Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Talanx AG, DE000TLX1005

EUSKIRCHEN / BERLIN - Mit dem Rückgang der akuten Gefahr in den Hochwassergebieten gewinnt die Debatte über Versäumnisse beim Bevölkerungsschutz an Schärfe.

19.07.2021 - 18:42:03

GESAMT-ROUNDUP: Nach Unwetterkatastrophe mehrt sich Kritik an Bevölkerungsschutz. Eine britische Wissenschaftlerin warf den deutschen Behörden "monumentales" System-Versagen bei der Flutkatastrophe vor. Teile der Opposition im Bundestag richteten heftige Kritik gegen den für Katastrophenschutz zuständigen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Dieser machte sich am Montag unter anderem an der zwischenzeitlich von einem Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen ein Bild der Schäden. Dort entspannte sich die Lage ebenso wie in den meisten anderen Hochwassergebieten im Westen Deutschlands und etwa in Bayern.

Dieser machte sich am Montag unter anderem an der zwischenzeitlich von einem Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen ein Bild der Schäden. Dort entspannte sich die Gefahrenlage ebenso wie in den anderen Hochwassergebieten im Westen Deutschlands und etwa in Bayern. Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesopfer am Montag auf mindestens 164: Aus Rheinland-Pfalz wurden 117 und aus NRW 47 Unwetter-Tote bestätigt. In beiden Bundesländern wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden könnten.

Für die Überlebenden der Fluten gilt es weiter, Schlamm und Trümmer aus ihren Häusern und von den Straßen beiseitezuschaffen. Vielerorts ist die Infrastruktur etwa mit Brücken, Gleisen, Mobilfunkmasten und Trinkwasserversorgung zerstört. Im stark zerstörten Bad Neuenahr-Ahrweiler etwa holen Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) Wasser aus dem Fluss, in riesigen Trinkwasserbecken wird das schmutzige Flusswasser dann stufenweise gereinigt. Geplant sei, dass das produzierte Trinkwasser mit Fahrzeugen auch in andere betroffene Orte gebracht wird.

Es gab aber auch Lichtblicke: Ein Brechen der in Euskirchen bei Köln gelegenen Steinbachtalsperre habe verhindert werden können, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der dort gemeinsam mit Seehofer zu Besuch war. Der Rhein-Sieg-Kreis erklärte, die Talsperre habe einen "unkritischen Wasserstand erreicht". Es bestehe akut keine Gefahr mehr, dass die Staumauer brechen könnte. Die Evakuierung mehrerer Orte könne aufgehoben werden.

Die ebenfalls in der Region gelegene Stadt Erftstadt informierte, dass auf der überspülten Bundesstraße 265 alle vom Hochwasser eingeschlossenen Fahrzeuge geborgen worden seien. Dabei seien glücklicherweise keine Toten entdeckt worden. Mehr als 100 Fahrzeuge waren dort eingeschlossen; der Rhein-Erft-Kreis hatte erklärt, es sei unklar, ob es alle Insassen rechtzeitig herausgeschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden.

Nach Angaben des Kreises wurden auch im besonders stark getroffenen Erftstädter Stadtteil Blessem bislang keine Todesopfer der Hochwasserkatastrophe gefunden. 29 Menschen galten aber noch als vermisst. In Blessem hatte ein gewaltiger Erdrutsch Straßen und Häuser mitgerissen. Die Abbruchkante am Rand des Kraters gilt weiterhin als Risikozone.

Auch in Teilen Bayerns waren viele helfende Hände mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Nach heftigen Unwettern mit Starkregen waren manche Orte in der beliebten Urlaubsregion rund um Watzmann und Königssee von Wasserfluten und Erdrutschen zerstört worden. Glimpflich verlief das Hochwasser in Passau, wo man sich auf Schlimmeres eingestellt hatte - Donau und Inn stiegen letztlich nicht so stark an. Auch Sachsen kam diesmal vergleichsweise gut davon. Nach Starkregen und Überflutungen rechnete die Landesregierung aber auch hier mit Schäden in Millionenhöhe.

Die aktuelle Wetterberuhigung in Deutschland könnte zum Wochenende schon wieder vorbei sein. Die Meteorologen rechnen mit neuen Gewittern, die sich von Südwesten her ausbreiten.

Aus Sicht der Hydrologin Hannah Cloke von der englischen Universität Reading ist in Deutschland bei der Warnung der Bevölkerung viel schiefgegangen. Klare Hinweise, die im Rahmen des europäischen Frühwarnsystems EFAS (European Flood Awareness System, auf Deutsch: Europäisches Hochwasseraufklärungssystem) bereits vier Tage vor den ersten Überschwemmungen herausgegeben worden seien, seien offenbar nicht bei den Leuten angekommen, sagte sie der Zeitung "Sunday Times".

Seehofer, der nach seinem Besuch an der Steinbachtalsperre nach Bad Neuenahr-Ahrweiler weitergereist war, wies Kritik am Warnsystem des Katastrophenschutzes im Zusammenhang mit dem Hochwasser zurück. Die Dinge in Deutschland hätten gut funktioniert, sagte er in der Stadt im Norden von Rheinland-Pfalz. "Ich schließe nicht aus, dass wir das ein oder andere verbessern müssen." Aber die Warnmeldungen hätten ohne jedes technische Problem funktioniert.

Für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten sei nicht der Bund zuständig, sondern die Länder und die Landkreise. Seit einigen Monaten sei man aber dabei, die Unterstützungsleistungsleistungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für die Länder zu verbessern.

Zuvor war teils heftige Kritik unter anderem aus der Opposition im Bundestag gekommen. FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sah schwere Versäumnisse. "Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Es bietet sich das Bild eines erheblichen Systemversagens, für das der Bundesinnenminister Seehofer unmittelbar die persönliche Verantwortung trägt."

Linken-Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow brachte sogar eine Rücktrittsforderung ins Spiel. In einer Mitteilung kritisierte sie: "Seehofer trägt die politische Verantwortung für das desaströse Versagen der Bundesregierung."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

NRW-Regierung rechnet mit Flutschäden in zweistelliger Milliardenhöhe. Das wurde am Donnerstag in Düsseldorf nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts aus Regierungskreisen bekannt. DÜSSELDORF - Nordrhein-Westfalens Landesregierung geht nach einer umfassenden Erhebung mit fast allen betroffenen Kommunen im Land von Hochwasserschäden in zweistelliger Milliardenhöhe aus. (Boerse, 05.08.2021 - 19:20) weiterlesen...

WDH/Gluthitze und Brände am Mittelmeer, schwere Unwetter im Alpenraum (Wiederholung vom Wochenende) (Boerse, 02.08.2021 - 05:18) weiterlesen...

Aufräumarbeiten auf Hochtouren - Mängel bei Warnungen?. In einem betroffenen Kreis in Rheinland-Pfalz wurde einem Medienbericht zufolge in der Hochwassernacht trotz präziser Warnungen erst spät der Katastrophenfall ausgerufen. Und die Fluten und das anschließende Krisenmanagement haben einer Umfrage zufolge auch Auswirkungen auf die Kanzlerkandidaten im Vorfeld der Bundestagswahl. BAD NEUENAHR-AHRWEILER/EUSKIRCHEN - Zweieinhalb Wochen nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands mit mehr als 180 Todesopfern laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. (Boerse, 01.08.2021 - 19:12) weiterlesen...

Gluthitze und Brände am Mittelmeer, schwere Unwetter im Alpenraum. Auch Touristenanlagen waren betroffen. In Norditalien und Österreich verursachten heftige Unwetter dagegen Schäden und Überschwemmungen - zwei Belgier mussten in Kärnten aus einer Klamm gerettet werden. ROM/ATHEN/ISTANBUL/WIEN - Gluthitze und Dutzende Brände in den Urlaubsländern am östlichen Mittelmeer, schwere Unwetter weiter nördlich im Alpenraum: In Griechenland, der Türkei und Süditalien haben am Wochenende Tausende Einsatzkräfte bei Temperaturen um 40 Grad Celsius Wald- und Buschbrände bekämpft. (Boerse, 01.08.2021 - 17:30) weiterlesen...

Scholz offen für obligatorische Elementarschadenversicherung. "Die Frage ist, ob man diese Verpflichtung allen Bürgern auferlegen möchte. Das würde die Preise fürs Wohnen wieder teurer machen", sagte der Finanzminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag) "Diese Debatte müssen zunächst einmal die Länder führen. BERLIN - Nach der Flutkatastrophe hat sich Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) grundsätzlich offen für eine verpflichtende Elementarschadenversicherung gezeigt. (Boerse, 01.08.2021 - 17:02) weiterlesen...