Deutschland, Volkswirtschaft

OSNABRÜCK - Den renommierten Deutschen Umweltpreis erhalten in diesem Jahr eine Bodenforscherin und der Unternehmer, der die Putzmittelmarke Frosch vertreibt.

13.09.2019 - 07:43:35

Deutscher Umweltpreis an Bodenwissenschaftlerin und Unternehmer. Die mit 500 000 Euro dotierte Auszeichnung teilen sich die Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner von der Technischen Universität München und Reinhard Schneider, Chef der Firma Werner & Mertz aus Mainz, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Freitag in Osnabrück berichtete.

Kögel-Knabner habe bahnbrechende Forschung zur Speicherfähigkeit von Kohlenstoff in Böden geleistet. Schneider lebe Nachhaltigkeit in allen unternehmerischen Entscheidungen. Der Preis wird am 27. Oktober in Mannheim von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

DBU-Chef Alexander Bonde würdigte Schneider (51) für dessen "unternehmerischen Rundum-Nachhaltigkeitsstrategie". Zu seinen Verdiensten gehöre das konsequente Wiederverwenden von Altplastik für neue Verpackungen, umwelt- und gesundheitsfreundlich bedruckte Etiketten und die Verwendung von heimischen Pflanzenölen für seine Wasch- und Reinigungsmittel, womit er auf problematisches Palmöl aus tropischen Regionen verzichte.

Schneider, der seit 2000 das Familienunternehmen in fünfter Generation leite, habe Nachhaltigkeitsmanagement zur Chefsache gemacht, sagte Bonde. Er habe sich zudem dafür eingesetzt, dass "in einer kompletten Wirtschaftsbranche Umweltinnovationen auf immer höherem Standard etabliert werden konnten".

Trotz höherer Produktionskosten habe Schneider 2012 eine Rezyklat-Initiative mit Partnern aus Industrie, Handel und Nichtregierungsorganisationen ins Leben gerufen. Damit soll der Anteil von Recyclingprodukten schnell erhöht und am Massenmarkt etabliert werden, sagte Bonde. Schneider sei "ein Mittelständler mit Haltung, der mit seiner erkennbaren und durchgängigen Einstellung für das Thema Umweltschonung steht". Der gelebte Nachhaltigkeitsgedanke sei national wie international sichtbar, so Bonde. Er manifestiere sich auch in der 2010 eröffneten Hauptverwaltung in Mainz mit Sonnenkollektoren, Windrädern und Geothermie.

Die von einem fränkischen Bauernhof stammende 60-jährige Forscherin Kögel-Knabner habe die zentrale Rolle des Bodens in den Fokus zu gerückt, sagte Bonde. Sie habe bedeutende Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Kohlenstoff im Boden gebunden werde. Dass die deutsche Bodenkunde heute führend in der Forschung sei, sei ein Verdienst von Kögel-Knabner.

Böden seien über die Aufnahme des klimaschädigenden Kohlendioxids aus der Luft durch Pflanzen zwar einerseits einer der weltgrößten Speicher für Kohlenstoff, aber beim Zersetzungsprozess der Pflanzen gäben sie andererseits auch Treibhausgase frei. Daher sei ihre Funktion wichtig auch für den Verlauf des Klimawandels. "Aus ihrer Forschungsarbeit ergab sich ein völlig neues Verständnis für die Kapazität von Böden, Kohlenstoff aufzunehmen und zu speichern", sagte Bonde. "Vor allem aber lieferte Kögel-Knabner Antworten auf die Frage, auf welchen Böden eine Kohlenstoffspeicherung nachhaltig möglich ist, um dem Klimawandel entgegenzuwirken."

Die Arbeit Kögel-Knabners ermögliche es, Umweltveränderungen im Boden zu überwachen, frühzeitig zu erkennen und Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Ein Verlust von Böden bedeute einen Verlust von Lebensraum und von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Mit dem Klimawandel verstärke sich in Zukunft auch das Problem der Bodenerosionen. Kögel-Knabner sagte, in Klimamodellen sei der Boden noch weitgehend unterrepräsentiert. Sie untersucht derzeit welche Bewirtschaftung geeignet ist, um Pflanzenreste tief in den Boden einzubringen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

«Spürbare Auswirkungen» - Unruhen schaden Hongkongs Wirtschaft. Proteste stören den Flughafen, Touristen bleiben weg, der Einzelhandel leidet. Seit mehr als vier Monaten demonstrieren die Hongkonger. (Wirtschaft, 22.09.2019 - 11:54) weiterlesen...

dpa-AFX KUNDEN-INFO: Finanzanalysen in den dpa-AFX Diensten. Bei der Erstellung der Meldungen wird regelmäßig das Sechs-Augen-Prinzip (Erstellung, Prüfung, zusätzliche Freigabe) angewendet. Jede/r Redakteur/in der dpa-AFX unterzeichnet einen internen Code of Conduct, der spezifische dpa-AFX Regelungen zur Wahrung der publizistischen Unabhängigkeit vorgibt und deren Einhaltung dpa-AFX individuell mit einem externen Audit überprüfen lassen kann. FRANKFURT - Alle Meldungen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX werden mit journalistischer Sorgfalt erarbeitet. (Boerse, 22.09.2019 - 04:47) weiterlesen...

Viel Kritik am Klimapaket - Städtetag: Verkehrswende beschleunigen. Nach Ansicht des Deutschen Städtetages wird sich der Erfolg maßgeblich in der Verkehrspolitik entscheiden. "Damit wir die Klimaziele für 2030 erreichen können, muss aus Sicht der Städte vor allem die Verkehrswende hin zu nachhaltiger Mobilität viel stärker auf Touren kommen", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig, der Deutschen Presse-Agentur. BERLIN - Die Beschlüsse der großen Koalition für den Klimaschutz stoßen auf scharfe Kritik und Skepsis: Führende Umwelt- und Wirtschaftsforscher halten das Paket für zu kleinteilig und in der Wirkungskraft zu begrenzt. (Wirtschaft, 21.09.2019 - 18:32) weiterlesen...

GESAMT-ROUNDUP 2: USA verlegen Truppen in den Nahen Osten - Iran droht mit Krieg. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) drohten unterdessen für den Fall eines Angriffs mit einem "Krieg ohne Grenzen". Der Iran werde zurückschlagen und es werde "nirgendwo sicher bleiben", erklärte Chefkommandeur Hussein Salami am Samstag. Iranische Vertreter hatten für den Fall eines Angriffs bereits zuvor mit einem "umfassenden Krieg" und Vergeltungsschlägen gegen Israel gedroht. WASHINGTON/TEHERAN - Nach den Angriffen auf saudische Ölanlagen will US-Präsident Donald Trump zunächst keine Vergeltungsschläge gegen den Iran, sondern setzt auf härtere Sanktionen und die Entsendung zusätzlicher Truppen in die Region. (Boerse, 21.09.2019 - 18:32) weiterlesen...

Labour-Parteitag beginnt im Zeichen des Brexit-Streits. Labour-Generalsekretärin Jennie Formby rief die Delegierten am Samstag auf, Differenzen beiseite zu legen. Stattdessen müsse die größte britische Oppositionspartei sich "zu 100 Prozent darauf fokussieren", die Konservativen bei kommenden Wahlen zu besiegen. BRIGHTON - Mit einem Appell zur Geschlossenheit hat im südenglischen Brighton der fünftägige Parteitag der britischen Sozialdemokraten begonnen. (Wirtschaft, 21.09.2019 - 18:12) weiterlesen...

Thunberg vor Vereinten Nationen: 'Uns kann niemand stoppen'. "Gestern sind Millionen Menschen rund um den Globus marschiert und haben wirkliche Klimamaßnahmen verlangt, vor allem junge Leute", sagte die 16-Jährige am Samstag beim UN-Jugendklimagipfel in New York. NEW YORK - Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat nach den weltweiten Klimaprotesten vor den Vereinten Nationen den Kampf gegen die Klimakrise beschworen. (Wirtschaft, 21.09.2019 - 18:03) weiterlesen...