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B?rsen-Zeitung

Frankfurt - Jeder Studierende im Fach?bereich Wirtschaftswissenschaften lernt, dass M?rkte sich in einem Gleichgewicht befinden, wenn Nachfrage und Angebot deckungsgleich sind.

04.05.2021 - 22:37:17

Aus dem Gleichgewicht, Kommentar zur Chipindustrie von Stefan Kroneck. Daraus leitete sich dann ein "Gleichgewichtspreis" ab.

Frankfurt - Jeder Studierende im Fach?bereich Wirtschaftswissenschaften lernt, dass M?rkte sich in einem Gleichgewicht befinden, wenn Nachfrage und Angebot deckungsgleich sind. Daraus leitete sich dann ein "Gleichgewichtspreis" ab. Ausgehend von diesem Idealbild aus dem Elfenbeinturm befindet sich der globale Halbleitermarkt derzeit in einem Ungleichgewicht, ?berspitzt formuliert ist er aus den Fugen geraten. Lieferengp?sse bei mikroelektronischen Bauelementen sorgen daf?r, dass der Aufschwung in einer Reihe von Industriezweigen nach dem Corona-Schock 2020 an Dynamik verliert, schlimmstenfalls sogar sp?rbar abgebremst wird.

Als Schl?ssel des Problems macht der Vorstandschef von Infineon die Chip-Auftragsfertiger aus, auch Foundries genannt. Zur Vorlage des Quartalsberichts des gr??ten deutschen Halbleiterherstellers r?umte Reinhard Ploss ein, dass aufgrund ?berausgelasteter Kapazit?ten in dieser Produktionskette die "Nachfrage das Angebot deutlich ?bersteigt". Der CEO bef?rchtet wie Wettbewerber, dass die Knappheit im kommenden Jahr anh?lt.

Der Ausl?ser der kritischen Versorgungslage war zwar die Pandemie, die Ursache liegt aber tiefer. Corona deckt strukturelle Schwachstellen in den globalen Lieferketten auf. In der Praxis erweist sich das Just-in-time-System nur als kosteng?nstig, wenn es einwandfrei funktioniert. Wird jedoch die Lieferkette f?r einen l?ngeren Zeitraum ?berstrapaziert, treibt das die Kosten in die H?he. In Bezug auf die Lage der Foundries steigen die Preise f?r die Eink?ufer, was deren Margen dr?ckt, wie Infineon einr?umt.

Das radikale Abbremsen der Wirtschaft nach dem Ausbruch der Pandemie erweist sich f?r manche Firmen jetzt als ?berzogene Reaktion. In der Hektik versuchen nun Chip-Branchenprimus Intel und TSMC, der gr??te Foundry der Welt, das Ruder herumzurei?en. Beide Konzerne wollen mit Investitionen in insgesamt dreistelliger Milliardenh?he ihre Kapazit?ten deutlich erweitern, w?hrend Infineon dank einer austarierten Kalkulation nur schrittweise in die Erweiterung ihrer Produktion investiert, um die hohe Nachfrage bedienen zu k?nnen.

Die Erfahrung lehrt aber, dass umfangreiche Kapazit?tserweiterungen im schnelllebigen Chipgesch?ft den Anbietern schaden k?nnen, wenn dadurch der f?r die Branche typische Schweinezyklus verst?rkt wird. Ein selbst ausgel?stes ?berangebot sorgt daf?r, dass die Preise fallen. F?r die Hersteller wird es dann teuer, den Markt wieder ins Lot - oder ins Gleichgewicht - zu bringen.

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