Lohntransparenz, Deutschland

Lohntransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist zum 7. Juni

08.06.2026 - 12:08:26 | boerse-global.de

Während Österreich und Kanada die Inklusion von Menschen mit Behinderung vorantreiben, verpasst Deutschland die Frist zur EU-Lohntransparenzrichtlinie.

Inklusion und Lohntransparenz: Österreich und Kanada als Vorbilder
Lohntransparenz - Eine vielfältige Gruppe von Fachleuten, einige mit Behinderungen, arbeitet an einem Tisch in einem modernen Büro zusammen. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Deutschland verpasst derweil die Frist zur EU-Lohntransparenz.

Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zum Umdenken. Immer mehr Betriebe entdecken Menschen mit Behinderung als Zielgruppe. In Wien machte eine Fachkonferenz Anfang Juni klar: Das Potenzial ist riesig.

Anzeige

Um Inklusionsziele im eigenen Betrieb nicht nur theoretisch zu verfolgen, sondern verbindlich und rechtssicher zu verankern, hilft dieser praxisnahe Leitfaden. Inklusionsvereinbarung rechtssicher abschließen: Kostenloses Muster spart Stunden an Recherchearbeit

1,9 Millionen Menschen warten auf Chancen

In Österreich leben bis zu 1,9 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen. Nur 15 Prozent von ihnen haben einen Job. Laut Zero Project und der Österreichischen Post AG stehen rund 170.000 Betroffene dem Arbeitsmarkt zur Verfügung – finden aber keinen Zugang.

Die Österreichische Post beschäftigt bereits 1.300 Mitarbeiter mit Behinderung bei rund 20.000 Beschäftigten. Post-Vorstand Oblin sieht darin mehr als Sozialprojekt: „Inklusion ist geschäftskritisch.“ Das Unternehmen braucht jeden Fachkräftigen.

International zeigt Kanada, wie es geht. Am 7. Juni startete die Kampagne „One Company. One Talent.“ Ziel: bis Oktober 10.000 neue Stellen für unterrepräsentierte Gruppen und Menschen mit Behinderung.

Deutschland verpennt EU-Frist

Während andere Länder voranschreiten, hinkt Deutschland hinterher. Die EU-Lohntransparenzrichtlinie hätte bis zum 7. Juni umgesetzt sein müssen. Passiert ist nichts. Jetzt droht ein Vertragsverletzungsverfahren.

Die Bundesregierung plant die nationale Umsetzung nun für Anfang 2027. Grund für die Verzögerung: Streit in der Koalition und Kritik aus der Wirtschaft.

Anzeige

Ob bei der Einstellung oder der langfristigen Zusammenarbeit – eine rechtssichere Grundlage durch korrekte Verträge ist für Arbeitgeber heute wichtiger denn je, um teure Bußgelder zu vermeiden. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen: So erstellen Sie rechtssichere Arbeitsverträge

Trotz fehlendem Gesetz zeigt die Richtlinie bereits Wirkung. Seit Juni ist es rechtlich unzulässig, Bewerber nach ihrem letzten Gehalt zu fragen. Unternehmen müssen vor dem ersten Gespräch eine Gehaltsspanne nennen. Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei 15,6 Prozent – deutlich über dem EU-Schnitt von 11,1 Prozent.

Österreich ist schneller. Arbeitsministerin Schumann legte am 7. Juni einen Entwurf vor. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern müssen künftig Bericht erstatten. Arbeitnehmervertreter feiern den Schritt. Die Wirtschaftskammer warnt vor Bürokratie.

Gerichte schaffen Fakten

Das Bundesarbeitsgericht stellte bereits 2025 klar: Schon der Vergleich mit einem besserverdienenden Kollegen reicht für den Verdacht auf Entgelt-Diskriminierung. Kein Wunder, dass über 60 Prozent der Unternehmen interne Spannungen durch die neuen Regeln erwarten.

Parallel wird die Bddebatte um die Rente lauter. Der DGB fordert eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge. Rund 20 Millionen Beschäftigte haben keine Betriebsrente. Ein Bericht der Rentenkommission dazu erscheint am 29. Juni.

Inklusion vor Ort

Dass Inklusion mehr ist als Wirtschaftsfaktor, zeigen lokale Projekte. Die Lebenshilfe Syke feierte am 7. Juni ihr 60-jähriges Bestehen. Sie betreut rund 1.400 Menschen. Ein inklusives Wohnprojekt aus dem Jahr 2014 gilt in Niedersachsen als Vorzeigemodell.

Und am 10. Juni trifft in Winnenden eine inklusive Fußballmannschaft auf ein Jugendteam eines Profivereins. Sport als Bühne für gelebte Inklusion – und als Erinnerung, dass der Arbeitsmarkt nicht der einzige Ort ist, an dem Teilhabe zählt.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69499321 |