Deutschland, Volkswirtschaft

INGOLSTADT - Nach dem Finanzskandal im Bistum Eichstätt hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, eine neue Transparenzoffensive für kirchliche Finanzgeschäfte angemahnt.

19.02.2018 - 17:25:25

Marx will mit Transparenz auf kirchlichen Finanzskandal reagieren. Für die Zukunft forderte der Münchner Kardinal einheitlichere Regeln für die Haushalte und Finanzgeschäfte der 27 katholischen Bistümer in Deutschland, die auf diesen Gebieten bislang allesamt autonom agieren können.

"Wir brauchen Kriterien, die deutlich machen, dass wir uns auf den Weg zur Angleichung an die internationalen Standards begeben", sagte Marx am Montag zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt. Neben einer stärkeren Transparenz brauche es auch eine bessere Kontrolle der Finanzgeschäfte und eine stärkere Solidarität mit finanzschwächeren Bistümern.

Öffentlich werde die Kirche "als Ganze wahrgenommen", sagte Marx. Von daher müssten die Bistümer künftig auf Bundesebene auch deutlich stärker zusammenarbeiten. "Aber da muss ich aber mit allen sprechen, da müssen wir eine Übereinkunft haben." Marx ist als DBK-Vorsitzender den Bistümern gegenüber nicht weisungsbefugt - er kann Dinge anstoßen, ist aber darauf angewiesen, dass seine Bischofskollegen bei der Umsetzung auch mitziehen. "Die Kirche ist kein Konzern, ich bin nicht der Vorstandsvorsitzende dieses Konzerns. Wir brauchen einen Weg, der von allen mitgetragen wird", bekräftigte Marx.

Anfang Februar war bekanntgeworden, dass aus dem Vermögen der Diözese Eichstätt rund 60 Millionen Dollar (48,2 Millionen Euro) in ungesicherte Darlehen in die USA geflossen sein sollen. Der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und ein Immobilien-Projektentwickler sitzen inzwischen in Untersuchungshaft - ihnen werden Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. Auch die wegen finanzieller Probleme angekündigten Schulschließungen im Erzbistum Hamburg stoßen unter den Katholiken teils auf erheblichen Widerstand und sorgen für Unverständnis.

Bereits vor vier Jahren hatten sich die obersten deutschen Katholiken auch angesichts des Skandals um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst - der rund 30 Millionen Euro in einen protzigen Bischofssitz verbaut hat und im März 2014 unter anderem deswegen abberufen wurde - reformwillig gezeigt. Doch die Versprechen seien von vielen Bistümern nicht eingehalten worden, kritisierte Christian Weisner von der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche". Es sei "ein Unding", dass sich die Bistümer nicht auf einheitliche Haushaltsverfahren einigen könnten, die vergleichbar seien. "Stattdessen wurschtelt jeder Bischof einfach vor sich hin."

Auch Marx räumte ein, die damals vereinbarte Transparenzoffensive sei "nicht ganz so gelungen, wie wir uns das vorgestellt haben". Die Fälle Eichstätt und Hamburg führten nun dazu, "dass wir Tempo aufnehmen müssen".

@ dpa.de

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