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Elektro, Klima

Siemens hat sich die Entscheidung für ein Kohleprojekt am anderen Ende der Welt nicht leicht gemacht.

13.01.2020 - 02:27:20

Proteste ohne Erfolg - Siemens hält an Zulieferung für Kohlebergwerk fest. Konzernchef Kaeser traf sich sogar mit Klimaaktivistin Neubauer. Doch am Ende haben die Proteste der Klimaschützer nichts genützt.

München - Der Industriekonzern Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest. Das teilte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser auf Twitter nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit.

Siemens habe alle Optionen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass man allen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen müsse. Bei der Kritik an dem Projekt in Australien geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer reagierte verärgert auf die Entscheidung. «Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen.» Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen.

Kaeser hatte Neubauer einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten - ob im Aufsichtsrat oder einem Gremium wollte er ihr überlassen. Siemens will sein Energiegeschäft im Frühjahr abspalten und Siemens Energy voraussichtlich im September an die Börse bringen.

Den Posten lehnte die 23-Jährige ab. Sie schlug stattdessen vor, ihn einem Wissenschaftler von Scientists for Future zu geben, einer Gruppe, die Fridays for Future unterstützt. «Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren», sagte Neubauer der dpa. «Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren.»

Kaeser bedauerte die Entscheidung, lehnte Neubauers Vorschlag aber ab. Das sei «gut gemeint», teilte er mit. «Aber Experten und Wissenschaftler haben wir schon genug.» Seine Tür stehe weiterhin offen, sagte er mit Blick auf die Diskussion mit Neubauer.

Siemens will eine Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien zuliefern. Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Nach Angaben von Neubauer hatte Siemens für das Adani-Projekt eine Schlüsselrolle. Zwei Firmen, die für den Auftrag auch in Frage kämen, hätten schon abgesagt.

Kaeser kündigte am Sonntagabend zugleich an, ein wirksames Nachhaltigkeitsgremium schaffen zu wollen, um Umweltfragen in Zukunft besser zu managen. Bereits am Freitag hatte Kaeser sich dem eigenen Unternehmen gegenüber auch kritisch gezeigt: «Wir sehen, dass wir auch indirekte Beteiligungen bei kritischen Projekten besser verstehen und frühzeitig erkennen müssen.»

Kaeser dankte für zahlreiche Mails und Reaktionen in sozialen Netzwerken sowie für persönliche Treffen zu dem Thema. Besonders Botschaften von Australiern hätten ihn bewegt. Er verwies darauf, dass Siemens sich die Klimaneutralität bis 2030 vorgenommen habe und grundsätzlich das Ziel verfolge, fossile Brennstoffe für die Volkswirtschaften überflüssig zu machen.

Australische Umweltaktivisten haben empört auf die Entscheidung des Industriekonzerns Siemens reagiert. Der Firmenbeschluss sei «nichts weniger als schändlich» und ruiniere das Image von Siemens, teilte die Australian Conservation Foundation der Deutschen Presse-Agentur mit. «Mit dieser Entscheidung zeigt das Unternehmen sein wahres Gesicht.» Die angebliche Klimawandel-Strategie des Konzerns habe sich als «inhaltsleer und bedeutungslos» entpuppt - er sei keinen Deut besser sei als die von der Ausbeutung fossiler Energieträger profitierenden Firmen, mit denen er zusammenarbeite. Der Protest gegen das Bergwerk-Projekt werde weitergeführt, kündigten die Aktivisten an.

@ dpa.de