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Weltbank, IWF

Die Weltwirtschaft wird sich 2021 gut von der Corona-Krise erholen - trotz Inflation und LieferengpÀssen.

12.10.2021 - 17:02:30

IWF-Prognose - Starkes globales Wachstum dank Impfungen. Doch es gibt auch Staaten, die im Krisenmodus feststecken. Unterdessen hat die IWF-Chefin einen Skandal ĂŒberstanden.

Washington - Die VerfĂŒgbarkeit von Corona-Impfstoffen bestimmt die Entwicklung der Weltwirtschaft: IndustrielĂ€nder können in diesem Jahr nach Ansicht des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) weiter mit starkem Wachstum rechnen, Ă€rmere Staaten hingegen stecken in der Corona-Krise fest.

«Der Ausblick fĂŒr die Ă€rmeren EntwicklungslĂ€nder hat sich deutlich verdunkelt», sagte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. «Der Zugang zu Impfstoffen bleibt der wichtigste Antrieb der Verwerfungen bei der globalen Erholung.» Den Ă€rmeren Staaten fehle zudem der finanzielle Spielraum, die Konjunktur zu stĂŒtzen.

Der IWF senkte am Dienstag seine Prognose fĂŒr das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr marginal um 0,1 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent. FĂŒr 2022 rechnet der IWF wie in der vorigen Prognose vom Juli weiter mit einem Wachstum von 4,9 Prozent. Die Inflationsrate wird sich demnach erst Mitte 2022 wieder normalisieren.

Hinter der geringen VerĂ€nderung der globalen Wachstumsprognose verbergen sich jedoch fĂŒr einige LĂ€nder deutliche Herabstufungen, wie Gopinath erklĂ€rte. Neben den Schwierigkeiten vieler Schwellen- und EntwicklungslĂ€nder hĂ€tten sich unter anderem wegen Problemen mit globalen Lieferketten auch die kurzfristigen Wachstumsaussichten fĂŒr die IndustrielĂ€nder verschlechtert. Die Herabstufungen wĂŒrden aber zum Teil von besseren Wachstumsaussichten der großen Rohstoffexporteure wettgemacht, die von höheren Preisen profitierten.

IndustrielĂ€nder, in denen im Durchschnitt rund 60 Prozent der Bevölkerung abschließend geimpft sind, können sich auf starkes Wachstum freuen. Die Ă€rmsten LĂ€nder, in denen nur rund fĂŒnf Prozent der Bevölkerung voll geimpft sind, stagnieren hingegen eher. WĂ€hrend die Wirtschaftsleistung der Industriestaaten schon bald höher sein wird als vor der Pandemie, dĂŒrfte das Aufholen fĂŒr die Gruppe der Entwicklungs- und SchwellenlĂ€nder noch Jahre dauern, warnte der IWF.

Die Wachstumsprognose fĂŒr die USA, die weltgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft, senkte der IWF fĂŒr dieses Jahr um einen Prozentpunkt auf 6 Prozent, fĂŒr 2022 hob er sie aber geringfĂŒgig auf 5,2 Prozent an.

FĂŒr Deutschland korrigierte der IWF seine Prognose fĂŒr dieses Jahr um 0,5 Prozentpunkte nach unten: Das Bruttoinlandsprodukt soll 2021 um 3,1 Prozent wachsen. FĂŒr 2022 rechnet der IWF mit 4,6 Prozent. Die Prognose fĂŒr die Eurozone hob der IWF fĂŒr 2021 um 0,4 Prozentpunkte auf 5 Prozent an - teils getragen von stĂ€rkerem Wachstum in Italien und Frankreich.

Die Vorstellung der neuen Prognose wurde ĂŒberschattet von einem Skandal um IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Ihr wurde vorgeworfen, auf ihrem vorigen Spitzenposten bei der Weltbank 2017 ein wichtiges LĂ€nderranking zugunsten Chinas beeinflusst zu haben. Sie soll Druck auf Mitarbeiter gemacht haben, um ein Abrutschen Chinas im GeschĂ€ftsklimaindex der Weltbank («Doing Business») zu verhindern. Die frĂŒhere EU-Kommissarin Georgiewa (68), die seit Ende 2019 an der Spitze des IWF steht, hat die ManipulationsvorwĂŒrfe zurĂŒckgewiesen.

Nach acht Sitzungen zu dem Thema sprach der Exekutivrat des IWF Georgiewa nun aber sein «volles Vertrauen» aus. US-Finanzministerin Janet Yellen, die den grĂ¶ĂŸten IWF-Anteilseigner vertritt, erklĂ€rte, die USA sĂ€hen ohne weitere direkte Beweise zu Georgiewas Rolle «keine Basis fĂŒr einen Wechsel in der FĂŒhrung des IWF». Die USA wĂŒrden die Aufarbeitung genau verfolgen. Um die IntegritĂ€t der Datenerhebung und die GlaubwĂŒrdigkeit zu stĂ€rken, seien nun «proaktive Schritte» nötig. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach einer digitalen G20-Konferenz zu Afghanistan, sie schließe sich dem Aufsichtsgremium an, dass Georgiewa sein «volles Vertrauen» ausgesprochen habe.

FĂŒr die Weltbank und den IWF ist die angebliche Manipulation von Daten ein schwerer Vorwurf. FĂŒr die in Washington ansĂ€ssigen Organisationen gehört die unabhĂ€ngige und unpolitische Erhebung und Zusammenstellung internationaler Daten zum KerngeschĂ€ft. Die Daten der Organisationen sind hĂ€ufig auch eine Grundlage fĂŒr weitreichende Entscheidungen, etwa wenn es um Hilfsgelder geht.

Das Timing des Skandals kam fĂŒr IWF und Weltbank zur Unzeit, denn in dieser Woche versammeln sich Finanzminister, Zentralbanker und weitere Experten zur Jahrestagung der Organisationen. Das Treffen findet wegen der Pandemie teils online statt. Finanzminister Olaf Scholz und andere Teilnehmer wurden jedoch in Washington erwartet.

Der IWF betonte, die neue Wirtschaftsprognose sei mit großer Unsicherheit verbunden. Ein ungĂŒnstigerer Verlauf der Pandemie, insbesondere durch noch aggressivere Varianten des Coronavirus, oder eine anhaltend hohe Inflationsrate in den USA, die die Notenbank zum Einschreiten zwingen wĂŒrde, könnte das Wachstum ausbremsen. «Die Risiken fĂŒr den wirtschaftlichen Ausblick haben insgesamt zugenommen und politische Entscheidungen sind komplexer geworden», so Gopinath.

Die stark angestiegene Teuerungsrate wird der IWF-Prognose zufolge erst Mitte nĂ€chsten Jahres fĂŒr den Großteil der Welt wieder auf den Wert von vor der Pandemie zurĂŒckfallen. Die hohe Inflationsrate sei vor allem auf vorĂŒbergehende Faktoren wie die Erholung nach der Corona-Krise, den Mangel an bestimmten Produkten wie Mikrochips und Problemen mit den Lieferketten zurĂŒckzufĂŒhren, erklĂ€rte der IWF. Auch höhere Energiepreise spielten eine Rolle.

Die Zentralbanken mĂŒssten sich bei ihrer Geldpolitik daher bis auf Weiteres auf «einem schmalen Grat bewegen». Sie mĂŒssten die Gefahr der Inflation und finanzielle Risiken gegen eine UnterstĂŒtzung der wirtschaftlichen Erholung abwĂ€gen, erklĂ€rte Gopinath.

Der IWF erwartet fĂŒr die IndustrielĂ€nder dieses Jahr eine Inflationsrate von 2,8 Prozent und 2,3 Prozent nĂ€chstes Jahr. Im Juli hatte er noch mit 2,4 Prozent und 2,1 Prozent gerechnet.

@ dpa.de