Dax, MDax

Frankfurt / Main - Die Sorgen am deutschen Aktienmarkt rund um die Themen Inflation, Leitzinsen und Gasnotstand dürften auch die neue Woche bestimmen.

26.08.2022 - 18:04:29

Börse in Frankfurt - Dax im Spannungsfeld von Zinserwartungen und Gasnotstand

Was dabei während der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole signalisiert wurde, könnte sich zudem als Wegweiser bis zur Zinsentscheidung in der Euroregion und den USA erweisen, wie Marktexperte Timo Emden vermutet. Zugleich stehen zahlreiche wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda, während es unternehmensseitig relativ ruhig zugehen dürfte.

Am Freitag schickten deutliche Worte von Fed-Chef Jerome Powell zur Geldpolitik in den USA und Nervosität über einen womöglich größeren Zinsschritt der EZB den deutschen Aktienmarkt auf Talfahrt. Der Leitindex Dax sackte unter die Marke von 13.000 Punkten. Der Dax schloss letztlich 2,26 Prozent tiefer auf 12.971,47 Punkte und büßte damit im Wochenverlauf 4,2 Prozent ein.

«Die neue Woche wird wohl auch für den Dax maßgeblich von den Ausläufern des Notenbanktreffens und den daraus resultierenden geldpolitischen Erwartungen geprägt sein», glaubt Frederik Altmann von der Alpha Wertpapierhandelsbank. In Jackson Hole hatte sich Powell gegen eine verfrühte Lockerung der Geldpolitik in den USA ausgesprochen und die Börsen auf einen langwierigen Kampf gegen die extrem hohe Inflation eingestimmt.

Das aber hatte am Freitag nur kurzfristig Druck auf die Börsen gebracht. Ein Hochkochen der Ängste über einen womöglich aggressiveren Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) als bisher erwartet löste dann eine deutliche Talfahrt aus. Händler verwiesen auf Medienberichte, dass einige Ratsmitglieder der EZB im September einen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte befürworteten. Bislang war man von einer Anhebung um 0,5 Prozentpunkte ausgegangen.

Im September könnte Inflation Rekordhoch erreichen

Die hierzulande am Dienstag und in der Eurozone am Mittwoch anstehenden Verbraucherpreise könnten womöglich ein solches Vorgehen der Notenbank rechtfertigen. Die Commerzbank geht zwar für August von einem leichten Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone aus, «allerdings bedeutet dies nicht, dass damit der Hochpunkt der Inflationsrate bereits hinter uns liegt», heißt es dort. Die Kernteuerungsrate (ohne die schwankungsreichen Preise für Energie, Nahrungs- und Genussmittel) dürfte erneut gestiegen sein und im September könnte die Inflation ein Rekordhoch erreichen.

Wie aggressiv die US-Notenbank gegen die Inflation und mögliche Rezessionstendenzen in den Vereinigten Staaten vorgehen wird, dazu könnten der ISM-Einkaufmanagerindex für die Industrie, der am Donnerstag veröffentlicht wird, und der tags darauf anstehende US-Arbeitsmarktbericht für August weitere Indikationen liefern. Für erhöhte Nervosität könnte in der neuen Woche außerdem der von Russland angekündigte dreitägige Gas-Stopp ab Mittwoch sorgen.

Auf der Unternehmensseite sollte die Nachrichtenlage dünn bleiben. Am Montag legt das angeschlagene Immobilienunternehmen Adler Group Quartalszahlen vor. Shop Apotheke, die seit Anfang August einen neuen Kurssturz erlebte, dürfte ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Nicht zuletzt rückt auch die Index-Überprüfung für EuroStoxx 50 und Stoxx Europe 50 in den Fokus. In den Leitindex der Eurozone könnten Mitte September die Bank Nordea und der Energieversorger RWE aufsteigen. Abstiegskandidaten sind laut JPMorgan der Aufzugbauer Kone und der Medizintechnikkonzern Philips.

Für den währungsgemischten Stoxx 50 rechnet die US-Bank mit der Aufnahme des Luxusmodeunternehmens Hermes und des Übertragungsnetzbetreibers National Grid. Als Absteiger werden der britische Versicherer Prudential und die italienische Großbank Intesa Sanpaolo gesehen. Die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx Ltd. wird etwaige Veränderungen am Donnerstag, 1. September, nach Börsenschluss bekannt geben. In Kraft treten sie am Montag, 19. September.

@ dpa.de