Pharma, Biotechnologie

DÜSSELDORF - Nach massiver Kritik schränkt die NRW-Landesregierung die Möglichkeit von Booster-Impfung nur vier Wochen nach der letzten Spritze wieder stark ein.

15.12.2021 - 11:06:58

NRW schränkt frühe Booster-Impfungen wieder massiv ein. Bei einer Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus solle "im Regelfall" ein Abstand von mindestens fünf Monaten zur Grundimmunisierung eingehalten werden, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Der Mindestabstand von vier Wochen sei in "Einzelfallentscheidungen aufgrund einer medizinischen Indikation" weiterhin möglich. Ein entsprechender Erlass sei an die Kreise und kreisfreien Städte verschickt worden.

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte noch am Tag zuvor bekräftigt, dass Booster-Impfungen in NRW grundsätzlich nach vier Wochen möglich seien. Dies sei zwar nicht als Empfehlung zu verstehen, betonte Wüst. Wer allerdings frühestens vier Wochen nach der Zweitimpfung zum Boostern komme, werde auch nicht weggeschickt. Experten hatten diesen Alleingang des bevölkerungsreichsten Bundeslandes kritisiert. Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen teilte die Ansicht nicht. Auch im Landtag sorgte die Ankündigungen der Landesregierung bereits für heftige Kritik.

Der Oppositionsführer im Landtag, SPD-Landtagsfraktionsvorsitzender Thomas Kutschaty, kritisierte die Vier-Wochen-Regelung in NRW zur Booster-Impfung als ein "kommunikatives Desaster". Man werde einen "Run auf Impfeinrichtungen und Ärzte haben", warnte Kutschaty, der auch SPD-Landeschef ist. Er fürchte "Vordrängler" und "Ellebogen". Außerdem sei es nicht angebracht, sich nach vier Wochen boostern zu lassen - wenn es nicht medizinisch notwendig sei.

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie hatte kritisiert, vier Wochen nach der Zweitimpfung seien bestimmte immunologische Prozesse noch nicht abgeschlossen. Der Booster wirke dann viel schlechter. "Die Politik hat hier zwei Dinge vermischt, die nicht vermischt werden dürfen", sagte Carsten Watzl (Dortmund), Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, am Dienstag. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, manche Menschen schon nach vier Wochen zu boostern, beziehe sich nur auf Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die auf die ersten beiden Impfungen nicht oder kaum reagiert hätten, erklärte der Immunologe.

Auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk (Hannover), hält eine Verkürzung für falsch. "Aus immunologischer Sicht sind vier Wochen Abstand zu der dritten Impfung zu früh", sagte Falk. Das Immunsystem sei dann noch mit der "Reifung" zugange. "Dabei werden vor allem die Antikörper noch einmal verbessert - wie bei der Reifung eines guten Weines".

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein teilte am Dienstag mit, man halte eine generelle Verkürzung der Frist zum Boostern nicht für sinnvoll. Sofern das Gesundheitsministerium an seinem Erlass festhalte, betreffe dies daher nur die kommunalen Impfangebote, nicht die Arztpraxen. Für früheres Boostern müssten medizinisch individuelle Umstände vorhanden sein, welche die Abweichung rechtfertigen, begründete ein Sprecher auf Anfrage. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe sieht "keinen Sinn" in einer Auffrischungsimpfung vor Ablauf von mindestens vier Monaten.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

DWD-Präsident: Es gab 'sehr frühzeitig erste Hinweise' auf Ahr-Flut. MAINZ - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat nach Einschätzung seines Präsidenten Gerhard Adrian vor dem Hochwasser an der Ahr "sehr frühzeitig erste Hinweise" gegeben. Schon am 11. Juli habe es eine erste Vorabinformation über ein größeres Niederschlagsgebiet gegeben, sagte der Meteorologe am Freitag im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe des rheinland-pfälzischen Landtags. Am Vormittag des 13. Juli sei eine extreme Unwetterwarnung herausgegeben worden. "Davon geben wir pro Jahr nur ganz wenige heraus." DWD-Präsident: Es gab 'sehr frühzeitig erste Hinweise' auf Ahr-Flut (Boerse, 28.01.2022 - 18:08) weiterlesen...

Dänemark und USA verlegen Kampfjets ins Baltikum. Zusammen mit vier polnischen Maschinen sollen sie vom litauischen Militärflughafen in Siauliai den Himmel über den EU- und Nato-Mitgliedsstaaten Estland, Lettland und Litauen kontrollieren. "Wir sind heute Zeugen eines großartigen Beispiels für die Einheit und Solidarität der Alliierten", sagte der litauische Staatspräsident Gitanas Nauseda am Freitag bei der Begrüßung der dänischen Piloten auf dem Militärflughafen Siauliai. VILNIUS/TALLINN - In Litauen sind vier F-16-Kampfjets der dänischen Luftwaffe zur Verstärkung der Nato-Luftraumüberwachung über den baltischen Staaten eingetroffen. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 17:55) weiterlesen...

Mexiko will mit USA und Kanada Sicherheit in Urlaubsorten verbessern. Vertreter der US-Bundespolizei FBI, der Anti-Drogenbehörde DEA und der kanadischen Polizei werden sich in zwei Wochen mit lokalen Behörden im Bundesstaat Quintana Roo zu Gesprächen treffen, wie Gouverneur Carlos Joaquín dem Radiosender Radio Fórmula am Freitag bestätigte. CANCÚN - Nach mehreren Angriffen mit Toten an der Riviera Maya will Mexiko mithilfe der USA und Kanada die Sicherheit in der Urlaubsregion erhöhen. (Boerse, 28.01.2022 - 17:42) weiterlesen...

Argentinien: Haben Einigung über Kreditabkommen mit IWF erzielt. "Wir haben uns mit dem IWF geeinigt", sagte der argentinische Präsident Alberto Fernández am Freitag in einer Videobotschaft. Zur gleichen Zeit tagte das Exekutivdirektorium des IWF in Washington, um über die Einzelheiten eines neuen Abkommens mit dem hoch verschuldeten Land zu beraten. BUENOS AIRES - Nach monatelangen Verhandlungen über ein neues Kreditabkommen haben Argentinien und der Internationale Währungsfonds (IWF) nach Angaben der Regierung in Buenos Aires einen Durchbruch erzielt. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 17:36) weiterlesen...

Kretschmann kritisiert Einmischung von Virologen in Corona-Politik. "Max Weber hat darauf verwiesen, dass Wissenschaften die Welt beschreiben, wie sie war, ist und sein wird. Sie können auch beschreiben, wie man die Welt verändern könnte. Aber die Wissenschaft kann nicht sagen, ob man die Welt auch verändern soll", sagte der Grünen-Politiker der "Heilbronner Stimme" und dem "Südkurier" (Samstag) mit Blick auf den Soziologen (1864-1920). STUTTGART - Wissenschaftler wie etwa Virologen sollten sich aus Sicht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus der Politik heraushalten. (Boerse, 28.01.2022 - 17:18) weiterlesen...

Corona-Inzidenz in Italien gesunken. Stand Donnerstag verzeichneten die Behörden für die zurückliegenden sieben Tage landesweit im Schnitt 1823 Infektionen mit dem Virus je 100 000 Einwohner, wie das Oberste Gesundheitsinstitut (ISS) am Freitag in Rom mitteilte. Eine Woche zuvor gab das ISS den Wert noch mit 2011 an. In den Krankenhäusern des Landes mit rund 60 Millionen Einwohnern ging auch die Belegungsrate mit Corona-Patienten etwas zurück. Auf den Intensivstationen etwa lag ihr Anteil bei 16,7 Prozent - nach 17,3 Prozent in der Vorwoche. ROM - In Italien ist die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen nach einem wochenlangen Anstieg gesunken. (Boerse, 28.01.2022 - 17:13) weiterlesen...