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Indikatoren, Deutschland

MANNHEIM - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten sind im September auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen.

15.09.2020 - 12:13:27

ZEW-Konjunkturerwartungen steigen deutlich. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte, stieg der von ihm erhobene Indikator um 5,9 Punkte auf 77,4 Zähler. Analysten hatten hingegen im Mittel mit einem Rückgang auf 69,5 Punkte gerechnet. Höher lag der Indikator zuletzt im Mai 2000.

Überraschend deutlich verbessert hat sich die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage. Der Indikator stieg um 15,1 Punkte auf minus 66,2 Punkte. Hier war lediglich ein Anstieg auf minus 72,0 Punkte erwartet worden.

"Dies zeigt, dass die Expertinnen und Experten weiterhin von einer spürbaren Erholung der deutschen Wirtschaft ausgehen", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die ins Stocken geratenen Brexit-Verhandlungen und die steigenden Corona-Infektionszahlen konnten die positive Stimmung nicht bremsen." Allerdings weist laut Wambach der schlechte Ausblick für den Bankensektor auf Befürchtungen einer steigenden Zahl von Kreditausfällen im nächsten halben Jahr hin.

Bankökonomen zeigten sich zuversichtlich: "Insgesamt wird eine kräftige Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal angezeigt", kommentierte Ulrich Wortberb, Volkswirt bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Zahlen seien zudem eine Indikation für das Ifo-Geschäftsklima, das in der kommenden Woche ansteht.

In der Eurozone ist die Entwicklung ähnlich wie in Deutschland. Der Indikator für die Erwartungen stieg um 9,9 Punkte auf 73,9 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet stieg um 8,9 Punkte auf einen Wert von minus 80,9 Punkten.

Die Reaktion an den Finanzmärkten fiel verhalten aus. Die Kurse deutscher Bundesanleihen gaben leicht nach. Die Aktienmärkte weiteten ihre Gewinne aus. Der Eurokurs bewegte sich kaum.

An der Umfrage vom 7. bis 14. September haben sich 178 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt. Der Indikator Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten in Deutschland wieder.

@ dpa.de

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