Deutschland, Immobilien

Mit den stark gestiegenen Zinsen kühlt sich der Boom am deutschen Immobilienmarkt ab - denn teurere Kredite dämpfen die Nachfrage.

20.07.2022 - 12:00:50

Preisanstieg bei Wohnimmobilien schwächt sich ab. In den Städten klettern die Preise laut einer neuen Analyse langsamer.

Der jahrelange Boom am deutschen Wohnungsmarkt hat sich laut einer Studie im ersten Halbjahr abgekühlt. Die angebotenen Kaufpreise für Eigentumswohnungen stiegen nach einer Analyse des Großmaklers Jones Lang LaSalle (JLL) in den acht größten deutschen Städten im Schnitt um 7,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Der Anstieg habe sich damit gegenüber dem Vorjahr halbiert, hieß es in der Analyse. Auch der Fünfjahresschnitt von plus 9,3 Prozent wurde demnach klar unterschritten.

Noch deutlicher habe die Dynamik in den kreisfreien Städten insgesamt nachgelassen. Hier lag das Plus demnach im ersten Halbjahr bei 6 Prozent - nach 14,4 Prozent im Vorjahr und 10,4 Prozent im Mittel der letzten fünf Jahre. In den Landkreisen stiegen hingegen die Preise für Eigentumswohnungen mit 9,4 Prozent ähnlich wie in den Vorjahren. «Insbesondere die seit dem vierten Quartal 2021 deutlich gestiegenen Finanzierungszinsen sind ursächlich für die Zurückhaltung der Wohnungskäufer und der damit verbundenen Abschwächung der Kaufpreissteigerungen», erläuterte JLL-Experte Sebastian Grimm.

Der Analyse liegen nur Angebotspreise zugrunde, keine Abschlüsse. Dennoch deutet die Studie, die sich bei den Metropolen auf jeweils Tausende Inserate stützt, auf einen Abwärtstrend am Wohnungsmarkt hin. Eine Abschwächung des Booms haben Analysen mehrerer Immobilienportale gezeigt. So brach die Nachfrage nach Kauf-Immobilien im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um 36 Prozent ein, wie Daten von Immoscout24 zeigten. Und Immowelt berichtete von stagnierenden oder leicht sinkenden Angebotspreisen in 7 der 14 größten Städte.

Zinswende bremst Preisanstieg aus

Die Bauzinsen haben sich in den vergangenen Monaten mehr als verdreifacht und sind bei zehnjährigen Finanzierungen über die Marke von drei Prozent gestiegen. Die Zinswende werde den Preisanstieg am Wohnungsmarkt «spürbar verlangsamen», glauben auch Experten der Landesbank Helaba. Umstritten unter Fachleuten ist aber, ob es nur zu einer Stagnation kommt oder zu deutlich fallenden Immobilienpreisen.

Offizielle Immobilienpreisdaten des Statistischen Bundesamts im ersten Halbjahr liegen noch nicht vor. Im ersten Quartal waren die Preise zum vierten Quartal 2021 kaum noch geklettert (plus 0,8 Prozent). Zum Vorjahresquartal stand ein Plus von 12 Prozent.

Differenzierter fällt laut der Studie von JLL die Entwicklung der Mieten im ersten Halbjahr aus. In den acht Metropolen lag das Plus mit 3,7 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt (4,3 Prozent), aber über dem Vorjahreswert (2,4 Prozent). In den kreisfreien Städten kletterten die Angebotsmieten um 3,3 Prozent - vor einem Jahr betrug der Anstieg 8,2 Prozent und im Fünfjahres-Schnitt 5,2 Prozent. Kaum Veränderung gab es bei den Angebotsmieten in den Landkreisen.

«Der Trend steigender Mietpreise in den Städten außerhalb der Metropolen hat sich abgeschwächt. Dafür ziehen die Mieten im direkten Umland der Großstädte nach wie vor stärker an als in den Städten selbst», sagte Grimm. Das sei auf Ausweichbewegungen zurückzuführen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kritik an Förderrreform bei Gebäuden reißt nicht ab. BERLIN - Die Kritik am Bundeswirtschaftsministerium wegen einer grundlegenden Förderrreform bei Gebäuden reißt nicht ab. Am Montag (15. August) greift die zweite Stufe einer Reform, diese sieht auch Kürzungen bei Fördersätzen vor. Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ziel der Regierung ist es eigentlich, neben dem bezahlbaren Wohnungsbau auch die umweltschonende Sanierung des Gebäudebestands voranzubringen, um die ambitionierten Klimaziele erreichen zu können. Das Vorgehen bei der Förderpolitik ist angesichts dieses richtigen Ziels allerdings komplett kontraproduktiv." Kritik an Förderrreform bei Gebäuden reißt nicht ab (Boerse, 12.08.2022 - 05:40) weiterlesen...

Deutsche Euroshop steigert Umsatz und Ergebnis. Das dürfte besonders die Finanzinvestoren Oaktree und die Vermögensverwaltung Cura freuen, die das Unternehmen übernehmen wollen. Cura ist die Holding der Familie Otto. HAMBURG - Der Einzelhandelsimmobilien-Spezialist Deutsche Euroshop hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis gesteigert. (Boerse, 11.08.2022 - 18:56) weiterlesen...

Patrizia bestätigt Jahresausblick - Erstes Halbjahr solide. Im ersten Halbjahr seien die verwalteten Vermögenswerte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 17 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Augsburg mit. Gründe waren den Angaben zufolge die Übernahme von Whitehelm Capital, anhaltend positive Bewertungseffekte sowie organisches Wachstum durch neue Produkte. AUGSBURG - Der Immobilieninvestment-Anbieter Patrizia bestätigt nach einem soliden ersten Halbjahr seine Jahresprognose. (Boerse, 11.08.2022 - 18:36) weiterlesen...

AKTIE IM FOKUS: Adler Group springen hoch - Frisches Kapital beschafft. Die Papiere des angeschlagenen Immobilienunternehmens bauten ihre Vortagesgewinne kräftig aus und stiegen um knapp elf Prozent auf 3,48 Euro. Damit überwanden sie auch die 21-Tage-Linie, die technisch orientierten Anlegern als kurzfristige Trendangabe dient. FRANKFURT - Die Aktien von Adler Group haben am Donnerstag ihren Stabilisierungsversuch mit kräftigen Gewinnen fortgesetzt. (Boerse, 11.08.2022 - 17:11) weiterlesen...

Ifo-Institut: 'Am Bau kippt die Stimmung'. Im Juli waren laut der Münchner Forschungseinrichtung Ifo-Institut 11,5 Prozent der Unternehmen davon betroffen. Mehr als 45 Prozent der Betriebe im Wohnungsbau meldeten Lieferprobleme. "Wir beobachten seit April eine Stornierungswelle", sagte Ifo-Forscher Felix Leiss am Donnerstag. "Am Bau kippt die Stimmung." Für das kommende halbe Jahr befürchteten sehr viele Unternehmen Geschäftsrückgänge. "Noch sind die Auftragsbücher prall gefüllt. Aber die explodierenden Baukosten, höheren Zinsen und schlechteren Fördermöglichkeiten stellen mehr und mehr Projekte in Frage", sagte Leiss. MÜNCHEN - Im Wohnungsbau werden weiterhin viele Projekte storniert. (Boerse, 11.08.2022 - 15:53) weiterlesen...

BFH-Urteil: Keine Grunderwerbssteuer für Weihnachtsbäume fällig. Der Bundesfinanzhof bestätigte mit diesem Urteil eine Entscheidung des Finanzgerichts Münster, das den Steuerbescheid des Finanzamts für rechtswidrig erklärt hatte. Im Streitfall erwarb der Kläger Grundbesitz mit angepflanzten Weihnachtsbäumen, die zu gegebener Zeit gefällt werden sollten. Die Gegenleistung für den Aufwuchs war im Vertrag gesondert ausgewiesen. Das Finanzamt wollte aber für den gesamten Kaufpreis Grunderwerbsteuer kassieren. Der Bundesfinanzhof erklärte in seinem am Donnerstag veröffentlichten Urteil, zum Grundstück zählten auch mit dem Grund und Boden fest verbundene Sachen. Aber Weihnachtsbäume seien nur "Scheinbestandteile", weil sie von Anfang an dazu bestimmt seien, wieder von dem Grundstück entfernt zu werden. MÜNCHEN - Wer ein Grundstück mit Weihnachtsbäumen kauft, muss für die Bäume selbst keine Grunderwerbsteuer zahlen. (Boerse, 11.08.2022 - 13:47) weiterlesen...