Regierungen, USA

LONDON - Ein internationales Forscherteam fordert vor dem Weltklimagipfel dazu auf, den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Pandemie mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu kombinieren.

21.10.2021 - 05:58:59

Studie: Aufbau nach Pandemie muss Klima und damit Gesundheit schützen. "Wir haben die Wahl. Der Aufschwung nach Covid-19 kann ein grüner Aufschwung sein, mit dem wir den Weg zu einer verbesserten menschlichen Gesundheit und zu verringerten Ungleichheiten einschlagen", sagte Anthony Costello, Exekutivdirektor des jährlich erscheinenden Lancet-Countdown-Berichts zum Einfluss des Klimawandels auf die Gesundheit.

Die gute Nachricht sei, dass sich die Anstrengungen, um die Wirtschaft nach der Pandemie wieder anzukurbeln, mit dem Umbau zu einer klimafreundlichen Ökonomie vereinbaren ließen. "Wir haben die Wahl. Der Aufschwung nach Covid-19 kann ein grüner Aufschwung sein, mit dem wir den Weg zu einer verbesserten menschlichen Gesundheit und zu verringerten Ungleichheiten einschlagen", sagte Costello. "Oder er kann nach altem Schema erfolgen und uns alle in Gefahr bringen."

Nach aktuellem Stand werde lediglich weniger als jeder fünfte Dollar, der für die Erholung nach der Corona-Pandemie ausgegeben werde, zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen, kritisierte Erstautorin Maria Romanello. "Wir erholen uns von einer Gesundheitskrise in einer Weise, die unsere Gesundheit in Gefahr bringt." Die Forscherinnen und Forscher riefen die Verantwortlichen dazu auf, beim anstehenden Klimagipfel in Glasgow ambitionierte und konkrete Maßnahmen zu treffen, um das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel einer maximalen Erderwärmung von 1,5 Grad noch erreichen zu können.

Der am Donnerstag veröffentlichte Lancet-Countdown-Bericht gibt den Konsens von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von knapp 40 Hochschulen und UN-Einrichtungen wieder. Demnach nimmt durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit zu, dass sich verschiedene Krankheiten stärker verbreiten. So werden auch in Europa Ausbrüche von Dengue- oder Zika-Fieber wahrscheinlicher. Im Norden Europas und den USA siedeln sich zudem den Forschern zufolge mehr Bakterien an, die unter anderem zu Wundinfektionen führen können. In ärmeren Ländern könnte die Bekämpfung von Krankheiten wie Cholera oder Malaria um Jahrzehnte zurückgeworfen werden.

Darüber hinaus bedrohen häufiger auftretende Dürren und Waldbrände die Ernährungssicherheit. Im Jahr 2019 waren dem Bericht zufolge bereits zwei Milliarden Menschen davon betroffen, diese Zahl könnte dramatisch steigen.

Von einer entsprechenden Vorbereitung ihrer Gesundheitssysteme auf kommende klimabedingte Krisen sind die meisten Länder weit entfernt. Nur knapp die Hälfte von 91 untersuchten Ländern gab in diesem Jahr an, überhaupt eine Bewertung für diesen Zusammenhang vorgenommen zu haben.

Auch deutsche Expertinnen und Experten unter anderem von Bundesärztekammer und Berliner Charité schlossen sich den Forderungen an. Der Zusammenhang von Klimawandel und Gesundheit müsse auch in Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen einfließen.

"Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir mit keinem Medikament, keiner Operation, keinem Geld der Welt die gesundheitlichen Schäden wieder einfangen können, die wir verursachen", sagte der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen anlässlich der Veröffentlichung. Er rief die kommende Bundesregierung zur Nutzung einer "historischen Chance" auf, auch wenn diese viel Geld koste. "Das Teuerste was wir jetzt tun können ist: Nichts."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Merkel, Steinmeier, Goebbels - Plakate in Polen provozieren Berlin. Sie zeigen die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier sowie den deutschen Botschafter in Warschau, Arndt Freytag von Loringhoven, in einer Reihe mit Adolf Hitler und dem NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Die mit öffentlichen Geldern geförderte Plakataktion soll Polens Reparationsforderungen für Kriegsschäden Nachdruck verleihen. WARSCHAU - An einer Hauswand im Zentrum von Warschau hängen drastische Plakate. (Wirtschaft, 09.12.2021 - 12:19) weiterlesen...

69,3 Prozent voll geimpft - knapp eine Million weitere Booster. 992 000 Dosen wurden am Mittwoch als sogenannte Booster-Impfungen verabreicht, wie aus den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag hervorgeht. Insgesamt haben nun 16,6 Millionen Menschen die Auffrischung erhalten - das entspricht 20 Prozent der Bevölkerung. Am Mittwoch wurden insgesamt 1,1 Millionen Dosen Impfstoff gegen Corona verabreicht - darunter rund 80 500 Erstimpfungen. BERLIN - Fast eine Million weitere Menschen in Deutschland haben innerhalb eines Tages eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bekommen. (Boerse, 09.12.2021 - 12:04) weiterlesen...

Elf afrikanische Staaten haben nun Omikron-Infektionen nachgewiesen. "Wir werden ein Anziehen der Omikron-Fälle auf dem Kontinent erleben, daran habe ich keine Zweifel", sagte am Donnerstag John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC). Vor allem die Feierlichkeiten zum Jahresende könnten ein Treiber bei den Infektionszahlen werden. Die bisherigen vorläufigen Daten zur neuen Variante gäben zwar Anlass zur Sorge, aber nicht zur Panik. JOHANNESBURG - Die neue Coronavirus-Variante Omikron verbreitet sich über den Süden Afrikas hinaus und wurde bereits in elf Ländern des Kontinents festgestellt, darunter Tunesien, Senegal und Nigeria. (Boerse, 09.12.2021 - 12:02) weiterlesen...

Europa braucht deutsch-französische Impulse. Europa sei "Dreh- und Angelpunkt der deutschen Außenpolitik", sagte Baerbock am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian in Paris. "Dafür braucht ein starkes Europa starke deutsch-französische Impulse." In der sich zuspitzenden Ukraine-Krise warnte sie Russland vor gravierenden Folgen bei einer weiteren Eskalation. PARIS - Deutschlands neue grüne Außenministerin Annalena Baerbock hat trotz bestehender Meinungsunterschiede etwa bei der Atomkraft die deutsch-französische Freundschaft beschworen. (Wirtschaft, 09.12.2021 - 11:59) weiterlesen...

Baerbock zu diplomatischem Olympia-Boykott: Europäische Antwort finden. "Wir werden sowohl gemeinsam in der neuen Bundesregierung darüber entscheiden, wie wir weiter damit umgehen, und das aber im Einklang mit unseren europäischen Freunden", sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag nach einer Zusammenkunft mit ihrem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian in Paris. PARIS - Bei der Frage eines möglichen diplomatischen Boykotts der Olympischen Winterspiele in Peking 2022 setzt Außenministerin Annalena Baerbock auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen. (Wirtschaft, 09.12.2021 - 11:58) weiterlesen...

Künftige KMK-Präsidentin für 'niedrigschwellige' Kinder-Impfangebote. Zudem müssten Eltern Teil des Beratungsgesprächs sein, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin am Donnerstag im Deutschlandfunk. "Alle Eltern, die dies wünschen, sollten zunächst die Möglichkeit zu einer Beratung haben - und zwar einer kinderärztlichen - und dann ein Kind impfen lassen können." Die Abwägung für oder gegen die Impfung sei bei kleineren Kindern noch schwerer zu treffen als bei den älteren. BERLIN - Die künftige Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Karin Prien (CDU), hat sich mit Blick auf eine erwartete Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu Kinderimpfungen für "niedrigschwellige Impfangebote" ausgesprochen. (Wirtschaft, 09.12.2021 - 11:49) weiterlesen...