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Vermischtes, SOS-Kinderd?rfer weltweit

Mehr SOS-Infos https: / / ots.de / l7KTI9 M?nchen - Dr.

20.04.2021 - 06:37:42

Klimakrise zwingt Millionen Menschen in die Flucht! / Kira Vinke vom Potsdam Institut f?r Klimafolgenforschung im Interview mit den SOS-Kinderd?rfern, Teil 1. Kira Vinke, Projektleiterin des Potsdam Instituts f?r Klimafolgenforschung, ber?t die SOS-Kinderd?rfer in Klimafragen.

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M?nchen - Dr. Kira Vinke, Projektleiterin des Potsdam Instituts f?r Klimafolgenforschung, ber?t die SOS-Kinderd?rfer in Klimafragen. In einem dreiteiligen Interview spricht die Wissenschaftlerin dar?ber, wie der Klimawandel zu Flucht und Armut weltweit beitr?gt und was wir tun k?nnen, um ihn noch aufzuhalten.

SOS-Kinderd?rfer: Laut einer Studie, die auch der Weltklimarat zitiert, k?nnte es 2050 weltweit 200 Millionen Klimafl?chtlinge geben. Warum werden so viele Menschen fliehen?

Vinke: Die Studie ist schon etwas ?lter und teils wegen einer unausgereiften Methodik umstritten. Es gibt eine k?rzlich erschienene Weltbank-Studie, die in einem pessimistischen Szenario bis 2050 von etwa 140 Millionen Binnenvertriebenen in Subsahara-Afrika, S?dasien und S?damerika ausgeht. Wenn man bedenkt, dass noch einige Weltregionen fehlen, sind die 200 Millionen von der Gr??enordnung her m?glicherweise gar nicht so weit von der Realit?t entfernt.

Es gibt keine grunds?tzliche Definition eines Klimamigranten. Aber wir sehen, dass der Migrationsdruck zunimmt - und dahinter steht oft auch ein sehr gro?er pers?nlicher Leidensdruck. Das ist unabh?ngig von allgemeinen Anziehungsfaktoren f?r Migration wie die Aussicht auf ein besseres Leben oder die Aussicht auf Sicherheit.

Ob diese Migration vollzogen werden kann und ?ber welche Distanzen, h?ngt von vielen Umst?nden ab. Etwa davon, wie viel Geld mir als Migrant zur Verf?gung steht. Oder: Bin ich k?rperlich in der Lage zu migrieren? Was sind meine sozialen Umst?nde? Bin ich frei? Zum Beispiel ist es f?r Frauen schwieriger, allein zu migrieren, weil sie oft sexueller Gewalt ausgesetzt sind, w?hrend es jungen M?nnern in vielen Gesellschaften eher m?glich ist. Und nat?rlich geht es auch um Grenzpolitik, wenn nationale Grenzen ?berwunden werden m?ssen. Wenn der Migrationsdruck w?chst, steigt das Leid an den Au?engrenzen.

Da ist nun die Frage, wie wir darauf reagieren. Versuchen wir, diesen Migrationsdruck zu mindern? Nicht jeder m?chte sein eigenes Zuhause verlassen; das ist nur eine Minderheit. Aber wenn ich vor die Wahl gestellt bin, mein Kind an Hunger sterben zu sehen oder mein Zuhause zu verlassen - dann entschlie?t sich wahrscheinlich die Mehrheit f?r Letzteres.

Wenn Sie sagen, es gibt einen internen Migrationsdruck, reden Sie dann von Binnenflucht, also dass diese Menschen tats?chlich im eigenen Land woanders Zuflucht suchen?

Vinke: Genau. Momentan beobachten wir, dass die Menschen, die aufgrund von Klimafolgen migrieren m?ssen, dies vor allem innerhalb ihrer L?nder tun. Und das passiert aus den folgenden Gr?nden: Erstens k?nnen sie gar nicht so weit migrieren, weil ihnen die Voraussetzungen daf?r fehlen. Zweitens m?chten sie in ihrem Kulturkreis bleiben und ihre eigene Sprache sprechen. Eventuell wollen sie sp?ter in ihre Heimat zur?ckkehren. Der dritte Grund ist: Es gibt Grenzregime, die man nicht so einfach ?berwinden kann. Aber die anderen Punkte sind aus meiner Sicht schwerwiegender. Man sollte in Betracht ziehen, wer von diesen Naturkatastrophen haupts?chlich betroffen ist. Das sind vor allem Subsistenzbauern ohne finanzielle Reserven, die keinerlei Anpassungsm?glichkeiten haben. Dann die Fischer - also alle Menschen, deren Lebensgrundlagen direkt mit ?kosystemen verbunden sind. Sie stehen sozusagen in der ersten Reihe, aber ihre Mobilit?t ist oft eingeschr?nkt.

Es sind also vor allem Menschen, die wahrscheinlich schon am Existenzminimum leben oder die einfach jetzt schon Schwierigkeiten haben - teilweise klimabedingt, teilweise ?konomisch bedingt - ein gutes Leben zu f?hren?

Vinke: Ja, das sind marginalisierte Gruppen. Und da zeigt sich auch eine doppelte Ungerechtigkeit. So viele Menschen wurden von der globalisierten Industrialisierung und von deren Wohlstanderzeugung ausgeschlossen. Sie sind vielleicht Teil der Produktionskette, beispielsweise eine N?herin in Bangladesch, aber sie erzielen daraus keinen Gewinn. Die zweite Ungerechtigkeit ist nun, dass genau diese benachteiligten Menschen Opfer des Klimawandels werden, den sie nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mit verursachen.

Sie haben mit vielen dieser Menschen gesprochen, die die Folgen des Klimawandels schon am eigenen Leib sp?ren...

Vinke: F?r meine Feldforschungen war ich in verschiedenen Teilen der Erde: in Bangladesch in Asien, auf den Marshallinseln im Pazifik, in Burkina Faso in Afrika. Dort sieht man ?berall ein ?hnliches Bild. Nat?rlich gibt es ganz unterschiedliche Klimafolgen und ganz unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte. Aber die Menschen schildern alle, dass sich die Umwelt rasant ver?ndert hat. Sie haben daf?r oft keine Erkl?rung, weil ihnen der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt. Sie stehen vor der Wahl, unter immer schlechter werdenden Bedingungen zu bleiben oder zu gehen. Sie haben kaum die M?glichkeit, selber aktiv etwas zu verbessern, weil die globalen Strukturen ihren pers?nlichen Handlungsspielraum begrenzen. Es ist eine sehr ern?chternde Einsicht, dass unsere eigene, oft komfortable Lebensart die freie Entfaltung anderer Menschen in weitentfernten Gebieten - zum Teil zeitlich versetzt - verschlechtert oder ganz untergr?bt. Das ist ein gro?es ethisches Problem.

Wie k?nnen Klima- und Entwicklungsprogramme aufgebaut sein, sodass sie nachhaltig wirken und nicht nur den Industriel?ndern vorbehalten sind?

Vinke: Ich denke, es sollte stark in die kommunale Ebene investiert werden. Die Projekte sollten an den lokalen Kontext angepasst und von lokalen Experten begleitet und ausgef?hrt werden. Bei unseren Feldforschungen haben wir gesehen, dass die Menschen, die besonders betroffen sind, oft kaum oder keine Unterst?tzung von ihrem eigenen Staat bekommen. Das muss man auch im Blick haben, wenn man ?ber die internationalen Klimaschutzverhandlungen nachdenkt, es sind letztlich Verhandlungen zwischen politischen Eliten. So stellt sich die Frage: Haben die politischen Eliten immer das Gesamtinteresse der Bev?lkerung im Auge oder vor allem das ihrer eigenen W?hlerschaft? Das ist auch in Deutschland ein Problem, aber zumindest ist unsere Regierung demokratisch gew?hlt. Doch wir verhandeln auch mit autorit?r regierten L?ndern, und deren Stimmen z?hlen in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen genauso wie unsere. Ob diese Regierungen im Interesse ihrer Bev?lkerung - auch ihrer verarmten Landbev?lkerung - sprechen und handeln, kann man zumindest in Frage stellen. Auch deswegen ist es wichtig, Wege zu finden, um Menschen zu erreichen, die in gro?er Not sind und von ihrer eigenen Regierung ignoriert werden. Allerdings muss diese Vernachl?ssigung nicht immer mutwillig sein; viele Regierungen haben gar nicht die finanziellen Kapazit?ten.

Welche Projekte k?nnen sowohl die Not und die Armut der Menschen lindern, aber auch Flucht verhindern?

Vinke: Ein Beispiel ist sicher die Wiederaufforstungstechnik "Farmer Managed Natural Regeneration" (FMNR). Diese Form der Wiederbewaldung wird unter anderem in der Sahelzone praktiziert. Sie beruht allerdings nicht auf dem Pflanzen von B?umen, sondern auf dem "In-Ruhe-lassen" von Land. Bestimmte Landfl?chen werden abgegrenzt, dort bilden sich dann auf nat?rliche Art wieder kleine B?sche aus den in der Erde liegenden Wurzeln. Diese werden normalerweise von Ziegen abgefressen oder zum Feuermachen geerntet. Das kann man vermeiden, indem man sich als Gemeinschaft entschlie?t, eine Landfl?che zu sch?tzen, und versucht, die B?sche so zu trimmen, dass sich ?ste und letztendlich junge B?ume entwickeln. Ein Baum bringt viele Vorteile: Er spendet Schatten f?r das Wachstum anderer Pflanzen, und gleichzeitig kann die Wiederbewaldung den Wasserkreislauf unterst?tzen. Das puffert lokal die Erw?rmung etwas ab, und zum anderen bilden sich nat?rliche CO2-Senken, weil B?ume CO2 aus der Atmosph?re ziehen. Die Schwierigkeit bei solchen Projekten ist der Abstimmungsprozess innerhalb der Gemeinschaft, denn es dauert relativ lange, bis ein Baum w?chst. Aber sobald diese B?ume entstehen, kann man auch Teile von ihnen ernten. Es ist w?nschenswert, diese Phase auch durch andere entwicklungspolitische Ma?nahmen zu unterst?tzen, damit zum Beispiel kein Feuerholz zum Kochen verbraucht werden muss.

Radikal w?re es aus Umweltsicht, einfach alles die Natur machen zu lassen. Dann leiden aber noch mehr Menschen. Wie geht man damit um?

Vinke: Hier geht es um Ausgleiche. Wie kann ich einen Interessensausgleich schaffen? Das sollte gemeinschaftlich mit lokalen Akteuren durchgef?hrt werden, gerade bei gro?en Naturschutzprojekten. Denn es gibt ja auch viele problematische Beispiele. Als ich in Bangladesch war, haben Menschen zu mir gesagt: "Hier ist ein riesiges Tierschutzprojekt. Warum sch?tzt ihr Tiger und helft uns nicht?" Das kann nur dadurch beantwortet werden, dass beides gemacht wird, Umweltschutz und entwicklungspolitische Ma?nahmen. Ein Kerninteresse des Umweltschutzes ist es, dem Menschen zu helfen und die nat?rlichen Lebensgrundlagen auch f?r zuk?nftige Generationen zu erhalten. Klar ist, der Mensch ist ein Teil der Natur und wir k?nnen nicht andere Arten einfach nach unserem Gusto ausl?schen ohne weitreichende Konsequenzen hervorzurufen, die uns schlie?lich selbst betreffen werden.

F?r weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Boris Breyer Stellvertretender Pressesprecher SOS-Kinderd?rfer weltweit Tel.: 089/179 14-287 E-Mail: mailto:boris.breyer@sos-kd.org http://www.sos-kinderdoerfer.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/1658/4893185 SOS-Kinderd?rfer weltweit

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