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Tourismus, Regierungen

PALMA - Trotz heftiger Proteste von Gastronomen, anderen Unternehmern und Oppositionspolitikern sind die Corona-Maßnahmen auf Mallorca und Ibiza drastisch verschärft worden.

13.01.2021 - 15:39:27

Drastische Corona-Maßnahmen trotz Proteste. Seit Mittwoch müssen auf den spanischen Urlaubsinseln unter anderem alle Restaurants, Cafés und Bars sowie auch alle Fitnessstudios und große Läden, die nicht den Grundbedarf decken, geschlossen bleiben. Zudem sind private Treffen von Menschen, die nicht im selben Haushalt leben, zu Hause und in der Öffentlichkeit verboten. Es gilt auch eine Art "Maulkorb": Die Regionalregierung der Balearen empfahl explizit, in öffentlichen Verkehrsmitteln zu schweigen, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Die Balearen hatten die Pandemie lange Zeit relativ gut im Griff. Erste "Test-Urlauber" aus Deutschland wurde hier Ende Juni sogar schon vor der offiziellen Wiederöffnung der Grenzen in Spanien begrüßt. Seit Mitte Dezember wird die Lage aber immer besorgniserregender. Zeitweise hatten die Inseln die höchsten Zahlen ganz Spaniens. Die Lage sei weiterhin "extrem", warnte diese Woche die sozialistische Regionalpräsidentin Francina Armengol. "Es geht darum, Leben zu retten."

Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen lag am Mittwoch nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid bei gut 304. Das ist fast so hoch wie in dem in Deutschland besonders betroffenen Bundesland Thüringen und wesentlich höher als im Durchschnitt Spaniens, wo dieser Wert bei knapp 254 lag. Die Lage in den Krankenhäusern ist entsprechend prekär.

Die Verschärfung der Maßnahmen gilt gemäß Dekret vorerst bis zum 30. Januar. Nach zwei Wochen will die Regionalregierung sie auf den Prüfstand stellen. Der Hoffnung, es könnte dann wieder eine Lockerung geben, erteilte die balearische Gesundheitsministerin Patricia Gómez eine klare Absage. Zwei Wochen reichten normalerweise nicht aus, um die Lage zu verbessern, warnte sie.

Es stünden noch "sehr schwere Wochen bevor", sagte Gómez. Inzwischen sei die Lage auf Ibiza noch schlimmer als auf Mallorca, betonte sie. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen 14 Tagen liege dort bereits bei 763. Auf Mallorca lag diese sogenannte 14-Tage-Inzidenz zuletzt bei 624.

Nach 674 Neuinfektionen binnen 24 Stunden kam die Region mit knapp 1,2 Millionen Einwohnern am Mittwoch auf insgesamt 42 580 bestätigte Ansteckungen. Die Zahl der Menschen, die mit Covid-19 starben, übertraf die 500er-Marke (503).

Trotz dieser Zahlen und eines Demonstrationsverbots wegen der großen Ansteckungsgefahr gingen auf Mallorca am Dienstag nach Medienschätzungen 4000 bis 5000 Menschen auf die Straßen, um gegen die Verschärfung der Maßnahmen zu protestieren. Es waren vor allem Vertreter der Gastronomiebranche, die mit ihrem Motto "Si el pueblo no trabaja, tú no cobras"" (Wenn das Volk nicht arbeitet, bekommst du kein Gehalt) eine Warnung an Armengol richteten.

"Última Hora" sprach mit der verzweifelten Kundgebungsteilnehmerin Mercedes Rando. "Ich kann einfach nicht mehr", sagte dem Blatt die Betreiberin eines Cafés in der Mallorca-Hauptstadt Palma. Ihre Familie lebe von den letzten Ersparnissen und habe bei Anhalten der schlimmen Situation bald nichts mehr zu essen, sagte sie.

Vor allem auf Mallorca und der bei Deutschen besonders beliebten Partymeile des "Ballermann", aber auch auf den anderen Balearen-Inseln Ibiza, Menorca und Formentera berichten Hilfsorganisationen von einer drastischen Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Armut. Der Tourismus trägt 35 Prozent des Regionaleinkommens bei.

Nicht nur bei den Gastronomen löste die Regionalregierung großen Unmut aus. Die "Mallorca-Zeitung" schrieb in einem Kommentar, die immer neuen und wechselnden Auflagen seien immer schwerer nachzuvollziehen. Der konservative Oppositionsführer Biel Company sagte am Mittwoch in einem Radiointerview, die Menschen seien verzweifelt. Der von seiner Volkspartei (PP) geforderte 400-Millionen-Euro-Hilfsplan sei dringend nötig. Die Bürger der Balearen würden sonst "weder Gesundheit noch Wirtschaft haben".

@ dpa.de

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