Deutschland, China

PEKING - Chinas Wirtschaft wächst schneller als erwartet.

17.04.2019 - 06:34:24

Chinas Wirtschaft wächst mit 6,4 Prozent unerwartet schnell. Die zweitgrößte Volkswirtschaft legte im ersten Quartal um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt am Mittwoch in Peking mitteilte. Das Wachstum zeigt sich damit im Vergleich zum letzten Quartal des vergangenen Jahres überraschend stabil. Experten hatten in den ersten drei Monaten dieses Jahres wegen der negativen Auswirkungen des Handelskrieges mit den USA und anderer Unsicherheiten ein langsameres Wachstum erwartet.

Doch zeigen die Steuersenkungen und andere Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft ihre Wirkung. So stieg die Industrieproduktion im ersten Quartal um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Einzelhandelsumsätze legten um 8,3 Prozent zu. Die Anlageinvestitionen, das heißt die Ausgaben unter anderem für Maschinen, Immobilien oder Infrastruktur, wuchsen um 6,3 Prozent.

Von einem kräftigen Wachstum in China profitiert auch die deutsche Wirtschaft, die viel nach China exportiert und stark auf dem chinesischen Markt engagiert ist. "Der Wirtschaft geht es besser", sagte die unabhängige chinesische Expertin Ye Tan. "Die Börse und der Immobilienmarkt entwickeln sich gut. Hinzu kommt die lockere Geldpolitik. All diese Maßnahmen kurbeln den Konsum an." Die Aussichten seien nicht schlecht: "Es gibt keine Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung dieses Jahr verschlechtert."

Das Wachstum liegt auch im Rahmen der Vorgabe der Regierung mit 6,0 bis 6,5 Prozent für dieses Jahr, was gleichwohl so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr ist. Zuvor hatte es allerdings auch schon andere erfreuliche Wirtschaftsdaten gegeben, so dass der Währungsfonds (IWF) seine Vorhersage für China in diesem Jahr jüngst von 6,2 auf 6,3 Prozent nach oben korrigiert hatte.

Die Organisation der Industrieländer (OECD) warnte jedoch, dass die Konjunkturmaßnahmen zwar kurzfristig das Wachstum in China voranbringen, aber langfristig die Bemühungen untergraben, die - auch für viele große OECD-Länder - hohe Schuldenlast zu reduzieren und strukturelle Verzerrungen zu korrigieren.

"Die Politik sollte sich auf langfristige Strategien konzentrieren, die Wirtschaft in Richtung höheren heimischen Konsums und Dienstleistungen zu bewegen, die Effizienz der Wirtschaft zu verbessern und sicherzustellen, dass zukünftiges Wachstum nachhaltiger, grüner und sozial gerechter ist", heißt es in einer Stellungnahme der OECD zu ihrem neuen Jahresbericht über China.

Im Handelskonflikt mit den USA könnte das stabile Wachstum zunächst die Verhandlungsposition Chinas stärken. Doch dürften ein Scheitern der laufenden Gespräche und eine folgende neue Eskalation der Sonderzölle schwere negative Auswirkungen haben, warnte die OECD. Darunter hätte auch die Weltwirtschaft noch weiter zu leiden, da China zu einem Viertel zum globalen Wachstum beitrage.

Die beiden größten Volkswirtschaft haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Die USA wollen eine Verringerung des US-Handelsdefizits und fordern besseren Marktzugang, wirksameren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, was den Markt verzerrt.

Sollte es keine Einigung in den andauernden Handelsgesprächen geben, drohen neue Strafmaßnahmen. Die amerikanischen Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar könnten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

TAGESVORSCHAU: Termine am 22. April 2019. FRANKFURT - Wirtschafts- und Finanztermine am Montag, den 22. April: TAGESVORSCHAU: Termine am 22. April 2019 (Boerse, 19.04.2019 - 17:31) weiterlesen...

Tausende protestieren für mehr Klimaschutz - Greta Thunberg in Rom. Allein in Rom versammelten sich mehrere Tausend überwiegend junge Leute - mit dabei die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. "Wir werden unseren Kampf für unsere Zukunft fortsetzen", versprach die 16 Jahre alte Schülerin unter dem Jubel der Menge auf der zentralen Piazza del Popolo. ROM/BERLIN - Tausende Menschen sind am Karfreitag weltweit für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. (Boerse, 19.04.2019 - 16:27) weiterlesen...

Linke will neuen Untersuchungsausschuss zur Treuhand. "Das Treuhand-Trauma ist nicht überwunden", sagte Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Verheerende politische Fehler, die in der Nachwendezeit gemacht worden seien, müssten ans Tageslicht und aufgearbeitet werden. BERLIN - Fast 30 Jahre nach der Wende will die Linke im Bundestag einen neuen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Treuhand. (Wirtschaft, 19.04.2019 - 15:51) weiterlesen...

Städtetag: EU-Vorgaben könnten Tickets im Nahverkehr teurer machen. "Es ist zu befürchten, dass das ÖPNV-Angebot durch die Richtlinie langfristig teurer wird oder sogar reduziert werden muss", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Deutschen Presse-Agentur. BRÜSSEL - Der Deutsche Städtetag warnt vor steigenden Preisen im Nahverkehr wegen neuer EU-Vorgaben zur Anschaffung sauberer Busse. (Boerse, 19.04.2019 - 14:56) weiterlesen...

TV-Quoten: Knapp sechs Millionen sehen Commissario Brunetti. Fall gelöst. Der Donna-Leon-Krimi "Ewige Jugend" mit Uwe Kockisch in der Hauptrolle kam in der ARD am Donnerstagabend auf 5,93 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 20,7 Prozent. Zuvor sahen ab 20.15 Uhr 5,81 Millionen (22,3 Prozent) den ARD-"Brennpunkt" zum Busunglück auf Madeira. Die Brunetti-Jubiläumsfolge begann deshalb zehn Minuten später. BERLIN - Vor den Augen von knapp sechs Millionen Fernsehzuschauern hat Commissario Brunetti in Venedig seinen 25. (Boerse, 19.04.2019 - 14:31) weiterlesen...

Regierung will Gesetz für Klimaziele 2030 in diesem Jahr billigen. Das hat die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag versichert, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Dem neuen Klimakabinett, das vergangene Woche erstmals getagt hat, komme dabei "eine entscheidende Rolle" zu, heißt es. BERLIN - Die Bundesregierung will wie im Koalitionsvertrag vereinbart noch in diesem Jahr per Gesetz festschreiben, wie die Klimaschutzziele für 2030 erreicht werden. (Boerse, 19.04.2019 - 14:30) weiterlesen...