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B?rsen-Zeitung

Frankfurt - Chinas Industrieproduktion ist im April um fast 10 Prozent gestiegen, die Einzelhandelsums?tze sind um knapp 18 Prozent in die H?he geschnellt und die Anlageinvestitionen brummen mit 20 Prozent Zuwachs vor sich hin.

17.05.2021 - 22:22:44

Reise r?ckw?rts, Kommentar zur konjunkturellen Entwicklung in China von Norbert Hellmann

Frankfurt - Chinas Industrieproduktion ist im April um fast 10 Prozent gestiegen, die Einzelhandelsums?tze sind um knapp 18 Prozent in die H?he geschnellt und die Anlageinvestitionen brummen mit 20 Prozent Zuwachs vor sich hin. Da kann man ja wohl nicht ?ber die Dynamik der weltweit zweitgr??ten Volkswirtschaft meckern, oder? Nun, China-?konomen sehen das ein wenig anders.

In Zeiten der Wirtschaftserholung nach dem letztj?hrigen Pandemieschock darf man sich von ?ppigen Wachstumsraten nicht blenden lassen. Statistische Basiseffekte spielen einen Streich. Tats?chlich haben die j?ngsten Wirtschaftsdaten allesamt die Prognosen verfehlt - in Sachen Einzelhandelsdynamik wurde der Marktkonsens sogar deutlich unterschritten. Chinas Binnenkonsum w?chst weiterhin unter Trend.

Analysten bezeichnen die latente Schw?che an der Konsumfront als postpandemische "neue Norm". Damit beruht die wirtschaftliche Erholung auf einem stark ungleichgewichtigen Wachstum auf Produktions- und Konsumseite. Obwohl China als einzige gr??ere Volkswirtschaft gegenw?rtig keinerlei Behinderungen durch Lockdown-Ma?nahmen unterliegt, hat die Pandemie das Verbrauchervertrauen dennoch irgendwie angeknackst. Das ist sicherlich kein gutes Omen f?r die noch anstehende Wirtschaftserholung in anderen gro?en Industrie- und Schwellenl?ndern.

Da der Konsum mehr als 60 Prozent der chinesischen Wirtschaft ausmacht und sich nur z?gerlich erholt, muss man davon ausgehen, dass die Wachstumsaussichten einem gewissen Unsicherheitsfaktor unterliegen. Insgesamt jedenfalls scheint die Dynamik etwas nachzulassen und dies wird sich schon rasch in einer Z?gelung des Wachstums des Bruttoinlandsprodukt (BIP) niederschlagen. W?hrend man im ersten Quartal wegen der Basiseffekte auf ein rekordhohes BIP-Wachstum von gut 18 Prozent kam, ist f?r das zweite Quartal nur noch mit einem Plus von 8 Prozent zu rechnen.

Die Reise r?ckw?rts ist bereits angetreten und Chinas Wirtschaftswachstum wird sich zwangsl?ufig weiter abflachen. In der zweiten Jahresh?lfte d?rfte man nur noch bei etwa 6 Prozent liegen. Damit d?rfte Chinas Wirtschaft trotz noch f?hlbarer Basiseffekte bereits wieder auf ein Trendwachstum einschwenken, das man vor Ausbruch der Pandemie erreicht hatte. Dann wird die interessante Frage sein, ob der Konsum bis dahin aus der Delle herausfindet. Wenn nicht, wird China im kommenden Jahr erstmals ?berhaupt ein Wachstum mit einer 5 oder weniger vor dem Komma ausweisen.

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