Regierungen, Deutschland

ROM / LONDON / GLASGOW - Kurz vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Schottland an diesem Sonntag prangert der britische Premierminister Boris Johnson krasse Defizite im Kampf gegen die Erderhitzung an - und mahnt zu einer Aufholjagd der Staatengemeinschaft.

30.10.2021 - 16:03:30

Johnson zur UN-Klimakonferenz: Menschheit liegt 1:5 hinten. "Die Menschheit, als Ganzes, liegt zur Halbzeit 1:5 hinten", sagte Johnson am Samstag auf dem Flug zum G20-Gipfel in Rom. "Wir haben die Möglichkeit auszugleichen, die Position zu retten, zurückzukommen - aber es wird eine Menge Kraft kosten", sagte er nach britischen Medienberichten.

Johnson sagte, die Konferenz, in UN-Jargon COP26 genannt, sei die letzte Möglichkeit, eine Erderwärmung um mehr als 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu verhindern. Ähnlich hatte sich zuvor UN-Generalsekretär Antonio Guterres geäußert. Er drängte die wichtigsten Industrienationen beim G20-Gipfel am Wochenende in Rom, ein starkes Signal zu senden vor der Weltklimakonferenz. "Das ist ein entscheidender Moment für den Planeten", sagte Guterres dort. "Wir laufen ernsthaft Gefahr, dass Glasgow nicht liefern kann." Hoffnungen auf ein starkes Signal der G20 an den Klimagipfel wurden aber gedämpft, da es Uneinigkeit über neue Zusagen im Kampf gegen die Erderwärmung gab.

In Glasgow beraten auf Einladung der Vereinten Nationen Regierungsvertreter aus rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Menschheit die beschleunigte Erderhitzung noch auf ein erträgliches Maß eindämmen kann. Es reisen voraussichtlich etwa 25 000 Menschen an, auch Tausende Journalisten und Aktivisten.

Mit Blick auf die unzureichenden Zusagen der allermeisten Staaten zum Klimaschutz verwies Johnson auf die Geschichte. "Wenn etwas schief geht, kann es mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit schief gehen", sagte er. "Das hat man beim Fall des Römischen Reichs gesehen, und ich fürchte, dass wir auch einen Absturz unserer Zivilisation, unserer Welt sehen könnten, falls wir es nicht schaffen, den Klimawandel zu bekämpfen."

Johnson äußerte sich zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten des Treffens in Glasgow. "Wir werden den Klimawandel nicht so bald stoppen. Und wir werden ihn sicherlich nicht bei der COP26 stoppen." Es werde "äußerst schwierige" Verhandlungen zwischen den Entwicklungsländern und reicheren Staaten geben, beim Ziel, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu senken.

Alarmiert äußerte sich auch der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, zu Klimakonferenz. "Wir können es uns nicht leisten, dass sie scheitert", erklärte er. "Wenn es uns ernst damit ist, einen Anstieg um mehr als 1,5 Grad zu verhindern, dann müssen aus netten Ambitionen klare und realisierbare Maßnahmen werden."

Die geschäftsführenden Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dämpfte die Erwartungen an die Klimakonferenz. "Es wäre ein Fehler, von Weltklimakonferenzen die spontane Weltrettung zu erwarten - dafür ist die Herausforderung zu komplex", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Klimakonferenzen funktionieren nicht nach dem Prinzip Alles oder Nichts. Das ist ein Langstreckenlauf, bei dem jede Etappe ihre Bedeutung hat. Glasgow wird nicht Paris 2.0."

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Schulze, es müsse aber gelingen, das Regelwerk für das Klimaabkommen von Paris aus dem Jahr 2015 abzuschließen. Hier sieht Schulze einen Knackpunkt bei Artikel 6 des Abkommens, dieser werde "kompliziert zu lösen" sein. Dabei geht es um die Zusammenarbeit beim Klimaschutz zwischen Staaten oder zwischen Unternehmen und Staaten. Dabei muss präzise geregelt werden, wer sich Minderungen beim Ausstoß von Treibhausgasen anrechnen darf, um Doppelbuchungen auszuschließen.

Der Gewinner des diesjährigen Alternativen Nobelpreises rügte das Fernbleiben des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei der Weltklimakonferenz. "Putin schickt ein Team von Regierungsmitarbeitern, die so tun werden, als wäre das eine Art Markt, um Gas zu verkaufen", sagte der russische Umweltschützer Wladimir Sliwjak der Deutschen Presse-Agentur. Der Staatschef will sich wegen der Corona-Pandemie nur online zur COP26 zuschalten. "Als einer der vier größten Umweltsünder in der Geschichte der Menschheit muss Russland mehr zur Reduzierung der Emissionen tun."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Südafrika: Corona-Neuinfektionen steigen rapide an. Am Freitag meldete das Nationale Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) 16 055 Neuinfektionen innerhalb eines Tages bei 65 990 durchgeführten Covid-Tests. Vor genau einer Woche lag in dem Land mit rund 59 Millionen Einwohnern die Zahl der Neuinfektionen bei 2 828, nachdem 30 904 Tests durchgeführt wurden. 72 Prozent der neuen Fälle sind nach NICD-Angaben in der bevölkerungsreichsten Provinz Gauteng, zu der auch die Metropole Johannesburg gehört, aufgetreten. JOHANNESBURG - Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Südafrika steigt rapide an. (Wirtschaft, 03.12.2021 - 20:20) weiterlesen...

China warnt nach Baerbock-Kritik vor Konfrontationskurs. "Was wir brauchen, sind Brückenbauer anstatt Mauerbauer", schrieb eine Botschaftssprecherin am Freitag in einer Stellungnahme zu einem Interview der "taz" mit Baerbock. Darin hatte die Grünen-Politikerin sich für einen härtere Kurs gegenüber China ausgesprochen. BERLIN - Nach China-kritischen Äußerungen der designierten Außenministerin Annalena Baerbock hat die chinesische Botschaft in Berlin vor einem Konfrontationskurs zwischen beiden Ländern gewarnt. (Wirtschaft, 03.12.2021 - 19:40) weiterlesen...

Gut die Hälfte der Omikron-Infizierten in England vollständig geimpft. Von den 22 bestätigten Infizierten hätten zwölf mindestens zwei Corona-Impfungen erhalten, teilte die britische Gesundheitsbehörde am Freitag mit. LONDON - Mehr als die Hälfte der bislang nachgewiesenen Infektionen mit der besorgniserregenden Omikron-Variante des Coronavirus in England sind bei vollständig Geimpften aufgetreten. (Wirtschaft, 03.12.2021 - 19:39) weiterlesen...

Corona-Inzidenz in Italien weiter steigend. Stand Donnerstag berechneten sie die Experten landesweit für die zurückliegenden sieben Tage auf durchschnittlich 155 Fälle je 100 000 Einwohner, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in Rom mit. In der Vorwoche lag der Wert noch bei 125. Besonders hoch ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Südtirol mit rund 646 Fällen je 100 000 Einwohner, dahinter folgen mit klarem Abstand die norditalienischen Regionen Friaul-Julisch Venetien, Venetien und das Aostatal. ROM - In Italien steigt die Corona-Inzidenz weiter deutlich an. (Wirtschaft, 03.12.2021 - 18:42) weiterlesen...

Mehrere Länder kippen Testpflicht nach Auffrischungsimpfung. Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg kündigten die Lockerungen für Drittgeimpfte am Freitag schon mit Wirkung ab Samstag an. Auch Mecklenburg-Vorpommern prüft einen solchen Schritt - Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) hoffe jedoch auf eine bundesweite Lösung und wolle das Thema bei der Gesundheitsministerkonferenz am Montag ansprechen, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. HANNOVER/MAINZ - In mehreren Bundesländern entfällt die Testpflicht für Menschen, die eine Auffrischungsimpfung gegen Corona erhalten haben. (Wirtschaft, 03.12.2021 - 18:41) weiterlesen...

AUSBLICK 2022: Zwei Jahre Corona - Wie lange noch von der Pandemie zur Endemie?. Mittlerweile steckt Deutschland in der vierten Corona-Welle - der bisher schlimmsten, gemessen an der Zahl der Infizierten. Und Experten halten hierzulande noch immer so viele Menschen für empfänglich, dass das Virus weitere Wellen befeuern könnte. BERLIN/GENF/PEKING - Rund zwei Jahre sind vergangen seit den ersten Berichten über eine mysteriöse Lungenkrankheit in der chinesischen Metropole Wuhan. (Wirtschaft, 03.12.2021 - 18:19) weiterlesen...