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Regierungen, Deutschland

HAMM - Die Stadt Hamm will trotz der höchsten Corona-Neuinfektionswerte in NRW auf weitreichende Beschränkungen verzichten und vor allem bei privaten Veranstaltungen ansetzen.

21.09.2020 - 18:59:29

Einschnitte in Hamm und Gelsenkirchen - Corona-Werte hoch. Die wichtige Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sei aktuell mit einem Wert von 70,9 deutlich übersprungen, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) am Montag in einer Video-Pressekonferenz. Die Stadt sei "in voller Härte" von einer zweiten Corona-Welle getroffen. Auslöser sei eine Großhochzeit mit einem verbundenen weiteren Fest.

Ähnlich hieß es auch aus Gelsenkirchen, wegen gestiegener Corona-Fallzahlen dürften an privaten Feiern in gewerblichen Räumen künftig höchstens noch 50 Personen teilnehmen. Bislang galt in der 265 000-Einwohner-Stadt eine Höchstgrenze von 150, wie ein Sprecher berichtete. Die Stadt appellierte an die Bürger, sich bei Feiern in privaten Räumen bis auf weiteres auf 25 Personen zu beschränken.

Gelsenkirchen hatte am Montagmorgen 44,1 Fälle pro 100 000 Bewohnern in den vergangenen sieben Tagen verzeichnet und damit nach Hamm den zweithöchsten Wert in ganz NRW. Städte und Kreise, die bei dieser Kennziffer einen Wert über 35 aufweisen, müssen in NRW mit den zuständigen Landesbehörden konkrete Gegenmaßnahmen abstimmen. Deutlich über dieser Vorwarnstufe lag auch die bergische Stadt Remscheid. Als denkbare Maßnahme wurde dort am Montag eine stadtweite Maskenempfehlung in der Öffentlichkeit genannt. Der Krisenstab werde am Dienstag mehrere Maßnahmen beschließen, darunter voraussichtlich auch deutlich mehr Corona-Schutz-Kontrollen.

In Hamm hatte dem OB zufolge allein die Großhochzeit zu 86 akut Infizierten geführt. Private Veranstaltung zwischen 25 und 50 Personen müssten nun ab Dienstag angezeigt werden. Bei 50 bis 150 Teilnehmern müsse das Fest mitsamt Hygienekonzept im Vorfeld der Stadt zur Genehmigung vorgelegt werden. Mehr als 150 Personen seien nicht mehr erlaubt. Es werde ein Bußgeld ab 2000 Euro verhängt, wenn es zu Verstößen komme. Alle 263 Gäste der Hochzeit vor einigen Tagen seien in Quarantäne geschickt worden und würden getestet.

Die Beschlüsse gelten für die 182 000-Einwohner-Stadt Hamm für zwei Wochen. Auch bei Sportveranstaltungen seien maximal noch 150 Zuschauer erlaubt. Man wolle Einschränkungen für Schulen, Kitas, Gastronomie und Kulturveranstaltungen möglichst vermeiden, betonte der CDU-Politiker. "Wir wollen keinen kompletten Lockdown." Sollten sich die Werte aber weiter erhöhen, seien zusätzliche Schritte nicht auszuschließen - etwa eine Beschränkung auf fünf Personen oder auf Personen aus nur zwei Haushalten in der Öffentlichkeit.

Ende August hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) angekündigt, statt eines pauschalen "Lockdowns" werde es im Bedarfsfall zu einer lokalen "Corona-Bremse" kommen. Kreise mit hohen Infektionswerten sollten dazu "ein passgenaues lokales Maßnahmenpaket" mit dem Land abstimmen. Überschreitet eine große Stadt oder ein Kreis die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche, sieht demnach die NRW-Corona-Schutzverordnung "zwingend zusätzliche Schutzmaßnahmen" vor. Laut Gesundheitsministerium war der 50er Wert seit Inkrafttreten der "Corona-Bremsen"-Regelung vor rund drei Wochen bisher - vor Hamm - noch nicht übersprungen worden.

Zugleich richtete sich der Blick auf die Fußball-Bundesliga: Für das erste Heimspiel mit Zuschauern seit einem halben Jahr beim Bundesligisten Arminia Bielefeld gegen den 1. FC Köln am Samstag sollten nach derzeitigem Stand 5300 Fans in Ostwestfalen zugelassen werden. Dagegen war in Köln am vergangenen Samstag ein kurzfristiges Zuschauer-Verbot bei der Partie zwischen dem 1. FC Köln und 1899 Hoffenheim verhängt worden.

@ dpa.de

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