h?ufiger im Niedriglohnsektor und sind auf zus?tzliche Unterst?tzungsangebote angewiesen. Von Hilfen wie dem Kurzarbeitergeld profitierten die meisten in der Pandemie nicht, und viele Einrichtungen wie Tafeln oder Kleiderkammern blieben geschlossen. Berlin bietet in "normalen Zeiten" unz?hlige M?glichkeiten, Freizeitangebote f?r sehr wenig Geld oder vollkommen kostenlos zu nutzen: Bogenschie?en im Jugendklub statt Tennis im Verein oder Beatboxing-Workshop in der Schule statt Geigenunterricht beim Privatlehrer. Der Zugang ist allerdings schon ohne Corona-Krise nicht ganz leicht: Antr?ge stellen, Nachweise erbringen, das sind durchaus Hindernisse. In der Pandemie fallen viele dieser Angebote nun g?nzlich weg und somit ein Gro?teil der au?erh?uslichen Unterst?tzung. W?hrend der Schulschlie?ungen waren viele der Jugendlichen erneut st?rker benachteiligt: Zu Hause fehlt die notwendige technische Ausstattung und Unterst?tzung durch Lernf?rderung gibt es nicht. Viele Eltern sind ?berfordert, wenn sie pl?tzlich f?r f?nf Kinder unterschiedlichen Alters die Lehrkraft sein sollen - in einer Sprache, die oft nicht ihre Muttersprache ist. Und in teils beengten Wohnverh?ltnissen finden diese Kinder und Jugendlichen keinen ruhigen Ort, um konzentriert zu lernen. Auch die Konflikte nehmen h?ufig zu, wenn Familien ?ber viele Wochen hinweg auf engstem Raum zusammen sind. So kam es w?hrend des Lockdowns vermehrt zu Vernachl?ssigung und Gewalt.

2. Wie genau k?nnen Sie die betroffenen Kinder und deren Familien in der Schulsozialarbeit unterst?tzen?

Schulsozialarbeit l?st nicht alle Probleme - das kann sie nicht. Sie ist jedoch auch weit mehr als die Betreuung von Jugendlichen au?erhalb des Unterrichts. H?ufig begegnet uns das vorurteilsbehaftete Bild der teekochenden und spielenden Schulsozialarbeiterin. Das Programm von "Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen", in dem ich arbeite, ist aber viel mehr als das. Es ist zuallererst ein wirklich niedrigschwelliges Angebot der Jugendhilfe: Ich bin kontinuierlich vor Ort und kann mit den Jugendlichen in Kontakt kommen und Beziehungen aufbauen, kann auf einfachen Wegen Unterst?tzung anbieten oder veranlassen. Ich habe in meiner Arbeit den Anspruch, jede und jeden mit seinen Bed?rfnissen ernst zu nehmen und bestm?glich zu unterst?tzen. Bei der Vielfalt der Beratungsanliegen ist ein gutes Netzwerk unerl?sslich. Ein Tr?ger wie SOS-Kinderdorf versammelt da schon viel Expertise unter einem Dach: Innerhalb der Schule arbeite ich im Team mit vier Erzieher*innen, dar?ber hinaus zum Beispiel mit den Kolleg*innen der Familien- und Erziehungsberatung oder aus unserem Jugendberatungshaus. Als die Schulen schlossen, war es nicht einfach, weiter mit den Jugendlichen und ihren Familien in Kontakt zu bleiben. Ich konnte nicht mehr im Treppenhaus fragen: Wie geht es dir? Einige meiner Jugendlichen waren zun?chst vollst?ndig von der Bildfl?che verschwunden: Handynummer nicht erreichbar, E-Mailadresse nicht vorhanden - Schuldistanz total, trotz vielf?ltiger digitaler Angebote. Also bin ich ganz analog auf mein Fahrrad gestiegen und habe an Haust?ren geklingelt. Bei gemeinsamen Spazierg?ngen konnte ich mir ein Bild davon machen, wie es den Jugendlichen geht und ob es einen Hilfebedarf gibt. Ich habe Postkarten geschrieben und eine Beratungsbank im Kiez ins Leben gerufen und auf diese Weise den Kontakt aufrechterhalten.

Pressekontakt:

SOS-Kinderdorf e.V. Victoria Leipert Renatastra?e 77 80639 M?nchen Telefon 089-12606491 Mobil 0176-12605262 mailto:victoria.leipert@sos-kinderdorf.de http://www.sos-kinderdorf.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/12506/4735677 SOS-Kinderdorf e.V.

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