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Regierungen, USA

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26.06.2020 - 21:51:24

Rekord bei Corona-Neuinfektionen in USA - Pence sieht dennoch Erfolge

WASHINGTON - Trotz Rekordzahlen bei Corona-Neuinfektionen in den USA sieht US-Vizepräsident Mike Pence deutliche Erfolge im Kampf gegen das Virus. "Wir haben wirklich bemerkenswerte Fortschritte gemacht", sagte Pence am Freitag in Washington beim ersten Briefing der Coronavirus-Taskforce des Weißen Hauses seit fast zwei Monaten. Zwar steige die Zahl der bestätigten Neuinfektionen besonders in südlichen Bundesstaaten. Die Zahl der Todesopfer sinke aber landesweit. Die Lage sei daher deutlich besser als vor zwei Monaten.

Mit fast 40 000 gemeldeten Fällen hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA am Donnerstag nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität einen neuen Höchststand erreicht. Pence - der der Coronavirus-Taskforce im Weißen Haus vorsteht - sagte: "Wir haben mehr als 126 000 unserer Landsleute an die Krankheit verloren." Seit Beginn der Pandemie hätten sich mehr als 2,5 Millionen Menschen in den USA nachgewiesenermaßen mit Sars-CoV-2 infiziert - das ist mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Der führende US-Immunologe in der Corona-Krise, Anthony Fauci, sagte bei dem Briefing: In bestimmten Gegenden stehen wir vor ernsten Problemen." Pence sagte, viele der Fälle von Neuinfektionen beträfen junge Menschen, die oft keinerlei Symptome zeigten und von denen bislang nur eine sehr geringe Zahl infolge einer Covid-19-Erkrankung sterben würden. Pence führte die steigende Zahl der bestätigten Neuinfektionen auch auf eine Ausweitung von Tests zurück - ähnlich argumentiert US-Präsident Donald Trump.

Trump spielte die steigenden Fallzahlen schon vor Bekanntwerden des Rekords herunter. "Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle", sagte Trump in einem am Donnerstagabend ausgestrahlten Interview des Senders Fox News. Die USA hätten bislang rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet, mehr als jedes andere Land der Welt.

Pence verteidigte, dass Trump und er wieder Wahlkampfveranstaltungen aufgenommen haben, obwohl Gesundheitsexperten weiterhin von Versammlungen abraten. "Die Freiheit der Rede, das Recht, sich friedlich zu versammeln, sind in der Verfassung der Vereinigten Staaten verankert. Und wir haben im Herbst diesen Jahres eine Wahl vor uns", sagte Pence. Auch in einer Gesundheitskrise hätten die Amerikaner ihre verfassungsmäßigen Rechte.

Pence sagte, Ziel sei es, "Leben zu schützen und sicher wieder zu öffnen". Alle 50 US-Bundesstaaten hätten Maßnahmen zur Wiedereröffnung getroffen. Pence rief die Einwohner der USA dazu auf, weiterhin den Richtlinien zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus zu folgen. Der Vizepräsident bat sie auch darum zu beten.

Pence betonte, mit den bisher getroffenen Maßnahmen habe man eine "solide Grundlage für alle Herausforderungen geschaffen, die in den kommenden Tagen oder Monaten auf uns zukommen könnten". Er räumte aber auch ein: "Wir haben noch Arbeit vor uns."

Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass bisher wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst wurde. "Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen", sagte CDC-Direktor Robert Redfield. Die meisten Experten machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten für die steigenden Fallzahlen verantwortlich.

Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, kritisierte die Regierung für ihren Umgang mit der Corona-Krise. Der Widerstand gegen die Wissenschaft, das "Leugnen" und die verspätete Reaktion auf die Pandemie habe zu Todesfällen geführt, sagte Pelosi am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Angesichts der Entwicklung planen einige Bundesstaaten, angekündigte Lockerungen vorerst nicht umzusetzen. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge betrifft das etwa Texas, Arizona, Florida oder New Mexico. Texas verzeichnete einen Rekord von rund 6000 neuen Fällen am Donnerstag, wie aus Daten des dortigen Gesundheitsministeriums hervorgeht. Das Gesundheitsministerium in Florida gab am Freitag mit fast 9000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages ebenfalls einen neuen Höchstwert bekannt. Der Verkauf von Alkohol in Bars wurde untersagt.

Zuvor hatte angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen und des Anstiegs der Aufnahmen in Krankenhäusern auch der texanische Gouverneur Greg Abbott Gegenmaßnahmen angeordnet. "Gegenwärtig ist klar, dass der Anstieg der Fälle weitgehend auf bestimmte Aktivitäten zurückzuführen ist, darunter auch die Ansammlung von Texanern in Bars", erklärte der Republikaner am Freitag in einer Mitteilung. Unter anderem ordnete er an, dass von Freitag an Bars, die mehr als 51 Prozent ihrer Einnahmen mit dem Verkauf alkoholischer Getränke erzielten, keine Gäste mehr empfangen können.

@ dpa.de

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