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Auto, Daimler

Nach einem coronabedingt desaströsen zweiten Quartal sieht Daimler wieder bessere Zeiten nahen - fĂŒr sich selbst aber auch noch viel Handlungsbedarf.

23.07.2020 - 13:12:10

Scharfer Sparkus - Tiefrote Zahlen setzen Daimler unter Druck. Immer neue Spar-Spekulationen sorgen fĂŒr Unruhe, doch Konzernchef KĂ€llenius bleibt vage.

Stuttgart - Die Corona-Krise sorgt fĂŒr tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt dem Autobauer einen noch deutlich schĂ€rferen Sparkurs auf.

Allein im zweiten Quartal fuhr der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust ein. Weil weltweit Fabriken stillstanden, AutohĂ€user schließen mussten und auch viele andere Unternehmen nicht arbeiten und somit auch keine Lastwagen kaufen konnten, knickten die Absatzzahlen ein. Fast ein Drittel des Umsatzes brach weg. «Vor uns liegen herausfordernde Monate und Jahre», sagte Vorstandschef Ola KĂ€llenius am Donnerstag und stellte einmal mehr klar: Daimler muss noch mehr sparen - ĂŒberall, auch beim Personal.

Wie viel, wie genau und wen es trifft, ließ KĂ€llenius allerdings erneut offen. Zwar hatte Personalvorstand Wilfried Porth schon vor zwei Wochen angekĂŒndigt, dass deutlich mehr als die bislang kolportierten 15.000 der weltweit rund 300.000 ArbeitsplĂ€tze wegfallen mĂŒssten. Zuletzt machten dann aber schon Berichte von 20.000 oder gar 30.000 Stellen die Runde - dazu jedoch schweigt der Konzern ebenso wie zu möglichen weiteren Reduzierungen der ProduktionskapazitĂ€t in den Werken. Bekannt ist schon, dass Daimler sein Werk im französischen Hambach verkaufen will.

KĂ€llenius hatte vergangenen Herbst angekĂŒndigt, bis Ende 2022 im Personalbereich 1,4 Milliarden Euro an Kosten einsparen zu wollen, in erster Linie ĂŒber die Nichtnachbesetzung frei werdender Stellen, ĂŒber Vorruhestands- und Abfindungsvereinbarungen. «Das setzen wir konsequent um», betonte er am Donnerstag. Allerdings: Die Folgen der Corona-Pandemie seien darin natĂŒrlich nicht berĂŒcksichtigt gewesen. SĂ€mtliche Annahmen etwa zur Nachfrage und zum Wachstum hĂ€tten sich nach unten verschoben. Daher schĂ€rfe man das Programm nun nach und dehne es bis ins Jahr 2025 aus.

So Ă€hnlich hatte sich KĂ€llenius in den vergangenen Wochen schon mehrfach ausgedrĂŒckt und damit große Unruhe in der Belegschaft ausgelöst - auch weil sein Personalchef Porth betriebsbedingte KĂŒndigungen nicht mehr gĂ€nzlich ausschließen will.

«Die BeschĂ€ftigungssicherung bei #Daimler hat Bestand und ĂŒber Standortschließungen diskutieren wir nicht», hatte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht noch am Mittwochabend getwittert, als neue entsprechende Berichte aufkamen. «Sensationsmeldungen helfen uns nicht weiter und fĂŒhren nur zu Verunsicherung. Nur gemeinsam können wir die #Transformation der Automobilindustrie erfolgreich meistern», schrieb er.

Betriebsbedingte KĂŒndigungen seien, auch wenn die wirtschaftliche Lage sie erlaube, «immer das letzte Mittel», beschwichtigte KĂ€llenius am Donnerstag. Man sei in konstruktiven GesprĂ€chen, um sie zu verhindern. Wie? Da wolle er nicht vorgreifen, sagte er.

Nur negativ wollte KĂ€llenius die Zahlen fĂŒr das zweite Quartal auch nicht verstanden wissen. Zwar verbucht Daimler fĂŒr die Zeit einen auf die AktionĂ€re entfallenden Verlust von zwei Milliarden Euro - und 1,9 Milliarden vor dem sogenannten Abzug von Minderheitenanteilen. Es sei aber gelungen, die Kosten im Rahmen und das Geld zusammenzuhalten - was selbst viele Branchenkenner so nicht erwartet hatten.

Zudem sehen KĂ€llenius und auch Truck-Chef Martin Daum beim Absatz erste Anzeichen einer Besserung. Zwar sind 541.800 verkaufte Autos, Vans, Lastwagen und Busse im zweiten Quartal weit entfernt vom ĂŒblichen Niveau. Das lag aber vor allem an Europa und Nordamerika und zeigte im Juni schon wieder eine positive Tendenz, wie beide betonten. Und im wichtigsten Markt China liege die Kernmarke Mercedes-Benz Pkw schon wieder ĂŒber dem Vorjahresniveau.

Am Jahresende dĂŒrfte daher im TagesgeschĂ€ft zumindest ein Gewinn im niedrigen einstelligen Milliardenbereich ĂŒbrig bleiben, sagte Finanzchef Harald Wilhelm - vorausgesetzt, die wirtschaftliche Erholung gehe in der zweiten JahreshĂ€lfte weiter und es brĂ€chen keine neuen großen Corona-Wellen ĂŒber die wichtigen MĂ€rkte herein.

Was KĂ€llenius ebenfalls als Erfolg verbucht: Man habe trotz Krise die Arbeit an den strategisch wichtigen Zukunftsthemen Digitalisierung und Elektrifizierung vorantreiben können. Trotzdem mĂŒsse die Gewinnschwelle auf lange Sicht sinken. «Es ist auch strategisch wichtig, das Unternehmen wetterfester zu machen», betonte er.

Am Ende dĂŒrfte sich das wohl auch auf die Modellpalette auswirken. KĂ€llenius will die Autosparte wieder stĂ€rker auf den Luxusbereich ausrichten, das grĂ¶ĂŸte Potenzial sieht er jeweils am oberen Ende der Segmente und weniger in den massentauglichen Modellen. Details dazu soll es aber auch erst in einigen Monaten geben.

© dpa-infocom, dpa:200723-99-898372/2

@ dpa.de