Schweiz, Italien

FRANKFURT - Das Schweizer Bankhaus Julius Bär bleibt trotz der jüngsten Konjunkturflaute positiv für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gestimmt.

14.06.2018 - 13:49:25

Julius Bär rechnet weiter mit 'ordentlichem' Wachstum in Deutschland. "Das Wachstum wird in diesem Jahr immer noch ordentlich sein", sagte der Chefvolkswirt für Deutschland, David Kohl, am Donnerstag in Frankfurt. Bei der aktuellen Konjunkturschwäche handele es sich "um eine Delle, mehr nicht", versicherte der Leiter der Vermögensverwaltung bei Julius Bär, Lutz Welge.

Trotz des schwachen ersten Quartals rechnet Julius Bär in diesem Jahr mit einem deutschen Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent. Damit würde der deutsche Konjunkturmotor im Vergleich zum Vorjahr nur leicht an Fahrt verlieren. Im Jahr 2017 war die größte europäische Volkswirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen.

Generell rechnet das Schweizer Bankhaus für die Jahre 2018 und 2019 mit einer robusten konjunkturellen Entwicklung. Einen wichtigen Konjunkturtreiber sah Experte Kohl in den vergleichsweise starken Investitionen durch Unternehmen. Zuletzt hätten sich Kapazitätsmängel abgezeichnet, die es durch stärkere Investitionen auszugleichen gelte, sagte Kohl.

Außerdem könnten Unternehmen der Eurozone auch durch die Entwicklung der Wechselkurse profitieren. Das Bankhaus Julius Bär will einen deutlichen Kursrückgang des Euro nicht ausschließen. Wegen der wachsenden Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone könnte der Eurokurs in der zweiten Jahreshälfte bis auf 1,10 US-Dollar fallen, sagte Kohl. Ein schwacher Euro macht Waren aus der Eurozone im Dollarraum günstiger und kann somit die Nachfrage stärker ankurbeln.

Auch durch die jüngste politische Entwicklung in Italien sieht Julius Bär keine ernste Gefahr für den Aufschwung in der Eurozone. Experte Kohl wies darauf hin, dass eine Mehrheit der Italiener für den Euro sei. Zuletzt habe sich auch gezeigt, dass die populistischen Parteien der Regierungskoalition nicht zu stark auf Konfrontationskurs mit der EU gehen wollen und bei einigen politischen Positionen bereits zurückgerudert seien, sagte Kohl.

Eine Gefahr für den Aufschwung sieht das Bankhaus Julius Bär allerdings in der protektionistischen Politik der USA. Kohl geht davon aus, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ihren Kurs in dieser Frage nicht ändern wird. "Protektionismus ist populär in den USA", sagte Kohl. Allerdings rechnet das Schweizer Bankhaus nicht mit einer Eskalation im aktuellen Handelsstreit bis hin zu einem Handelskrieg. Es bestehe zwar die Gefahr einer derartigen Eskalation, aber das Risiko wird bei Julius Bär nur mit 20 Prozent eingeschätzt. Viel wahrscheinlicher sei es, dass Präsident Trump es bei einzelnen "Scharmützeln" im Handelsstreit belässt.

"Trump scheut einen ernsten Handelskrieg", sagte Kohl. Eine solche Eskalation sei in der amerikanischen Bevölkerung nicht beliebt und könnte bei den im Herbst anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress Stimmen kosten. "Präsident Trump ist innenpolitisch motiviert und hat deshalb kein Interesse, es zu weit zu treiben", versicherte der Experte.

@ dpa.de

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