Bergbau, Rohstoffe

OSTRAVA - Der Nordosten Tschechiens steht vor einem ähnlichen Strukturwandel, wie ihn das Ruhrgebiet nach dem Zechensterben durchgemacht hat.

16.04.2017 - 14:15:25

Tschechien sucht gegen Strukturwandel Inspiration im Ruhrgebiet. Ivo Vondrak, Präsident der Region Mährisch-Schlesien, sucht daher auch nach Inspiration im deutschen Revier. "Das war einer der Gründe für unsere jüngste Reise nach Nordrhein-Westfalen", sagte der Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Mit der Schließung des Bergwerks Paskov, rund 15 Kilometer südlich von Ostrava (Ostrau) nahe der Grenze zu Polen, hatten Ende März rund 1000 Arbeiter ihren Job im Steinkohleabbau verloren. Weitere Zechenschließungen scheinen langfristig unausweichlich, denn die Förderung des heimischen Rohstoffs ist immer weniger rentabel. Das gilt selbst dann, wenn der Staat wie geplant einspringt.

Doch es gibt erhebliche Unterschiede zu Entwicklung in Deutschland, meint Vondrak. "Es ärgert mich, dass man bei uns nur selten auf ein Maß an sozialer Verantwortung trifft, wie es Firmen in Deutschland bei der Rekultivierung nach dem Bergbau an den Tag legen", sagte er.

Positiv wirkt sich indes aus, dass der Wandel in Tschechien nicht wie etwa im Ruhrpott der Achtzigerjahre in eine Rezession fällt. In der Region gibt es 11000 freie Arbeitsplätze - wenngleich Umschulungen meist unerlässlich und die Jobs oft schlechter bezahlt sind.

Die Zukunft sieht Vondrak unter anderem in der Industrie 4.0, also der Verknüpfung der Digitalwelt mit der klassischer Produktion. Im Sommer will er in Zusammenarbeit mit Kommunen und Hochschulen eine Innovationsplattform starten, um den Strukturwandel voranzubringen.

"Das soll der Katalysator für all das werden", sagte Vondrak. Chancen sieht er auch in der Mechatronik und der Biomedizin. Eine große Herausforderung bleibe: "Wir müssen versuchen, die Koexistenz der traditionellen Industrie und der neuen Zweige sicherzustellen."

@ dpa.de

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