Hitze am Arbeitsplatz: Studie belegt 7% höheres Unfallrisiko ab 30°C
09.06.2026 - 02:09:57 | boerse-global.de
Die Arbeiterkammer (AK) Wien und die Medizinische Universität Wien haben am Montag eine umfassende Studie zu den Folgen von Hitze am Arbeitsplatz vorgelegt. Die Untersuchung basiert auf über 17.000 Einzelberechnungen und belegt: Thermische Belastung beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit massiv.
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Wissenschaftliche Fakten zur Belastungsgrenze
Die geistige Leistungsfähigkeit sinkt bereits ab 27 Grad Celsius. Steigen die Temperaturen weiter, nehmen die Gefahren zu: Ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko um sieben Prozent. Die Forscher setzen eine klare Grenze: Erreicht die Körperkerntemperatur 38,5 Grad, muss die Arbeit sofort abgebrochen werden.
Unter extremer Hitze im Freien sind nur noch kurze Arbeitsintervalle von 15 bis 20 Minuten vertretbar. Die Experten entwickelten ein Planungsmodell, das Hitzewarnstufen mit der tatsächlichen physischen Belastung verknüpft. Grundlage ist die sogenannte vorhergesagte Wärmebelastung.
Kein gesetzlicher Anspruch auf „Hitzefrei“
Trotz der belegten Risiken gibt es im aktuellen Arbeitsrecht keinen generellen Anspruch auf Hitzefrei. Arbeitgeber müssen aber durch das Arbeitsschutzrecht für zumutbare Bedingungen sorgen. Seit Anfang 2026 ist zudem eine spezifische Hitzeschutzverordnung in Kraft.
Die AK Wien fordert nun eine Verschärfung der Regeln. Konkret verlangt sie gesetzlich verankerte Belastungsgrenzen und verbindliche Regelungen für Innenräume – besonders in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Schulen. Zudem sollen verpflichtende Messinstrumente die Feuchtkugel-Globaltemperatur präzise erfassen. Der ÖGB unterstützt die Forderungen und startete eine Online-Umfrage zur aktuellen Belastungssituation.
Warnsignale und langfristige Risiken
Zum bundesweiten Hitzeaktionstag am Donnerstag macht die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) auf Symptome akuter Hitzeerschöpfung aufmerksam. Warnsignale sind feucht-kalte, blasse Haut, hoher Puls, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Kopfschmerzen. Ohne sofortige Kühlung und elektrolythaltige Getränke droht ein Hitzeschlag mit Organ- und Hirnschäden.
Neben akuten Ereignissen gewinnen langfristige Folgen an Bedeutung. Die Berufskrankheitenstatistik zählt bereits 51 anerkannte Fälle von UV-bedingtem weißen Hautkrebs. Die Arbeitnehmervertreter fordern deshalb bessere Hautkrebsprävention für Beschäftigte im Freien.
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Streit um Arbeitszeitflexibilisierung
Die Hitzeschutz-Debatte überschneidet sich mit einer grundsätzlichen Diskussion um die Reform des Arbeitszeitgesetzes. Unions-Politiker Christoph Ploß forderte am Sonntag eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Die Gewerkschaften laufen dagegen Sturm.
DGB-Chefin Yasmin Fahimi kritisierte die Pläne am Montag als sozialen Rückschritt. Die geplante Flexibilisierung könnte Schichten von bis zu 13 Stunden ermöglichen. Am Mittwoch trifft sich der Koalitionsausschuss mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern im Kanzleramt. Themen sind unter anderem die Rente und der Acht-Stunden-Tag. Arbeitsministerin Bärbel Bas hat für Juni einen Gesetzentwurf angekündigt.
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