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Konflikte, Iran

Die Finanz- und Rohstoffmärkte haben zunächst stark auf die Raketenangriffe auf US-Stützpunkte im Irak reagiert.

08.01.2020 - 12:21:27

Eskalation in Nahost - Verluste an den Börsen in Asien und Europa. Dann aber kehrte schnell eine Beruhigung ein.

Frankfurt/Tokio - Die iranischen Raketenangriffe auf US-Stützpunkte im Irak haben die Finanzmärkte am Mittwoch verunsichert und riskantere Anlagen wie Aktien belastet.

Allerdings beruhigten sich die Märkte nach anfangs heftigen Reaktionen wieder. Die Ölpreise stiegen wegen der Nahost-Krise erst sprunghaft an, kamen dann aber wieder etwas zurück. Investoren bevorzugten erneut sichere Anlagehäfen - so zog die Krisenwährung Gold nochmals an.

Der deutsche Leitindex Dax verlor am Vormittag 0,7 Prozent auf 13.130 Punkte. Die Verluste waren aber weitaus geringer als nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär vergangene Woche.

Auch an anderen europäischen Handelsplätzen hielten sich die Abschläge eher in Grenzen. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 dämmte seine Verluste bis zum späten Vormittag auf minus 0,29 Prozent ein und notierte damit bei 3748,38 Punkten. Ähnlich moderat fielen die Abschläge in London und Paris aus: Der französische Leitindex Cac 40 büßte 0,25 Prozent auf 5997,11 Zähler ein, während das wichtigste britische Börsenbarometer FTSE 100 um 0,17 Prozent auf 7560,71 Punkte nachgab.

Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank wies darauf hin, dass sich US-Präsident Donald Trump in der Vergangenheit mit Maßnahmen gegen den Iran zurückgehalten habe, wenn bei Anschlägen des Iran keine US-Bürger getötet worden seien. «Das lässt ein wenig hoffen, dass der Konflikt in der Region Naher Osten nicht vollständig eskaliert.» Trump hatte für Mittwochmorgen (Ortszeit) eine Erklärung angekündigt. Zuvor hatte er in einem Tweet erklärt: «Alles ist gut!»

Die Ausschläge an den asiatischen Börsen waren zuvor heftiger. Der Nikkei-Index der Leitbörse in Tokio fiel um rund 370 Punkte oder 1,6 Prozent und lag zum Handelsschluss bei 23.204,76 Punkten. Zwischenzeitlich war das Börsenbarometer unter die Marke von 23.000 Punkte gefallen.

In China verbuchte der Shanghai Composite Index einen Abschlag von 1,22 Prozent beim Stand von 3066,89 Punkten. Der Shenzhen Component Index ging mit einem Minus von 1,13 Prozent beim Stand von 10.706,87 Zählern aus dem Markt. Der Hang Seng Index in Hongkong fiel um 0,83 Prozent oder 234,14 Punkte auf 28.087,92 Punkte. Verluste auch in Südkorea: Dort ging der Leitindex Kospi an der Aktienbörse in Seoul um 24,23 Punkte oder 1,1 Prozent auf den Stand von 2151,31 zurück.

Verkauft wurden erneut Papiere von Fluggesellschaften. Aktien der Lufthansa büßten knapp zwei Prozent ein und waren der größte Verlierer im Dax. In Paris gerieten Air France-KLM unter Druck und in London die Aktien der britisch-spanischen Fluggesellschaft IAG. Neben dem steigenden Ölpreis als Belastungsfaktor dürfte die Krise im Nahen Osten auch den Flugverkehr erschweren. Airlines setzte Flüge durch den Luftraum des Iran und des Irak aus und kündigten an, diesen zu meiden.

Die Ölpreise stiegen weiter. Die Notierungen erreichten zeitweise mehrmonatige Höchststände. Am Ölmarkt setzte jedoch am Morgen eine Gegenbewegung ein, und der Preisanstieg hielt sich am Morgen in Grenzen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 68,57 US-Dollar. Das waren 30 Cent mehr als am Vorabend. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 14 Cent auf 62,84 Dollar.

Vor dem Hintergrund der Spannungen in Nahost kaufen viele Investoren das als wertstabil geltende Gold. In der Nacht auf Mittwoch stieg der Kurs für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) erstmals seit dem Jahr 2013 über die Marke von 1600 US-Dollar. Zuletzt fiel der Preis wieder etwas zurück auf 1580 Dollar. Das waren aber immer noch rund sechs Dollar mehr als am Vortag.

In Euro gerechnet erreichte der Goldpreis ein neues Rekordhoch bei 1443 Dollar. Nach Einschätzung des Edelmetallhändlers Alexander Zumpfe vom Handelshaus Heraeus dürfte die Grundstimmung am Markt positiv bleiben. Nach dem jüngsten Höhenflug rechnet er kurzfristig nicht mit einer deutlichen Korrektur beim Goldpreis.

@ dpa.de