Deutschland, Volkswirtschaft

FRANKFURT - Die Menschen in Deutschland haben trotz der Zinsflaute in der Summe so viel auf der hohen Kante wie nie zuvor.

13.04.2018 - 12:48:25

Geldvermögen der Deutschen wächst - Rekord 2017. Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg bis Ende 2017 gegenüber dem Vorjahr um knapp 5 Prozent auf den Rekordwert von 5857 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte. Getrieben wurde die Entwicklung auch durch Kursgewinne an den Aktienmärkten.

Der Sozialverband VdK Deutschland mahnte, die Schere zwischen Reich und Arm dürfe nicht weiter auseinandergehen. Die Politik müsse verhindern, dass die Ungleichheit wachse. "Wenn auf der einen Seite immer mehr Menschen auf soziale Sicherungsleistungen angewiesen sind, die kaum das Existenzminimum abdecken, und auf der anderen Seite private Vermögen immer weiter ansteigen, dann ist das eine fatale Entwicklung", kritisierte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Die Bundesbank berücksichtigt bei der Berechnung des Geldvermögens Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien. Wie das Vermögen verteilt ist, geht aus den Daten nicht hervor.

Die Privathaushalte horteten Bargeld oder parkten mehr Geld als Sichteinlagen bei Banken - also auf Giro- oder Tagesgeldkonten, deren Bestände man rasch umschichten kann. 41 Milliarden Euro kamen hier im vierten Quartal hinzu. Aus Spareinlagen und -briefen zogen die Bundesbürger den Angaben zufolge im geringem Maß Geld ab. Insgesamt steckten Ende vergangenen Jahres 2311 Milliarden Euro in Bargeld und Einlagen - das entspricht rund 39 Prozent des Geldvermögens.

Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen weiter auch Versicherungen und Pensionseinrichtungen. Knapp 15 Milliarden Euro investieren die privaten Haushalte dort im vierten Quartal. Die Bestände summierten sich so auf rund 2174 Milliarden Euro. "Im Umfeld niedriger Zinsen deutet das Anlageverhalten der privaten Haushalte insgesamt auf eine weiterhin ausgeprägte Präferenz für liquide oder als risikoarm wahrgenommene Anlagen hin", erläuterte die Bundesbank.

Und das, obwohl viele Sparer in Deutschland in der Zinsflaute bares Geld verlieren. Das als Tagesgeld oder Festgeld zu mickrigen Zinsen geparkte Ersparte wird von der inzwischen höheren Inflationsrate aufgefressen: Nach Berechnung der Comdirect lag der Realzins - also der tatsächliche Zins für Spareinlagen nach Abzug der Inflation - im ersten Quartal 2018 bei minus 1,30 Prozent. Somit verloren Sparer in Deutschland in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 7,1 Milliarden Euro oder pro Kopf 86 Euro.

Im vergangenen Jahr trauten sich angesichts des Börsenbooms allerdings mehr Bundesbürger an den Kapitalmarkt. Die Zahl der Aktionäre in Deutschland stieg auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Etwas mehr als zehn Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Zum Vorjahr stieg die Zahl der Aktionäre um fast 1,1 Millionen.

Zum Jahresende erwarben die als eher börsenscheu geltenden Deutschen der Bundesbank zufolge für drei Milliarden Euro Aktien und für 13 Milliarden Euro Anteile an Investmentfonds.

Im Gegensatz zu Sparern profitieren Kreditnehmer von der Zinsflaute. Die privaten Haushalte nutzten die niedrigen Zinsen nach Angaben der Bundesbank auch im vierten Quartal, um sich günstig Kredite zu verschaffen - vor allem für den Wohnungsbau. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen um 0,7 Prozent auf 1727 Milliarden Euro. Abzüglich der Schulden stieg das Nettogeldvermögen der privaten Haushalte gegenüber dem Vorjahr um knapp 5,7 Prozent auf 4131 Milliarden Euro.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Devisen: Eurokurs gibt vor US-Zinsentscheid nach. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1740 US-Dollar und damit etwas weniger als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1737 (Dienstag: 1,1777) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8520 (0,8491) Euro. FRANKFURT - Der Eurokurs hat am Mittwoch vor einer erwarteten Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank Fed nachgegeben. (Boerse, 26.09.2018 - 16:59) weiterlesen...

21st Century Fox verkauft Sky-Beteiligung an Comcast. Das teilte Fox am Mittwoch in New York mit. Die Beteiligung in Höhe von 39 Prozent habe aktuell einen Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar (13 Mrd Euro). NEW YORK - Der US-Unterhaltungsriese 21st Century Fox will seinen Anteil am britischen Bezahlsender Sky an den Kabelkonzern Comcast abgeben. (Boerse, 26.09.2018 - 16:54) weiterlesen...

Torsten Hufnagel wird neuer Aldi-Nord-Chef. Der 45-jährige Manager sei von den drei Stiftungen, die Aldi Nord kontrollieren, einmütig zum Nachfolger Heußingers berufen worden, teilte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch mit. Zuvor hatte die "Lebensmittel Zeitung" darüber berichtet. ESSEN - Knapp einen Monat nach dem überraschenden Abgang von Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger ist die Nachfolgefrage geklärt: Torsten Hufnagel wird neuer Gesamtverantwortlicher für den Essener Discounter. (Boerse, 26.09.2018 - 16:54) weiterlesen...

Nutzen von Arzneien könnte künftig EU-weit einheitlich geprüft werden. Für das Vorhaben der EU-Kommission zeichne sich im Europaparlament vor der Abstimmung nächste Woche eine klare Mehrheit ab, sagte der CDU-Abgeordnete Peter Liese am Mittwoch in Brüssel. BRÜSSEL - Neue Medikamente könnten künftig in einem europaweit einheitlichen Verfahren darauf geprüft werden, ob sie besser helfen als herkömmliche Präparate. (Boerse, 26.09.2018 - 16:50) weiterlesen...

CO2-Vorgaben für Autos: Umweltministerin lenkt ein. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gab ihren Einsatz für eine Verschärfung auf, wie ihr Ministerium am Mittwoch bestätigte. Damit vertritt die Regierung eine ähnliche Linie wie die deutsche Autobranche. Auf EU-Ebene geht das Ringen nun aber erst richtig los. Nächste Woche will zunächst das Europaparlament seine Position festlegen. BERLIN/BRÜSSEL - Im Streit über neue Klimaschutzvorgaben für Autos ist sich die Bundesregierung nach langem Hin und Her einig, die gemäßigten Ziele der EU-Kommission zu unterstützen. (Boerse, 26.09.2018 - 16:48) weiterlesen...

Räumung im Hambacher Forst fortgesetzt - Widerstand ebenso. Am Mittwoch begann die Polizei mit der Räumung des nächsten Baumhausdorfes. Nach Worten eines Polizeisprechers ließen sich etwa 20 Teilnehmer einer Sitzblockade friedlich wegtragen. Parallel sammelten sich Polizeikräfte im Bereich weiterer Baumhütten. Mehrere Aktivisten bildeten eine Menschenkette um einen Baum mit einer Hütte. KERPEN - Im Braunkohlegebiet Hambacher Forst haben die Behörden die Räumung des uralten Waldes fortgesetzt. (Boerse, 26.09.2018 - 16:45) weiterlesen...