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KÖLN - Die Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes beklagt eine "extreme Anfälligkeit" des Immobilienmarktes für dubiose Geschäfte - und große Probleme, Kriminellen hier auf die Schliche zu kommen.

09.07.2019 - 16:21:25

Große Probleme beim Kampf gegen Geldwäsche auf dem Immobilienmarkt. Wie die beim Zoll angesiedelte Financial Intelligence Unit (FIU) am Dienstag in Köln mitteilte, betrafen von insgesamt 77 252 Verdachtsmeldungen auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung im vergangenen Jahr nur rund 3800 Fälle den Immobiliensektor.

"Das ist aus meiner Sicht ganz klar zu wenig", sagte FIU-Chef Christof Schulte bei der Vorstellung des Jahresberichts. Er forderte Makler und Notare auf, Verdachtsfälle verstärkt zu melden. Nach Schätzungen der Organisation Transparency International werden 15 bis 30 Prozent aller Gelder aus kriminellen Aktivitäten inzwischen in Immobilien investiert. In Berlin und Brandenburg etwa wurden zuletzt 77 Immobilien im Wert von rund neun Millionen Euro beschlagnahmt, die mutmaßlich mit kriminell erworbenem Geld gekauft worden waren.

Bisher stammen die Verdachtsmeldungen, die bei der Anti-Geldwäsche-Einheit eingehen, fast ausschließlich von Banken und anderen Finanzdienstleistern. Insgesamt stieg ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel - 2017 hatte es 59 845 Fälle gegeben. 58 Prozent der Meldungen leitete die FIU im vergangenen Jahr als begründet an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weiter. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" über die Zahlen berichtet.

Schulte führt den Anstieg vor allem auf eine höhere Bereitschaft von Unternehmen und Behörden zurück, dubiose Fälle zu melden. Außerdem sei das Meldeverfahren vereinfacht worden. Es gebe in Deutschland ein Bewusstsein für die Notwendigkeit, "Kriminalität dort zu bekämpfen, wo es den Kriminellen besonders weh gut - nämlich beim Geld."

Schon länger ist bekannt, dass die Einheit deutlich wachsen soll - auf 475 Beschäftigte. Derzeit arbeiten 242 feste Mitarbeiter am Standort in Köln. Unterstützt werden sie von rund 180 Aushilfskräften, die der Zoll der FIU an anderen Orten zur Verfügung stellt. "Das ist sicherlich nicht der Optimalzustand", sagte Schulte, tauge aber als Übergangslösung. Er will das Personal lieber schrittweise aufstocken und einarbeiten, anstatt alle offenen Stellen gleichzeitig zu besetzen.

Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Florian Toncar, kritisierte die Personalstruktur und sagte: "In den letzten Jahren blieben Zehntausende Meldungen bei der Financial Intelligence Unit monatelang liegen, weil die Bundesregierung diese neue Behörde aus dem Boden gestampft und völlig unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen hat." Die FIU war Ende Juni 2017 vom Bundeskriminalamt unter das Dach des Zolls überführt worden - seither untersteht sie damit dem Bundesfinanzministerium.

Tatsächlich waren im Mai dieses Jahres 36 000 Fälle als noch nicht fertig bearbeitet eingestuft. Schulte sieht darin jedoch keinen Beleg für Überlastung. Jeden Tag würden die eingehenden Meldungen priorisiert und die dringenden umgehend bearbeitet. Dass kleinere Fälle - wie etwa ein Ebay -Betrug mit 100 Euro Schaden - etwas länger dauerten, sei nicht weiter problematisch.

Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Lisa Paus, forderte einen besseren Austausch mit den Strafverfolgungsbehörden. Sonst sei "die FIU langfristig zum Scheitern verurteilt."

@ dpa.de