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B?rsen-Zeitung

Frankfurt - Es ist ein Befreiungsschlag f?r die Lira, was sich in den vergangenen zehn Tagen in der T?rkei getan hat.

13.11.2020 - 21:22:27

Radikalkur am Bosporus / Kommentar zur t?rkischen Lira von Wolf Brandes. Nach dem Abgang von Zentralbankchef und Finanzminister scheint sich zu best?tigen, dass das Land eine Kehrtwende in seiner Geldpolitik vollziehen k?nnte.

Frankfurt - Es ist ein Befreiungsschlag f?r die Lira, was sich in den vergangenen zehn Tagen in der T?rkei getan hat. Nach dem Abgang von Zentralbankchef und Finanzminister scheint sich zu best?tigen, dass das Land eine Kehrtwende in seiner Geldpolitik vollziehen k?nnte. Anfangs gab es Zweifel, ob der erneute Rauswurf eines Notenbankchefs nach weniger als zwei Jahren wirklich etwas Gutes bedeutet. Doch dann legte Erdogan verbal nach und schlug marktfreundlichere T?ne an. Der Pr?sident sagte, dass er voll hinter der Politik des neuen Notenbankchefs stehe, und: "Die T?rkei wird bittere Pillen verabreichen, falls dies n?tig sein sollte." Das klang nach einer echten Abkehr von der wenige Tage zuvor ge?u?erten Beschuldigung, Ausl?nder und hohe Zinsen seien f?r die Probleme des Landes verantwortlich; und weiter: sein Land f?hre einen Krieg gegen eine "unheilige Dreieinigkeit" aus Wechselkursen, Inflation und Zinsen. Doch dann folgte dieser ?berraschende Kurswechsel.

Der Verfall der t?rkischen Lira wurde durch die Personalentscheidungen und die Kehrtwende der Politik jedenfalls gestoppt. Die W?hrung stieg am Freitag auf den h?chsten Stand seit sieben Wochen und verzeichnete damit in einer Woche einen Zuwachs von 11%. Marktbeobachter wurden von den Ereignissen in der T?rkei ?berrumpelt. So hatten die Experten der Commerzbank wochenlang gehofft, dass der t?rkische Pr?sident durch die Entwicklungen der letzten sechs Monate gelernt habe, sich nicht massiv in die Geldpolitik einzumischen. Doch die erste Reaktion der Analysten: "Die Entlassung Uysals hat diese Hoffnung zerst?rt." Warum sollte man einen Notenbankchef entlassen, den man vor anderthalb Jahren installiert hatte und der genau das getan hatte, was Erdogan wollte: den "Zinsteufel" bek?mpfen und die Leitzinsen von 24% auf 8,25% herunterschleusen. Und dann hatte Uysal auch noch im September die Wende eingeleitet und die Leitzinsen wieder auf 10,25% erh?ht. Warum sollte nicht er der richtige Mann sein, die Kehrtwende zu exekutieren, und stattdessen Naci Agbal zum Zentralbankgouverneur er?nannt werden, der als dem Pr?sidenten treu ergeben gilt? Das schien keinen Sinn zu machen. Andererseits war Agbal bis 2018 Wirtschaftsminister und gilt als marktfreundlich.

Wie irritiert die M?rkte waren, zeigte die Entt?uschung dar?ber, dass die Notenbank die Zinsen nicht schon Ende Oktober weiter angehoben hatte. Zu der damaligen Entscheidung meinte Sebastian Petric von der Raiffeisenbank International: "Das Z?gern der t?rkischen Zentralbank, eine deutliche Zinserh?hung vorzunehmen, ist sicherlich ein sehr schlechtes Zeichen f?r die M?rkte. Um eine Wiederholung der W?hrungsprobleme von 2018 zu vermeiden, h?tte die Zentralbank entschlossen handeln m?ssen. Jetzt ist alles m?glich." Die Lage spitzte sich in der Tat zu, f?r einen Dollar mussten am 6. November 8,50 Lira gezahlt werden. Dann handelte Erdogan.

An der Gro?wetterlage ?n?dern neue Personen so schnell aber nichts. Leistungsbilanzdefizite, schrumpfende Devisenreserven - f?r Thomas Mei?ner von der LBBW stand das Land kurz vor einem Offenbarungseid. Beispiel Devisenreserven: Offiziell werden diese mit 42 Mrd. Dollar ausgewiesen, Anfang des Jahres waren es rund 80 Mrd. Dollar. Fraglich ist aber, wie hoch die freien Devisenreserven sind.

Nach der Kehrtwende sieht es nun danach aus, dass die Zentralbank auf der n?chsten Sitzung am 19.November ihren Leitzins von 10,25% auf 15% erh?hen k?nnte, wie eine Umfrage von Reuters ergab. Die befragten Analysten haben Erdogans Rede als Zeichen daf?r gewertet, dass er eine solche Erh?hung billigen w?rde. Damit d?rfte der Ausverkauf der Lira wirklich gestoppt sein und bliebe der IWF vorerst au?en vor. Andererseits sind die hohen Zinsen eine B?rde f?r die t?rkische Wirtschaft.

(B?rsen-Zeitung, 14.11.2020)

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