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Regierungen, Portugal

LISSABON - Jubel und Aufbruchstimmung in Portugal: Im Zuge der seit Wochen sinkenden Infektionszahlen hat der frühere Coronavirus-Hotspot die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie weiter gelockert.

05.04.2021 - 15:12:27

'Wunder' im früheren Corona-Hotspot Portugal. Seit Montag dürfen Gastronomiebetriebe wie Kneipen, Cafés und Restaurants erstmals nach gut zweieinhalb Monaten wieder Gäste empfangen. Auch Museen und Galerien, Läden mit einer Verkaufsfläche von höchstens 200 Quadratmetern, Straßenmärkte und Fitnesszentren sowie andere Sporteinrichtungen wie Tennis- und Golfplätze dürfen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Für Schüler mehrerer Jahrgänge gibt es wieder Präsenzunterricht.

Die Menschen freuten sich sehr und stürmten bei besten Frühlings-Temperaturen um die 20 Grad schon vormittags auf die Straßen. Vor allem Gyms und Terrassen waren überall in der Hauptstadt Lissabon schnell voll. Es gab hinter den Masken viele glückliche Gesichter. "Zu Hause hocken zu müssen macht sehr traurig. Wenn man trainieren darf, ist man auch gesünder", sagte ein junger Mann in einem Fitnesszentrum zum Fernsehsender TVI24. Eine neben ihm stehende junge Frau räumte ein: "Ich bin heute Morgen sofort rausgerannt".

Während in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland und Italien der Lockdown dieser Tage zum Teil sogar verschärft wird, konnte die portugiesische Regierung am Freitag wegen der guten Entwicklung der zweiten Lockerungsetappe grünes Licht geben. Sie soll zunächst für zwei Wochen gelten. Man könne diesen neuen vorsichtigen Schritt aufgrund der Fortschritte im Kampf gegen das Virus wagen, erklärte Ministerpräsident António Costa.

Neben weiteren Lockerungen dürfen die rund 10,3 Millionen Bürger des Landes den jeweiligen Wohnbezirk wieder verlassen, ohne einen "triftigen Grund" dafür angeben zu müssen. Bereits vor drei Wochen waren erste Lockerung gestattet worden, unter anderem für Friseure und Buchläden. Normalität herrscht allerdings auch in Portugal trotz der guten Zahlen noch lange nicht. Die Gastronomiebetriebe dürfen nur in den Außenbereichen und nur bis 22.30 Uhr an Werktagen sowie bis 13 Uhr an Wochenenden und Feiertagen ihre Gäste bewirten. An jedem Tisch dürfen nur jeweils höchstens vier Personen Platz nehmen. Die Landgrenze zu Spanien bleibt geschlossen.

Portugal hatte im Januar bezogen auf die Bevölkerungszahl zeitweilig die höchsten Infektionszahlen weltweit. Kliniken platzten aus allen Nähten, Covid-Patienten mussten auch in engen Fluren behandelt werden. Medien berichteten von Patienten, die eine ganze Nacht im Krankenwagen verbringen mussten. Der Präsident des portugiesischen Ärzteverbandes ANMSP, Ricardo Mexia, bezeichnete damals die Lage als "absolut dramatisch". Die Bundeswehr reagierte Anfang Februar auf den Notruf und schickte zur Unterstützung der überforderten Ärzte ein 27-köpfiges Sanitäter-Team nach Lissabon.

Doch der seit dem 13. Januar beschlossene strenge Lockdown mit Ausgehbeschränkungen und Zwangsschließungen trug offenbar Früchte: Nach jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich binnen 14 Tagen nur noch 60,25 Menschen je 100 000 Einwohner mit dem Virus an. Damit gehört man zu den besten unter den 30 erfassten Ländern. In Deutschland betrug diese 14-Tage-Inzidenz zuletzt 137. Im Januar hatte dieser Wert in Portugal noch bei deutlich über 1600 gelegen. Die Zahl der Covid-Kranken den Intensivstationen ging von ca. 1000 auf 117 zurück. Dass auch deutsche Medien von einem einem "Wunder" sprechen, ist angesichts der Entwicklung nicht verwunderlich.

@ dpa.de

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