Spanien, Italien

FRANKFURT - Steigende Inflationsraten haben den Druck auf Europas Währungshüter erhöht.

16.12.2021 - 06:33:31

EZB entscheidet über Zukunft ihrer Anleihenkäufe. Immer drängender werden Forderungen nach einem Ende der Geldflut. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) will an diesem Donnerstag entscheiden, wie es mit den milliardenschweren Anleihenkäufen der Notenbank weitergeht. Verkündet werden die Beschlüsse am Nachmittag (13.45 Uhr).

Nach bisheriger Planung läuft das zur Abfederung des Corona-Schocks aufgelegte Kaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) mit einem Volumen von 1,85 Billionen Euro im März 2022 aus. Bereits nach der vorigen Sitzung des obersten Entscheidungsgremiums der Zentralbank Ende Oktober hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde gesagt: "Ich gehe davon aus, dass PEPP im März enden wird."

Beendet wäre der umstrittene Kauf von Staatsanleihen durch die EZB damit aber nicht: Zum einen hat sich die Notenbank bereits festgelegt, dass sie Gelder aus fällig werdenden Wertpapieren auch nach einem formalen Auslaufen von PEPP neu anlegen wird. Zum anderen sind Anleihenkäufe inzwischen fester Bestandteil des Werkzeugkastens der EZB. Im EZB-Rat gibt es zudem Sympathien für die Idee, die Flexibilität des Notkaufprogramms PEPP auf andere Anleihenkäufe zu übertragen.

Dazu kommt: Die Unsicherheiten für den wirtschaftlichen Ausblick haben wieder zugenommen angesichts der neuen Coronavirus-Variante Omikron. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte jüngst in einem Interview in Aussicht gestellt, dass die Notenbank die Wirtschaft auch 2022 mit Anleihenkäufen unterstützen wird: "Ich bin zuversichtlich, dass diese Nettokäufe während des nächsten Jahres weitergehen." Er sei der Meinung, dass die Geldpolitik auch nach einem Ende des PEPP unterstützend bleiben müsse, "da einige der Narben, die die Pandemie hinterlassen hat, noch nicht richtig verheilt sind".

Somit rückt eine Anhebung des seit nunmehr fast sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent zementierten Leitzinses im Euroraum weiter in Ferne. Die Anleihenkäufe helfen Staaten wie Unternehmen: Diese müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer Geldflut die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will.

Sowohl in Deutschland als auch im Euroraum haben sich die Teuerungsraten in den vergangenen Monaten immer weiter vom Ziel der EZB entfernt. Die Notenbank will mittelfristig im Währungsraum bei einer Inflation von 2 Prozent für stabile Preise sorgen. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft, Verbraucher können sich für einen Euro dann weniger kaufen als zuvor.

Die EZB erklärt den sprunghaften Anstieg der Teuerung vor allem mit Sonderfaktoren, die sich im nächsten Jahr abschwächen sollten: etwa die Erholung der Ölpreise nach dem Corona-Schock und Lieferengpässe infolge gestiegener Nachfrage. Zudem schlage derzeit die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland durch. An diesem Donnerstag veröffentlicht die EZB auch ihre neuesten Prognosen zur Entwicklung von Inflation und Konjunktur im Euroraum.

Der scheidende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte wiederholt gemahnt, das Risiko einer zu hohen Inflation nicht zu unterschätzen. Die Geldpolitik solle "nicht zu lange an ihrem derzeit sehr expansiven Kurs festhalten". An diesem Donnerstag hat Weidmann ein letztes Mal Gelegenheit, im EZB-Rat für seine Position zu werben: Er gibt sein Amt nach gut zehn Jahren zum 31. Dezember vorzeitig auf und scheidet damit auch aus dem höchsten EZB-Entscheidungsgremium aus.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Spanien: Weiterer leichter Rückgang der Corona-Zahlen. MADRID - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Spanien ist am Freitag den vierten Tag in Folge leicht gefallen. Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde vom Gesundheitsministerium in Madrid mit rund 1457 angegeben. Zum Vergleich: Für Deutschland gab das Robert Koch-Institut (RKI) diesen Wert am Freitag mit 706 an. Eine solche Sieben-Tage-Inzidenz hatte Spanien am 27. Dezember gemeldet. In den folgenden drei Wochen schossen die Infektionszahlen auf einen Spitzenwert von 1657 in die Höhe - registriert am vergangenen Montag. Experten betonten, dass die Zahlen derzeit wegen der Überlastung der Erfassungs- und Meldesysteme eine höhere Fehlerquote haben könnten. Spanien: Weiterer leichter Rückgang der Corona-Zahlen (Wirtschaft, 21.01.2022 - 20:57) weiterlesen...

Aktien Europa Schluss: Herbe Verluste - Netflix verhagelt die Stimmung. Beobachtern zufolge zog die desaströse Prognose des Streaming-Anbieters Netflix für die Nutzerzahlen im laufenden Quartal erneut Verkäufe im Technologiesektor nach sich und drückte generell auf die Stimmung der Anleger. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 1,63 Prozent auf 4229,56 Punkte ein und fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Wochen. PARIS/LONDON - Europas wichtigste Aktienmärkte sind am Freitag unter Druck geraten. (Boerse, 21.01.2022 - 18:17) weiterlesen...

Deutschland bekräftigt klares Nein zur Atomkraft gegenüber der EU. Das erklärte am Freitag die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann in Berlin. "Die Bundesregierung wird in ihrer Stellungnahme die feste Überzeugung vertreten, dass Kernenergie nicht als nachhaltig einzustufen ist. Wir halten die Technologie für zu gefährlich, und neben weiteren Gründen ist die Endlagerfrage weiterhin nicht geklärt", sagte sie. BERLIN/BRÜSSEL - Die deutsche Bundesregierung will sich gegenüber der EU-Kommission klar gegen die Einstufung von Atomkraft als nachhaltige Investition positionieren. (Boerse, 21.01.2022 - 17:08) weiterlesen...

Ukraine-Konflikt: Bulgarien hält an Nato-Orientierung fest. "Bulgarien ist ein souveräner Staat und wir haben unsere Wahl getroffen, indem wir zum Mitglied der Nato wurden", sagte Regierungschef Kiril Petkow am Freitag in der Fragestunde des Parlaments in Sofia. Als Nato-Mitglied entscheide Bulgarien selber, wie es seine Verteidigung in Abstimmung mit seinen Partnern organisiere, sagte Petkow. Das südöstliche EU-Land ist seit 2004 Mitglied der Nato. SOFIA - Angesichts russischer Forderungen im Ukraine-Konflikt zum Truppenabzug der Nato aus östlichen Mitgliedstaaten wie etwa Bulgarien hat Sofia seine Nato-Orientierung bekräftigt. (Boerse, 21.01.2022 - 16:20) weiterlesen...

EU legt Beschwerde gegen russische Ausfuhrbeschränkungen für Holz ein. Es sei eine Aussprache und damit der erste Schritt des WTO-Streitbeilegungsverfahrens beantragt worden, teilte die EU-Kommission am Freitag mit. "Die EU hat wiederholt - ohne Erfolg - mit Russland das Gespräch gesucht, seit Moskau diese Maßnahmen im Oktober 2020 angekündigt hat", schrieb die Kommission. Sie seien seit Jahresbeginn in Kraft. BRÜSSEL - Die EU geht bei der Welthandelsorganisation WTO gegen russische Ausfuhrbeschränkungen für Holz vor. (Wirtschaft, 21.01.2022 - 16:12) weiterlesen...

Eurozone: Verbraucherstimmung trübt sich leicht ein. Der Indikator ging um 0,1 Punkte auf minus 8,5 Zähler zurück, wie die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mitteilte. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang auf minus 9,0 Punkte erwartet. Die Kennzahl liege aktuell klar unter ihrem Niveau, das sie vor der Pandemie inne hatte. Sie nähere sich aber ihrem längerfristigen Durchschnitt an, teilte die Kommission mit. BRÜSSEL - Die Verbraucherstimmung in der Eurozone hat sich zu Jahresbeginn leicht verschlechtert. (Wirtschaft, 21.01.2022 - 16:04) weiterlesen...