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Regierungen, USA

GESAMT-ROUNDUP: Schlagabtausch der Vize-Kandidaten - Trump sagt TV-Duell ab

08.10.2020 - 16:46:27

GESAMT-ROUNDUP: Schlagabtausch der Vize-Kandidaten - Trump sagt TV-Duell ab. WASHINGTON - Dreieinhalb Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA bestimmen die TV-Duelle den Wahlkampf: In der einzigen Debatte der Vize-Kandidaten warf Herausforderin Kamala Harris Vizepräsident Mike Pence Versagen im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor. Präsident Donald Trump kündigte unterdessen an, das nächste TV-Duell gegen Herausforderer Joe Biden zu boykottieren, weil es kein direktes Gegenüber mehr sein soll. Trump hatte sich mit dem Virus infiziert. In den Umfragen liegt er zurück.

"Ich werde meine Zeit nicht mit einer virtuellen Debatte verschwenden", sagte der 74-Jährige am Donnerstag im Fernsehsender Fox Business. Unmittelbar zuvor hatte die zuständige unabhängige Kommission CPD angekündigt, die Debatte werde aus Gründen des Gesundheitsschutzes nur virtuell stattfinden. Die beiden Kandidaten sollten demnach an unterschiedlichen Orten auftreten und online zusammengeschaltet werden. Moderator und Gäste hingegen sollten wie geplant in der Stadt Miami zusammenkommen.

Eine Sprecherin von Bidens Wahlkampfteam hingegen schien die Möglichkeit eines TV-Duells nicht ausschließen zu wollen. Biden "freue sich darauf, direkt mit dem amerikanischen Volk zu sprechen", erklärte Kate Bedingfield. Trumps Team wiederum erklärte, der Präsident plane statt des TV-Duells nun eine Wahlkampfveranstaltung. Trump sagte, er fühle sich wieder "perfekt". Er könne es kaum erwarten, wieder in den Wahlkampf einzusteigen. Er gehe davon aus, nicht mehr ansteckend zu sein.

Das Duell war zuletzt zunehmend umstritten, weil Trump sich von einer Covid-19-Erkrankung erholt und bei dem Termin noch ansteckend sein könnte. Der Republikaner hatte das zurückgewiesen und erklärt, er freue sich auf das Duell. Der Demokrat Biden hingegen hatte erklärt, dass Duell solle nicht stattfinden, falls Trump noch krank beziehungsweise ansteckend sei. Das dritte und letzte TV-Duell ist für den 22. Oktober geplant. Die Wahl ist am 3. November.

Bei der Debatte der Vize-Kandidaten am Mittwochabend (Ortszeit) machte die Demokratin Harris die Pandemie zum zentralen Thema. "Das amerikanische Volk ist Zeuge des größten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden", sagte Harris in Salt Lake City auf einer Bühne mit Vizepräsident Pence. "Das amerikanische Volk hat Opfer bringen müssen wegen der Inkompetenz dieser Regierung."

Pence konterte mit dem oft auch von Trump vorgebrachten Argument, dass Corona-Maßnahmen seiner Regierung Hunderttausende Menschenleben gerettet hätten. Zu Appellen von Biden und Harris, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und beispielsweise einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sagte Pence: "Der Unterschied ist hier: Präsident Trump und ich vertrauen darauf, dass die amerikanischen Menschen ihre Wahl treffen, was am besten für ihre Gesundheit ist."

Die Debatte der Vize-Kandidaten verlief viel geordneter als das Duell zwischen Trump und Biden, das eine Woche zuvor im Chaos versunken war. Auslöser dafür war vor allem, dass Trump immer wieder Biden ins Wort fiel. Die Vize-Kandidaten unterbrachen einander dagegen kaum - auch, weil Harris zwei Anläufe von Pence mit einem resoluten "Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich" stoppte. Dafür überzog Pence immer wieder die ihm zugeteilte Zeit. Er ließ sich auch von der Moderatorin, der Journalistin Susan Page von der Zeitung "USA Today", nicht stoppen.

In einer Schnellumfrage des Nachrichtensenders CNN hielten 59 Prozent Harris für die Gewinnerin der Debatte - und 38 Prozent Pence. Unter Frauen war das Ergebnis mit 69 zu 30 Prozent noch eindeutiger. Trump verkündete hingegen bei Twitter: "Mike Pence hat KLAR GEWONNEN!" Biden schrieb an die Adresse von Harris: "Du hast uns alle heute Nacht sehr stolz gemacht." Am Donnerstag legte Trump nach und verunglimpfte Harris als "Monster" und "Kommunistin". "Alles, was sie gesagt hat, war eine Lüge", behauptete Trump.

Pence fiel damit auf, dass er Fragen mehrfach ignorierte und stattdessen die Botschaften platzierte, die er unterbringen wollte. So redete er bei einer Frage nach der Position zu Abtreibungen zunächst einmal darüber, wie die Trump-Regierung Irans Top-General Ghassem Soleimani mit einem Raketenangriff getötet hatte.

Beide Kandidaten wichen der Frage aus, wie ihre Absprachen mit den jeweiligen Präsidentschaftsanwärtern für eine Machtübergabe sind. Es ist ein wichtiger Punkt: Trump ist 74 Jahre alt und an Covid-19 erkrankt, Biden ist 77. Jeder der beiden wäre bei Amtsantritt im Januar 2021 der älteste Präsident in der US-Geschichte. Pence griff stattdessen die Bilanz von Präsident Barack Obama und dessen Vize Biden im Kampf gegen die Schweinegrippe an. Harris sprach von ihrer Erfahrung im US-Senat. Die Moderatorin hakte nicht nach.

Pence ging auch nicht auf die Frage ein, ob Trump und er eine Wahlniederlage akzeptieren würden. "Ich denke, wir werden diese Wahl gewinnen", sagte er. Harris antwortete: "Wir werden gewinnen. Und wir werden niemandem erlauben, unsere Demokratie zu untergraben." Trump liegt in landesweiten Umfragen deutlich hinter Biden - auch wenn diese wegen des Wahlsystems nur begrenzt aussagekräftig sind.

Harris (55) und Pence (61) bestritten ihr rund 90-minütiges Duell auf etwa 3,7 Metern Distanz zueinander. Zusätzlich trennten sie Plexiglasscheiben. Die Zuschauer trugen Masken.

Pence wich auch der Frage aus, ob er den Klimawandel für eine existenzielle Bedrohung halte. "Das Klima ändert sich, wir werden der Wissenschaft folgen", sagte er. Harris hingegen bezeichnete den Klimawandel als "eine existenzielle Bedrohung für uns als Menschen". Eine Biden-Regierung werde "mit Stolz" wieder dem Pariser Klimaschutz-Abkommen beitreten.

Pence griff mehrfach Biden wegen seiner Vergangenheit als Vizepräsident und Senator an. Unter anderem hielt er ihm vor, dass Jobs an China verloren gegangen seien und Obamas Gesundheitsreform gescheitert sei. Harris wiederum ging mit der Außenpolitik Trumps hart ins Gericht: "Er hat unsere Freunde verraten und sich mit Diktatoren auf der ganzen Welt verbündet."

@ dpa.de

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