Produktion, Absatz

MANNHEIM / WIESBADEN - Neue Sorgen in der Corona-Pandemie und schärfere Gegenmaßnahmen lasten auf den Konjunkturerwartungen für Deutschland.

07.12.2021 - 13:45:29

GESAMT-ROUNDUP: Corona dämpft Konjunkturerwartungen - Lichtblick aus Industrie. Es gibt allerdings auch Hoffnungsschimmer, und einer kommt ausgerechnet aus der zuletzt gebeutelten Industrie: Die Unternehmen steigerten ihre Produktion erstmals seit längerem wieder spürbar. Darüber hinaus trübte sich die Konjunkturstimmung zwar in Deutschland ein - nicht jedoch im gesamten Euroraum, wo sie sich sogar leicht verbesserte.

In Deutschland belastete die verschärfte Corona-Lage die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten allerdings spürbar. Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW fiel im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,8 Punkte auf 29,9 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Die Abschwächung fiel allerdings geringer aus als befürchtet: Analysten hatten einen Rückgang auf 25,4 Punkte erwartet.

Die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage trübte sich wegen neuer Corona-Ängste deutlich ein, der Indikator fiel um 19,9 Punkte auf minus 7,4 Zähler. Zum ersten Mal seit Juni befindet sich die Lageeinschätzung wieder im negativen Bereich. In der Eurozone verbesserten sich die Erwartungen dagegen etwas, während sich die Lagebeurteilung wie in Deutschland stark eintrübte.

"Die deutsche Wirtschaft leidet spürbar unter den neuen Entwicklungen der Corona-Pandemie", kommentiert ZEW-Präsident Achim Wambach. Zuletzt wurden die Virus-Beschränkungen in vielen Bundesländern verschärft. Ein Grund ist auch die jüngst entdeckte Corona-Variante Omikron, von der befürchtet wird, dass sie sich schneller verbreiten könnte als die bisherigen Virus-Mutanten. "Die ZEW-Konjunkturerwartungen kommen nun unter die Räder der vierten Corona-Welle", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

Eine Folge der Pandemie sind auch erhebliche Engpässe im weltweiten Warenhandel, die die wirtschaftliche Entwicklung schon seit längerem Dämpfen. Auch ZEW-Chef Wambach verweist auf sie: "Nach wie vor bestehende Lieferengpässe belasten Produktion und Einzelhandel." Einige Ökonomen wie Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer befürchten mittlerweile sogar ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im Winterhalbjahr.

In diesem trüben Umfeld kommen solide Produktionsdaten aus der deutschen Industrie gerade recht: Im Oktober weiteten die Unternehmen ihre Herstellung deutlich aus. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Gesamtherstellung um 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten zwar mit einem Zuwachs gerechnet, diesen aber deutlich niedriger veranschlagt. Zudem fiel das Ergebnis im September nach neuen Daten nicht ganz so schwach aus wie bisher bekannt.

Lichtblicke kamen im Oktober vor allem von der Warenherstellung in der Industrie, die gegenüber September um 3,2 Prozent stieg. Kräftig um 12,6 Prozent legte die Herstellung von Autos und Autoteilen zu. Von Investitionsgüter wie Maschinen wurden 8,2 Prozent mehr hergestellt als im Vormonat. Die Produktion von Vorleistungs- und Konsumgütern ging dagegen leicht zurück. Die Energieerzeugung und die Aktivität am Bau stiegen an.

Bankvolkswirte sprachen von einem positiven Zeichen aus der Industrie. "Eine gute Nachricht zur richtigen Zeit", kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Besonders erfreulich sei, dass auch die Produktion im Automobilsektor offenbar wieder anziehe. Die Autobranche hat in den vergangenen Monaten besonders unter den massiven Verspannungen im Welthandel gelitten, es fehlten vor allem die für die Herstellung eminent wichtigen Halbleiter.

Am Montag hatten Auftragszahlen aus der Industrie zwar herbe enttäuscht. Allerdings sitzen die Unternehmen immer noch auf einem dicken Auftragspolster, das für mehrere Monate ausreicht. Die laufende Herstellung wird jedoch seit längerem erheblich durch Folgewirkungen der Corona-Pandemie gebremst, die zu einem Lieferstau an Vorprodukten und Rohstoffen geführt hat.

@ dpa.de

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