Preise, Verbraucher

Harte Zeiten für Verbraucher und Sparer: Die Inflation in Deutschland springt im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit 1993.

06.01.2022 - 16:09:26

Konjunktur - Die Sorge wächst: Jahresinflation springt auf 3,1 Prozent. Auch im Dezember verschärfte sich der Preisauftrieb weiter.

Die Sorge der Menschen in Deutschland wächst einer Umfrage zufolge, dass sich das Leben in Deutschland noch stärker verteuern wird. 54 Prozent der Befragten rechnen mit weiter steigenden Verbraucherpreisen, wie RTL/ntv am Donnerstag anhand aktueller Forsa-Daten berichteten. Bei der Befragung zwei Wochen zuvor hatten sich den Angaben zufolge 45 Prozent entsprechend geäußert.

Auch Ökonomen wie Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sind überzeugt: «Die Inflationsrisiken weisen klar nach oben - nicht nur in Deutschland, sondern auch im Euroraum», auch wenn die Inflationsrate nach der Jahreswende wegen des Wegfalls von Sonderfaktoren sinken sollte. «Es wird Zeit, dass die EZB den Fuß vom Gas nimmt», mahnte Krämer. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, stößt ins selbe Horn: «Eine geldpolitische Wende wird angesichts dieser Zahlen dringlicher.»

Kritiker werfen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, mit ihrer Flut billigen Geldes die Teuerung noch anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will.

Angeheizt wurde die Teuerung in Europas größter Volkswirtschaft im vergangenen Jahr vor allem von rasant gestiegenen Energiepreisen im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung nach der Corona-Krise 2020. Im Dezember 2021 verteuerten sich Haushaltsenergie und Sprit zum Vorjahresmonat den vorläufigen Daten zufolge um 18,3 Prozent, im November waren es sogar 22,1 Prozent.

Materialmangel und Lieferengpässe

Zugleich schlug im vergangenen Jahr die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung durch: Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Steuersätze, Waren und Dienstleistungen wurden im Jahresvergleich also tendenziell teurer. Hinzu kamen Materialmangel und Lieferengpässe sowie die Einführung der CO2-Abgabe Anfang 2021 von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Seit Beginn des laufenden Jahres werden 30 Euro je Tonne fällig.

Viele Ökonomen rechnen auch im laufenden Jahr mit einer Drei vor dem Komma bei der Jahresinflationsrate. Zwar entfällt der Mehrwertsteuereffekt, Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Ifo-Institut und das Institut für Weltwirtschaft verweisen aber auf anhaltende Lieferengpässe, die Herstellungskosten erhöhen. Hinzu kommt: «Die stark gestiegenen Erdgaspreise dürften aufgrund vielfach vorhandener langfristiger Verträge mit den Gasversorgern erst zu Beginn des Jahres 2022 die Verbraucher erreichen», argumentiert das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.

Die Inflation ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der EZB. Die Notenbank strebt für den Währungsraum der 19 Länder eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren.

Auch nach Einschätzung der Währungshüter müssen die Verbraucher im Euroraum noch eine Weile mit höheren Teuerungsraten leben. Bei seiner jüngsten Sitzung im Dezember 2021 hatte der EZB-Rat ein erstes Signal für ein Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik gesendet: Nur noch bis Ende März wird die EZB zusätzliche Wertpapiere im Rahmen ihres Corona-Notprogramms PEPP erwerben. Allerdings steckt die Notenbank weiterhin etliche Milliarden in Staatsanleihen und Unternehmenspapiere.

@ dpa.de

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