Deutschland, Frankfurt/Main

Frankfurt / Main - Der steigende Eurokurs hat am Dienstag den Erholungsversuch am deutschen Aktienmarkt abgewürgt.

14.11.2017 - 18:38:25

Börse in Frankfurt - Steigender Eurokurs bremst Dax aus. Die Anleger scheuten wieder das Risiko und zogen sich an die Seitenlinie zurück.

Der Dax, der anfangs noch positiv auf das starke Wirtschaftswachstum in Deutschland reagiert hatte, gab am Schluss um 0,31 Prozent auf 13 033,48 Punkte nach. Eine starke Gemeinschaftswährung kann Exporte außerhalb der Eurozone erschweren.

Der MDax der mittelgroßen Werte stieg dagegen um 0,29 Prozent auf 26 358,85 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,86 Prozent auf 2491,48 Punkte. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,51 Prozent.

Im Minus schloss am Dienstag auch der französische Leitindex CAC 40. Der britische FTSE 100 ging kaum verändert aus dem Handel. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial gab zum Börsenschluss in Europa leicht nach.

Dass Deutschland als größte Volkswirtschaft der Eurozone weiter «unter Volldampf steht», wie es der Volkswirt Stefan Kipar von der BayernLB mit Blick auf die positive Überraschung beim deutschen Bruttoinlandsprodukt formulierte, hatte den Eurokurs deutlich über 1,17 US-Dollar getrieben. Zuletzt wurde lag er bei 1,1773 Dollar, so hoch wie seit mehr als zwei Wochen nicht mehr.

«Der Euro ist heute der Stimmungskiller», schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets kurz vor Handelsschluss. Mittlerweile hat das deutsche Börsenbarometer vier Handelstage mit Verlusten von rund 350 Punkten hinter sich. Die Zahl der Experten, die vor wachsenden Risiken warnen, nimmt zu - zumal der Dax die psychologisch wichtige Marke von 13 000 Punkten inzwischen mehrfach getestet hat.

Unter den Einzelwerten standen im Dax mit Henkel, Infineon und RWE noch drei Nachzügler der Berichtssaison im Fokus. Deutlich mehr Geschäftsberichte gab es von den Unternehmen aus den Nebenwerte-Indizes.

Während Infineon-Papiere die Dax-Spitze mit plus 2,66 Prozent einnahmen, zählten die Vorzugsaktien von Henkel zu den großen Verlierern des Tages mit einem Abschlag von 4,26 Prozent. Der Chiphersteller aus München hatte zwar über ein durchwachsenes viertes Geschäftsquartal berichtet, doch der Ausblick auf das angelaufene Geschäftsjahr 2017/18 kam am Markt gut an. Die Papiere des Konsumgüter-Herstellers Henkel hingegen litten vor allem darunter, dass die Sparten Kosmetik und Haushaltsgüter erneut die Erwartungen verfehlt hatten.

Papiere von RWE gaben nach Neunmonatszahlen um 5,56 Prozent nach. Commerzbank-Analystin Analystin Tanja Markloff warnte vor Risiken mit Blick auf die deutschen schadstoffintensiven Braunkohlekraftwerke des Energiekonzerns. Händler berichteten zudem von Gewinnmitnahmen, nachdem der Kurs im Verlauf des Jahres stark gestiegen war.

Dem kriselnden Industriedienstleister Bilfinger, der im Juli die operative Gewinnprognose gekappt hatte, gelang es, die Anleger dieses Mal zu überzeugen. Zwar hatten Kosten für den Konzernumbau Bilfinger im dritten Quartal in die Verlustzone gedrückt, doch im eigentlichen Geschäft war es besser gelaufen. Die Papiere nahmen mit plus 7,39 Prozent den Spitzenplatz im SDax ein.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,20 am Montag auf 0,23 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,11 Prozent auf 141,35 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,21 Prozent auf 162,39 Punkte. Der Eurokurs legte zuletzt auf 1,1773 US-Dollar zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1745 (Montag: 1,1656) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8514 (0,8579) Euro.

@ dpa.de

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