Verkehr, Bahn

Die Pünktlichkeit im Keller und die Gewinnziele in Gefahr: Selten hat ein Bahnchef so offen die Probleme seziert.

10.09.2018 - 17:23:24

Verspätungen und miese Zahlen - Bahnchef Lutz verschickt alarmierend offenen Brandbrief. Selbst die Unterstützer des Konzerns reden die Lage nicht schön.

  • Richard Lutz - Foto: Soeren Stache

    Hat mit einem alarmierenen Brief an die Konzernmanager den Blick auf die schwierige Lage der Bahn gerichtet: Bahn-Vorstandschef Richard Lutz. Foto: Soeren Stache

  • Anzeigetafel - Foto: Boris Roessler

    Eine Anzeigetafel im Frankfurter Hauptbahnhof kündigt «erhebliche Verspätungen und Zugausfälle» an. Foto: Boris Roessler

Richard Lutz - Foto: Soeren StacheAnzeigetafel - Foto: Boris Roessler

Berlin - Verspätete Züge, schwache Zahlen: Mit seinem alarmierenden Brief an die Konzernmanager hat Vorstandschef Richard Lutz den Blick auf die schwierige Lage der Bahn gerichtet. Verbände und Fahrgastvertreter verlangten mehr politische Unterstützung für den Staatskonzern.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sprach von einem «Hilferuf an die Bundesregierung». Schnelle Verbesserungen seien nicht zu erwarten, bemerkte der Eisenbahn-Lobbyverband Allianz pro Schiene.

Ein Sprecher von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wollte Berichte über den Brief nicht kommentieren. Er gestand jedoch Verbesserungsbedarf bei der Bahn zu, indem er an ein Scheuer-Zitat erinnerte: «Wir wollen den Wow-Effekt beim Bahnfahren.»

Davon kann bei dem Schreiben nicht die Rede sein, das Lutz am Freitag an die Führungskräfte der Bahn schickte. Der Vorstandschef sprach darin von breiten und tiefen operativen Schwächen und sagte unter anderem «Ressort-Egoismen» den Kampf an. Die Bahn müsse sich grundlegend verändern.

Lutz kündigte an, Ausgaben stärker zu kontrollieren, damit das schon reduzierte Gewinnziel von 2,1 Milliarden Euro im laufenden Geschäft noch zu erreichen ist.

Fahrgäste dürfen aber nicht mit einer sofortigen Trendwende rechnen, wie Beobachter meinen. «Ich sehe keine großen Verbesserungen in den nächsten ein bis zwei Jahren», sagte der Geschäftsführer von Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Montag. «Das sind echte Systemprobleme», ergänzte er und betonte vor allem, dass die einzelnen Geschäftsfelder des Konzerns nicht ausreichend zusammenarbeiteten.

Flege beschrieb es am Beispiel eines falsch aufgestellten Fahrkartenautomaten. Der gehöre der Sparte DB Fernverkehr, der Bahnsteig aber DB Station und Service, die Stromversorgung am Bahnhof laufe über DB Netz und DB Energie. Jede Sparte mache ihre eigene Kostenrechnung und habe das große Ganze weniger im Blick. «So kommt es, dass der Automat in der Sonne stehen bleibt, und der Fahrgast das Display nicht lesen kann.»

Der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte der «Frankfurter Rundschau» (Dienstag): «Wir sehen diesen Brandbrief als sehr mutig an, weil er wirklich die Probleme beschreibt.» Auch politische Rahmenbedingungen seien für die Lage verantwortlich.

«Die Bundesregierung spricht zwar von einer Verkehrsverlagerung auf die Schiene», kritisierte der VCD. «Tatsächlich verzichtet sie bei Urlaubsflügen weiterhin auf eine Kerosin- oder Mehrwertsteuer und legalisiert Gigaliner auf der Autobahn.» Nötig seien dagegen faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsmitteln.

@ dpa.de

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