USA, Japan

FRANKFURT - Die Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung der US-Bank Goldman Sachs im laufenden Jahr vor dem Hintergrund politischer Risiken und des Handelskonflikts führender Industriestaaten verlangsamen.

15.01.2019 - 15:34:24

Goldman Sachs erwartet 2019 keine Rezessionen in den USA und der Eurozone. Allerdings befürchtet Goldman Sachs in den USA und in der Eurozone kein Abrutschen in die Rezession. Diesseits und jenseits des Atlantiks seien "die Perspektiven für eine weiche Landung besser als der Markt erwartet", sagte der Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Jan Hatzius, am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt.

Für 2019 rechnete Hatzius nur noch mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Für das vergangene Jahr liegt die Erwartung noch spürbar höher bei 3,8 Prozent. Für die Eurozone rechnet Goldman Sachs in diesem Jahr mit einer Abschwächung des Wachstums auf 1,6 Prozent. Insgesamt geht die Bank davon aus, dass die Eurozone, Japan und die USA aber jeweils von einer Rezession verschont bleiben. In China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, ist dank staatlicher Konjunkturmaßnahmen in diesem und im kommenden Jahr mit Wachstumsraten von über sechs Prozent zu rechnen.

In den USA dürfte die zuletzt starke Konjunktur an Fahrt verlieren. Chefvolkswirt Hatzius geht davon aus, dass der Impuls für die Konjunktur durch die Steuersenkungen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump an Kraft verlieren wird. Gleichzeitig erwartet er eine weitere Verbesserung der Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Auch 2019 dürfte der Zuwachs bei der Zahl der Beschäftigten über dem langfristigen Trend liegen, sagte Hatzius. Außerdem rechnet der Chefvolkswirt mit einem Rückgang der Arbeitslosenquote von derzeit 3,8 Prozent auf nur noch 3,4 Prozent.

Der weiter starke Anstieg der Nachfrage nach Arbeitskräften werde in den USA zu einem der engsten Arbeitsmärkte seit 50 Jahren führen, so Hatzius. Die Folge sei ein stärkerer Anstieg der Löhne, der für eine Inflation von etwas mehr als zwei Prozent sorgen werden.

Eine stärkere Lohnentwicklung dürfte die US-Inflation nach Einschätzung von Goldman Sachs über der Zielmarke der US-Notenbank Fed von zwei Prozent halten. Die Bank rechnet daher in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg der Leitzinsen. Demnach dürfte die Fed ein oder maximal zweimal an der Zinsschraube drehen. Die US-Bank liegt damit über den aktuellen Markterwartungen. Hier wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in 2019 als nur sehr gering eingeschätzt.

Die jüngste Abkühlung der Weltwirtschaft habe die Konjunktur in der Eurozone belastet, sagte Jari Stehn, Chefvolkswirt Europa bei Goldman Sachs. Weitere Belastungsfaktoren sah der Ökonom bei Problemen in der deutschen Automobilindustrie und bei einem Zurückdrehen der Reformen in Frankreich auf Druck der "Gelbwesten"-Bewegung.

Gestützt werde die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum hingegen durch die Haushaltspolitik in Frankreich und Deutschland, wo jeweils steigende Ausgaben vorgesehen sind. Außerdem werde die Wirtschaft der Eurozone durch eine Besserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt und eine teilweise stärkere Lohnentwicklung gestützt.

Allerdings erkannte Goldman-Sachs-Experte Stehn auch eine stärkere Lohnentwicklung in Teilen der Eurozone, die seiner Einschätzung nach die Inflation im Währungsraum stützt. Stehn geht daher davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihren Weg eines langsamen Ausstiegs aus der extrem lockeren Geldpolitik fortsetzen werde. Er rechnet allerdings mit einem ersten Anstieg der Leitzinsen in der Eurozone frühestens zum Jahresende 2019.

@ dpa.de

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