Dax, MDax

Frankfurt / Main - Nach den Kursverlusten vom Freitag hat es zu Beginn der neuen Woche auf dem deutschen Aktienmarkt nur zu einer kleinen Erholung gereicht.

30.11.2021 - 18:13:58

Börse in Frankfurt - Dax-Erholung verpufft im späten Handel weitgehend

WASHINGTON - Die amerikanische Notenbank Fed könnte ihre Geldpolitik trotz neuer Corona-Ängste rascher straffen als bisher erwartet. Darauf deuten Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell vom Dienstag hin. Vor dem Bankenausschuss des US-Senats brachte er zum einen die Möglichkeit ins Spiel, die immensen Wertpapierkäufe der Fed rascher abzuschmelzen. Zum anderen nährte er Zweifel an der Sichtweise der Fed, dass die derzeit hohe Inflation eine lediglich übergangsweise Angelegenheit sei. Der US-Dollar legte daraufhin deutlich zu, während die Zinsen am US-Kapitalmarkt stiegen. Am Aktienmarkt gerieten die Kurse zusätzlich unter Druck.

Nach Worten von Powell peilt die Fed offenbar eine schnellere Rückführung ihrer milliardenschweren Wertpapierkäufe an. Die Wirtschaft entwickle sich sehr robust, und der Inflationsdruck sei hoch, erklärte Powell vor den Parlamentariern. Daher sei es möglicherweise angemessen, die Rückführung der Wertpapierkäufe vielleicht einige Monate früher abzuschließen.

Die Fed war auf ihrer jüngsten Zinssitzung in die Rückführung der zur Konjunkturstützung aufgelegten Wertpapierkäufe von monatlich 120 Milliarden US-Dollar eingestiegen. Für November und Dezember wurde ein Abschmelzen um je 15 Milliarden Dollar avisiert. Würde das Tempo gehalten, würde die Fed etwa Mitte 2022 keine zusätzlichen Anleihen mehr in ihre Bücher nehmen. Die Käufe waren wesentlicher Bestandteil der Fed-Krisenpolitik in der Corona-Pandemie.

Powell deutete zudem an, dass die Fed darüber nachdenke, die Inflation nicht mehr als "transitorisch", also übergangsweise Angelegenheit zu bezeichnen. Das Wort steht für die Auffassung der Notenbank, dass die zurzeit hohe Inflation durch Corona-Sondereffekte getrieben und daher nicht von Dauer ist. Die Sichtweise spricht gegen eine nennenswerte Straffung der Geldpolitik, um Inflationsrisiken zu begegnen. Bereits auf der jüngsten Zinssitzung hat sich die Fed mit einer leicht veränderten Wortwahl etwas von dieser Betrachtung gelöst.

Beobachter sahen in Powells Äußerungen klare Hinweise auf ein straffere geldpolitische Linie. Die Fed könnte das Abschmelzen ihrer Anleihekäufe bereits im ersten Quartal 2022 abschließen anstatt erst im Frühsommer, erklärte Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. "Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank bereits nächsten Sommer erstmals an der Leitzinsschraube dreht." Allerdings stehe dies unter dem Vorbehalt, dass sich neue Konjunkturrisiken infolge der Corona-Omikron-Variante nicht bewahrheiteten, schränkte Völker ein.

Die hohe Inflation werde noch bis weit ins nächste Jahr anhalten, sagte Powell. Zwar dürfte sich die Teuerung im kommenden Jahr verlangsamen, preistreibende Faktoren wie Probleme im Welthandel blieben aber bestehen. "Ich denke, das Risiko höherer Inflation hat zugenommen." Zudem habe sich die Lage am Arbeitsmarkt rapide verbessert "und die Löhne steigen mit großer Geschwindigkeit", erklärte der Fed-Chef.

Die Inflation in den USA ist seit Monaten ungewöhnlich hoch. Im Oktober stiegen die Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat um 6,2 Prozent und damit so stark wie seit 31 Jahren nicht mehr. Die Fed ist der Preisstabilität verpflichtet. Das Ziel der Zentralbank ist mittelfristig eine durchschnittliche Inflationsrate von zwei Prozent.

Powell sagte, die Gefahr "einer anhaltend hohen Inflationsrate" sei gestiegen, die Fed gehe aber weiter davon aus, dass die Teuerung 2022 "näher an unser Ziel sinken wird". Falls die Entwicklung anders verlaufen sollte, stehe die Notenbank bereit, ihre Werkzeuge einzusetzen.

Um die Inflation zu bremsen, könnte die Fed den Leitzins von derzeit fast Null schrittweise erhöhen - was allerdings auch die Konjunktur dämpfen würde. Davor könnte die Fed angesichts neuer Wachstumsrisiken infolge der Corona-Omikron-Variante zurückscheuen.

@ dpa.de

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