Deutschland, International

Mit steigenden Temperaturen wird die Welt auch stürmischer.

10.01.2023 - 10:43:37

Bericht: Starke Stürme, Hitze, Dürre werden häufiger. Dementsprechend steigen nach einer Analyse der Munich Re die Schäden durch Naturkatastrophen.

Zunehmend heftige Stürme lassen nach Einschätzung des Rückversicherers Munich Re in den kommenden Jahren steigende Naturkatastrophenschäden auf der Erde befürchten. Im vergangenen Jahr verursachten Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände und andere Naturkatastrophen weltweit volkswirtschaftliche Schäden von 270 Milliarden Dollar, wie die Munich Re am Dienstag mitteilte.

Das war nach Analyse des Unternehmens zwar weniger als 2021 (320 Mrd), reihte sich aber in die «schadenintensiven» vergangenen fünf Jahre ein. Teuerste Katastrophe des vergangenen Jahres war demnach mit 100 Milliarden Dollar der Hurrikan «Ian», der Ende September die US-Ostküste traf.

Naturkatastrophen werden auch für Versicherungen zunehmend teuer: Von den 270 Milliarden Gesamtschaden waren rund 120 Milliarden versichert. «Wir haben so etwas wie eine neue Normalität mit 100 Milliarden jährlichen Schäden für die Versicherungswirtschaft», sagte Ernst Rauch, Leiter der Geoforschung bei der Munich Re. «Wir haben in der jüngeren Vergangenheit fünfmal diese Grenze überschritten. In Zukunft werden wir die hundert Milliarden immer häufiger erreichen oder überschreiten.»

Brennpunkt Nordamerika

Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten die globalen Schäden durch Naturkatastrophen, da die Daten für die Berechnung von Versicherungsbeiträgen von Bedeutung sind. Nordamerika wird häufig finanziell am schwersten von Naturkatastrophen getroffen, so auch im vergangenen Jahr mit 150 Milliarden Dollar Gesamtschaden.

Hurrikane sind dabei ein maßgeblicher Faktor. «Die Hurrikanstatistik im Atlantik geht bis 1851 zurück», sagte Rauch. «Im Mittel gab es seither etwa elf bis zwölf benannte tropische Wirbelstürme pro Jahr, allerdings sind die Beobachtungsdaten aus früheren Jahrzehnten nicht unbedingt vollständig.»

Gesicherte Daten gebe es seit Beginn der Satellitenbeobachtung Ende der 70er Jahre. «Und seither hatten wir eine durchschnittliche Zahl von etwa 14 bis 15 benannten Stürmen pro Jahr, viele davon in Hurrikanstärke. Auch unsere Beobachtung in den letzten Jahren ist, dass die Zahl der Stürme im Nordatlantik zugenommen hat.»

Die Munich Re geht davon aus, dass der für die US-Ostküste und die Karibik beunruhigende Trend anhält: «Zugenommen hat auch der Anteil der besonders starken Stürme, und dieser wird im Zuge des Klimawandels weiter zunehmen», sagte Rauch.

Trockenheit und hohe Temperaturen in Europa

An zweiter Stelle der Naturkatastrophenschäden folgt die Region Asien/Pazifik mit rund 70 Milliarden. Die Schäden in Europa beliefen sich auf etwa 25 Milliarden. Ungewöhnlich waren nach Einschätzung der Geowissenschaftler des Unternehmens vor allem extreme Trockenheit und Temperaturen in Teilen des Kontinents. «Den Hitzesommer 2022 muss man in seiner Außergewöhnlichkeit thematisieren und einordnen», sagte Rauch.

«In Hamburg und in London hatten wir erstmals über 40 Grad, und wieder - ähnlich wie 2018 - eine starke Dürre gesehen. Es gibt nicht viele Jahre, in denen man in Deutschland den Klimawandel so unmittelbar spüren kann.» Rauchs Erwartung für die Zukunft: «Diese Kombination von Hitze und Dürre werden wir in Zukunft öfter sehen.»

Einzelne Naturkatastrophen verursachen mittlerweile in manchen Weltregionen sehr viel gravierendere Schäden als in der Vergangenheit: «Die Überschwemmungen in Australien zeigen eine sprunghafte Schadenentwicklung, die wir in manchen Ländern und bei manchen Naturgefahren zunehmend beobachten», sagte Rauch. So summierten sich die Flutschäden in Australien auf 4,7 Milliarden, deutlich mehr als das Doppelte des bis dahin größten Überschwemmungsschadens von 1,8 Milliarden.

Das betrifft auch Deutschland: «Im Ahrtal übertraf der versicherte Schaden mit acht Milliarden Euro den vorherigen Schadenrekord durch Hochwasser in Deutschland um den Faktor vier», nannte Rauch die Flut des Sommers 2021 als Beispiel.

@ dpa.de