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Lebensmittel, Agrar

Die Zuckerhersteller in Deutschland hadern mit den Unwägbarkeiten des weltweiten Zuckermarktes.

10.10.2019 - 13:02:42

Hält an Jahreszielen fest - Verfall der Zuckerpreise verhagelt Südzucker das Geschäft. Wettbewerbsverzerrungen machen ihnen das Leben schwer. Auch der größte Produzent in Europa kann ein Lied davon singen.

Der Kursrutsch fiel Händlern zufolge auch deshalb so deutlich aus, weil tags zuvor der Bioethanol-Produzent Cropenergies, eine Tochter von Südzucker, mit einem Gewinnsprung von gestiegenen Ethanolpreisen profitiert hatte. Die Investoren hätten damit auch auf ein besseres Gesamtergebnis für den Zuckerkonzern gesetzt.

Für das gesamte Geschäftsjahr peilt der SDax -Konzern bei einem Umsatz von 6,7 bis 7 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von null bis 100 Millionen Euro an - trotz erwarteter Verluste von 200 bis 300 Millionen Euro im umsatzstärksten Segment Zucker. "Wir sind optimistisch, dass wir beim Ergebnis in der Mitte des Korridors landen", sagte ein Südzuckersprecher.

Dabei setzt das Unternehmen mit rund 20 000 Mitarbeitern vor allem auf die Segmente Bio-Ethanol und Spezialitäten (Stärkeprodukte). Allein für seine Bio-Ethanol-Tochter CropEnergies rechnet der Konzern im Gesamtjahr mit Erlösen von 820 bis 860 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis von 50 bis 75 Millionen Euro. Im zweiten Geschäftsquartal hatte die Sparte ihren Gewinn auf rund 21,2 Millionen Euro mehr als vervierfacht. Die Sparte Frucht - Fruchtsaftkonzentrat und Fruchtzubereitungen etwa für Joghurt - verzeichnete im ersten Halbjahr bei gleich bleibendem Umsatz ein niedrigeres operatives Ergebnis.

Der niedrige Weltmarktpreis macht den Mannheimern schwer zu schaffen. Er liegt für eine Tonne Zucker derzeit bei weniger als 300 Euro; 2016 waren es noch mehr als 500 Euro. Die Erwartung von Experten, die seit der Rekordernte 2017/18 rückläufige Zuckererzeugung würde zu Preissteigerungen führen, habe sich nicht erfüllt, hieß es im Halbjahresbericht. Grund: hohe Lagerbestände an Zuckerrohr in Indien, die mit hohen Exportsubventionen auf den Weltmarkt geworfen werden. Südzucker moniert, dass sich die EU nicht den Klagen von Australien, Brasilien und Guatemala vor dem Streitschlichtungsgremium der Welthandelsorganisation gegen diese Wettbewerbsverzerrungen angeschlossen habe, sondern den Konflikt nur als Beobachter begleite. Zudem befürchten die Mannheimer einen erschwerten Zugang zum britischen Zuckermarkt, sollte es einen Brexit ohne Austrittsabkommen geben. Dazu kommt eine geringere Absatzmenge infolge der mauen Rübenernte wegen der Trockenheit im vergangenen Jahr.

Südzucker habe nun zwar die Verluste im Zuckergeschäft in anderen Bereichen auffangen können und dies sei die gute Nachricht, schrieb Analyst Marc Gabriel vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Aber selbst mit einem etwas besseren operativen Konzerngewinn im Geschäftsjahr 2019/20 sieht Gabriel die Schätzungen für das kommende Jahr weiter in Gefahr, da die Zuckerpreise wohl kaum so anzögen, wie es der Markt derzeit annehme. Anleger sollten an der Seitenlinie bleiben.

Auch der Experte Oliver Schwarz vom Analysehaus Warburg Research blickt skeptisch in die Zukunft. Er verwies darauf, dass Südzucker seine Jahresprognose trotz der besseren Aussichten für das Ethanolgeschäft bestätigt habe. Für ihn deutet dies darauf hin, dass die Preise für Zuckerkontrakte nicht die bereits recht konservativen Erwartungen von Südzucker übertroffen haben. Kurzfristig dürfte sich daran wohl auch nichts ändern, da etwa 85 Prozent aller Zuckerkontrakte für das neue Wirtschaftsjahr bereits unterzeichnet seien.

@ dpa.de