Anleihen, Wandelanleihen

Investitionsmöglichkeiten in Zeiten der Zinswende - Felix Haupt über die Potenziale von Options- und Wandelanleihen

16.08.2022 - 23:30:00

Anleger befinden sich aktuell in einer schwierigen Situation. Einerseits haben die niedrigen Zinsen der vergangenen 10 Jahren festverzinsliche Anleihen weitgehend unrentabel gemacht, sodass viele Investoren ihr Vermögen in Sachwerte umschichteten. Andererseits hat die aktuell stark ausgeprägte Inflation die Zentralbanken dazu gezwungen, die Leitzinsen wieder anzuheben. Diese Entwicklung lässt auf eine mittel- bis langfristige Attraktivitätssteigerung von festverzinslichen Anlageformen wie Anleihen schließen. Für Anleger geht damit die Frage einher, wie sie ihr Portfolio nun am besten strukturieren. Welche zentrale Rolle Options- und Wandelanleihen bei ihrer Beantwortung spielen, erklärt Börsenspezialist Felix Haupt in diesem Artikel.

Felix Haupt erklärt Anleihen

Bei Anleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen. Ein Anleger stellt dabei dem Herausgeber der Anleihe einen Teil seines Vermögens für eine bestimmte Zeit zur Verfügung, wofür er feste Zinsen und am Laufzeitende sein Kapital zurückerhält. Herausgegeben werden die Anleihen unter anderem vom Staat, von Banken und von Unternehmen.

In Zeiten hoher Zinsen sind festverzinsliche Wertpapiere aus dem Grund attraktiv, dass man sich mit ihnen eine langfristig gleichbleibende Rendite sichern kann - auch, wenn die Zinsen später wieder sinken. In den vergangenen zehn Jahren haben sich Anleihen allerdings kaum gelohnt, weshalb das Interesse der Investoren vor allem Aktien und Immobilien galt.

Wissenswertes über Optionsanleihen

Grundsätzlich funktioniert eine Optionsanleihe genauso wie eine herkömmliche Anleihe. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Inhaber zusätzlich das Recht erhält, innerhalb eines vertraglich festgelegten Zeitraums eine bestimmte Menge von Aktien des Emittenten zu einem vorab festgelegten Preis zu erwerben. Der Inhaber kann, muss aber nicht von diesem Recht Gebrauch machen. Sinnvoll ist die Inanspruchnahme des Rechts dann, wenn man von einer Kurssteigerung ausgeht. Wenn man von stagnierenden oder fallenden Kursen ausgeht, lässt man den Optionsschein einfach verfallen.

Unbeeinflusst von der Nutzungsart läuft die Anleihe zusammen mit der Verzinsung und der Rückzahlung am Laufzeitende weiter. Man kann also sagen, es handelt sich um eine Anlageform, die sich aus einer festverzinslichen und einer derivativen Komponente zusammensetzt. So genießt der Inhaber auf der einen Seite eine große Sicherheit, kann aber auf der anderen Seite auch Renditepotenziale nutzen.

Die Vor- und Nachteile von Optionsanleihen im Überblick

Wer Optionsanleihen erwirbt, macht sich gleichzeitig die Vorteile von Aktien und von Anleihen zunutze. Wenn der Aktienkurs steigt, kann sich der Anleger durch Nutzung der Hebelwirkung größere Renditen sichern. Wenn die Kurse sinken, verfällt der Optionsschein schlimmstenfalls ungenutzt, ohne dass es Auswirkungen auf Zinsen und Rückzahlung gibt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Optionsschein getrennt von der Anleihe zu verkaufen. So ist der Inhaber besonders flexibel.

Ein geringfügiger Nachteil der Optionsanleihe besteht darin, dass die feste Verzinsung niedriger ist als bei einer herkömmlichen Anleihe. Außerdem gibt es kein Recht zum Dividendenempfang und bei Kursrücksetzern und Nichtnutzung droht ein Kapitalverlust.

Tipp von Felix Haupt – für wen eignen sich Optionsanleihen

Hier sind die Renditevorstellungen des Anlegers entscheidend. Je größer die Kreditwürdigkeit des Emittenten ist, desto sicherer ist auch die Anleihe. Allerdings fällt damit auch der Zins niedriger aus. Wenn man seine Anleihe bis zum Ablaufdatum hält, kann man keine Verluste machen, sofern das herausgebende Unternehmen seine Zahlungswürdigkeit bewahrt. Damit eignet sich die Form der Anlage vor allem für Investoren mit starkem Sicherheitsfokus, die aber gleichzeitig zusätzliche Renditechancen nicht ungenutzt verstreichen lassen wollen.

Unterschiede zur Wandelanleihe

Bei einer Wandelanleihe wird kein zusätzliches Recht auf einen Aktienbezug verbrieft. Stattdessen erhält der Inhaber das Recht, die Anleihe zum Fälligkeitsdatum komplett in bestimmte Aktien umzutauschen. Um welche und wie viele Aktien es sich handelt, ist dabei festgelegt.

Macht der Inhaber nicht von seinem Wandlungsrecht Gebrauch, erhält er über die gesamte Laufzeit einen gleichbleibenden Zinssatz und später bei Fälligkeit seine Einzahlung zurück. Nimmt er stattdessen sein Wandlungsrecht wahr, veräußert er die Anleihe und bekommt dafür eine bestimmte Zahl von Aktien. Liegt der Preis der Aktien multipliziert mit ihrer Anzahl über dem Anleihewert, verzeichnet der Inhaber Gewinne, andernfalls Verluste.

Es macht vor allem dann Sinn, das Wandlungsrecht wahrzunehmen, wenn man mit steigenden Kursen rechnet. Mitunter lohnt es sich aber auch, die Anleihe zu halten, selbst wenn der Aktienkurs über dem Wandlungspreis liegt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die mit der Anleihe erzielte Rendite deutlich über dem möglichen Kursgewinn und der Dividende liegt.

Die wichtigsten Begriffe

Wenn man sich intensiver mit Optionsanleihen beschäftigt, stößt man schnell auf Begrifflichkeiten wie Strike, Put oder Call. Um die Anlageform korrekt zu nutzen, sollte man ihre Bedeutung genau kennen.

Strike:

Als Strike bezeichnet man den Ausübungspreis eines Optionsscheins. Er bestimmt den Preis, zu dem ein Basiswert bei der Optionsausübung ge- oder verkauft werden kann.

Call:

Hinter einem Call-Optionsschein verbirgt sich das Recht, den jeweiligen Basiswert in Zukunft zu einem bestimmten Ausübungspreis zu kaufen. Der Nutzer setzt auf einen Kursanstieg, da man nur Gewinne verzeichnet, wenn der Kurs in Zukunft über dem Ausübungspreis liegt.

Put:

Ein Put-Optionsschein verbrieft das Recht, den entsprechenden Basiswert in Zukunft zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Mit diesem Instrument setzt man auf Kursverluste. Man profitiert ausschließlich dann, wenn der zukünftige Kurs unter dem Ausübungspreis liegt.

Prämie:

Die Prämie ist der Preis eines Optionsscheins. Sie hängt von der Wahrscheinlichkeit ab, mit der der Ausübungspreis am Ende der Laufzeit über- bzw. unterschritten wird. Die Wahrscheinlichkeit von Kursschwankungen ist dabei proportional zur Länge der Laufzeit

Die Differenz zwischen Basiswert und Ausübungspreis wird zum Laufzeitende ausgezahlt. Um den Gewinn zu ermitteln, muss dann nur noch der Preis des Optionsscheins abgezogen werden.

Zinssatz:

Der Zinssatz gibt die Rendite der Anleihe an. Grundsätzlich ist er umso niedriger, je sicherer die Anleihe ist. Höhere Gewinnaussichten, aber auch größere Risiken gibt es etwa bei Anleihen von Krisenstaaten.

Laufzeit:

Zum Laufzeitende wird das eingezahlte Kapital zurückgezahlt. Je länger die Laufzeit ist, desto höher sind in der Regel auch die Zinsen.

Bezugsfrist:

Die Bezugsfrist gibt an, in welchem Zeitraum der Anleiheinhaber sein Recht auf Aktienbezug ausüben kann.

Bezugsverhältnis:

Das Bezugsverhältnis steht für das Verhältnis, in welchem Aktien bezogen werden können. Bei einem Verhältnis von 1 zu 2 für 5 Optionsscheine pro Anleihe etwa können insgesamt 10 Aktien gekauft werden.

Bezugskurs:

Der Bezugskurs steht für den Preis, zu dem im Rahmen der Bezugsfrist Aktien bezogen werden können.

Fazit

In Zeiten einer unsicheren Zinssituation stellen Options- und Wandelanleihen eine lohnende Möglichkeit dar, auf der einen Seite von der Sicherheit festverzinslicher Papiere, auf der anderen aber auch von den Potenzialen von Aktien zu profitieren. Für Einsteiger eignen sich eher Optionsanleihen, da sie mehr Flexibilität und Sicherheit bieten. Wandelanleihen passen eher in das Portfolio erfahrener Anleger.

Über Felix Haupt

Felix Haupt von der BeJoCo Finanzinformationen GmbH ist Trading- und Börsenexperte. Er verfügt über jahrelange Erfahrung mit verschiedensten Anlageklassen und teilt sein Wissen unter anderem mit seinem erfolgreichen Börsenbrief. Damit kann jeder Interessierte nachvollziehen, wie man durch den Kauf von Aktien und Hebelscheinen ein erfolgreiches Depot aufbaut. Neben seiner Arbeit an der Börse verfügt Felix Haupt auch über umfangreiche Erfahrungen im Bereich Persönlichkeitsentwicklung.

Weiterführende Informationen von und über Felix Haupt

- Erfahrungen von Abonnenten des Felix-Haupt-Börsenbriefs: https://felix-haupt-erfahrungen.de/

- Der Lebenslauf von Felix Haupt: https://felixhaupt.com/

- Felix Haupt über die Auswahl von Fonds: https://www.wz.de/ratgeber/geld-und-recht/boersenexperte-felix-haupt-ueber-fonds-darauf-muss-man-bei-der-auswahl_aid-64408535

- Felix Haupt zum Thema Aktienkauf: https://wirtschaft.com/felix-haupt-darauf-sollte-man-beim-kauf-von-aktien-achten/