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Bergbau, Elektro

Siemens steht wegen einer geplanten Lieferung für ein Kohlebergwerk in Australien in der Kritik.

10.01.2020 - 15:25:24

Entscheidung bis Montag - Klimaschützer gegen Siemens-Technik für Bergwerk. In München protestieren Klimaaktivisten dagegen. Bis kommenden Montag soll bei Siemens eine Entscheidung fallen.

München/Berlin - Das Ringen um die umstrittene Lieferung einer Siemens-Signalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien geht in die Schlussrunde.

Unter dem Druck von Protesten der Klimaschutzbewegung Fridays for Future vor Büros des Unternehmens in mehreren deutschen Städten - unter anderem vor der Konzernzentrale in München kündigte Siemens eine baldige Entscheidung an. Nach einem Gespräch mit Aktivistin Luisa Neubauer kündigte Konzernchef Joe Kaeser eine Entscheidung bis kommenden Montag an.

Es gebe unterschiedliche Interessenlagen, von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft, sagte Kaeser. Siemens müsse früher erkennen, wenn sich der Konzern an kritischen Projekten beteilige. Kaeser sagte, er habe Neubauer in einem Aufsichtsgremium in der neuen Gesellschaft Siemens Energy einen Sitz angeboten. «Ich möchte, dass die Jugend sich aktiv beteiligen kann.» Er unterstütze Fridays for Future.

Hintergrund der Debatte ist ein Auftrag zur Lieferung einer Zugsignalanlage für eine geplante riesige Kohlemine in Australien, den Siemens erhalten hat. In einem offenen Brief fordert die Klima-Allianz Kaeser auf, den entsprechenden Auftrag abzulehnen. Bei einer Beteiligung setze sich Siemens einem Risiko für die eigene Reputation aus, warnt die nach eigenen Angaben aus 130 Organisationen von Brot für die Welt über Verdi bis zum WWF bestehende Klima-Allianz.

«Das Kohleprojekt der Adani-Group befeuert die Klimakrise und ist nicht kompatibel mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens», kritisiert die Klima-Allianz. Sie lobt die Ziele von Siemens, bis 2030 klimaneutral zu werden, doch der Konzern müsse den Auftrag von Adani zu Gunsten seiner Glaubwürdigkeit ablehnen. «Als Konzern, der verstanden hat ? oder vorgibt, zu verstehen, was die menschengemachte Klimakrise bedeutet ? ist es nicht zu rechtfertigen, an einem Projekt wie der Adani-Mine festzuhalten», sagte Neubauer der «Augsburger Allgemeinen».

Nach Protesten hatte Konzernchef Kaeser Mitte Dezember angekündigt, den Auftrag auf den Prüfstand zu stellen. Die Entscheidung könnte noch in dieser Woche fallen, wie aus dem Unternehmensumfeld zu hören ist. Kreisen zufolge hat das Geschäft ein Volumen von rund 20 Millionen Euro.

Von Siemens hieß es zu dem für Freitag geplanten Gespräch: «Wir nehmen das Thema sehr ernst und nehmen uns die notwendige Zeit, unterschiedliche Perspektiven zu hören und zu diskutieren.»

Nick Heubeck von Fridays for Future bewertete das Gesprächsangebot des Konzerns und die Chancen, etwas zu bewirken, positiv. «Wir haben so einen massiven Druck in Deutschland und Australien, dass ich mir bei einem Volumen von 20 Millionen Euro gut vorstellen kann, dass Siemens die in unseren Augen vernünftige Entscheidung trifft.»

Der indische Industriekonzern Adani will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft.

In Deutschland sind für Freitag laut Heubeck rund 30 Aktionen von Fridays for Future geplant, die allerdings nicht alle einen direkten Bezug zu Siemens haben. Vor Büros des Konzerns soll es ihm zufolge am Freitag unter anderem in München, Erlangen, Augsburg, Erfurt, Konstanz, Kassel, Mannheim und Dortmund Aktionen geben.

@ dpa.de