Indikatoren, Deutschland

(Korrigiert wird der erste Satz des letzten Absatzes.

02.01.2018 - 15:13:24

KORREKTUR/ROUNDUP: Gute Konjunktur sorgt für Beschäftigungsboom. Es muss es korrekt heißen: 2,53 Millionen rpt.

NÜRNBERG/WIESBADEN - Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung hat Deutschland 2017 einen regelrechten Stellenboom beschert. Die Zahl der Erwerbstätigen kletterte im Vorjahr um 638 000 Personen oder 1,5 Prozent auf 44,3 Millionen und damit auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das war gleichzeitig die stärkste Zunahme seit dem Jahr 2007.

Grundsätzlich wächst die Zahl der Arbeitnehmer samt der Selbstständigen seit zwölf Jahren kontinuierlich. Was Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen besonders freut: Vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, zentrale Säulen des deutschen Sozialsystems, steigt weiter. Dagegen gibt es weniger Selbstständige und auch weniger geringfügig Beschäftigte.

Die zusätzlichen Jobs werden sowohl von Zuwanderern als auch von Inländern erledigt, die zusätzliche Arbeitskraft anbieten. Auch pendeln rund 100 000 Menschen mehr nach Deutschland ein als aus.

Dabei ist ein Ende des Stellenbooms derzeit nicht absehbar. Darauf deutet jedenfalls die Entwicklung bei den freien Stellen hin. Denn zum Jahresende hat die Nachfrage nach Arbeitskräften nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit (BA) so stark zugenommen wie selten zuvor. Der von der Bundesbehörde ermittelte monatliche Stellenindex BA-X sei im Dezember mit einem Plus von sechs Punkten auf 256 Zähler ungewöhnlich steil gestiegen.

Die Zahl der sofort oder demnächst zu besetzenden Jobs habe damit zugleich ein Rekordniveau erreicht. Die kräftig steigende Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach Einschätzung der Bundesagentur vor allem auf den wirtschaftlichen Aufschwung zurückzuführen. Viele gut ausgelastete Betriebe seien dadurch gezwungen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Ein Stück weit steckt hinter dem Stellenboom allerdings auch ein in Zeiten der Hochkonjunktur üblicher statistischer Effekt, räumt die Bundesagentur ein. Die guten Jobaussichten veranlassten mehr Mitarbeiter als in Krisenzeiten, sich einen interessanteren oder besser bezahlten Job zu suchen. Dadurch würden mehr Stellen frei, blieben länger unbesetzt und tauchten so häufiger in der Stellenstatistik der Bundesagentur für Arbeit auf.

Auch hinsichtlich der Arbeitslosigkeit präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt robust. Von dpa befragte Volkswirte rechnen für Dezember 2017 zwar saisonbedingt mit einer leichten Zunahme der Arbeitslosenzahlen um rund 45 000 auf 2,41 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr wären das aber etwa 155 000 Jobsucher weniger.

Für das Gesamtjahr 2017 rechnen Volkswirte und Arbeitsmarktforscher mit durchschnittlich 2,53 Millionen Jobsuchern, das wären rund 160 000 weniger als im Jahresschnitt 2016. Zugleich wäre es der stärkste jahresbezogene Rückgang seit dem Boomjahr 2011. Gebremst hat den Rückgang im Jahr 2017 die wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge. Arbeitsmarktforscher schätzten, dass ohne diese Effekte die Arbeitslosigkeit um weitere 60 000 gesunken wäre.

@ dpa.de

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