Chemie, Pharma

Die explodierenden Preise gerade für Gas belasten die energiehungrige Chemie- und Pharmaindustrie.

14.09.2022 - 13:23:30

Energiepreise - Produktion der Chemie bricht ein. Die Stimmung in der Branche trübt sich weiter ein - und die Krise hinterlässt zunehmend Spuren.

Frankfurt/Main - Die deutsche Chemie- und Pharmabranche kürzt ihre Produktion wegen der rasant gestiegenen Energiepreise immer weiter.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erwartet nun, dass die Herstellung in der Branche dieses Jahr um 5,5 Prozent schrumpfen wird. Die Produktion der Chemie alleine betrachtet dürfte gar um 8,5 Prozent zurückgehen, teilte der VCI am Mittwoch in Frankfurt mit.

«Wir müssen uns im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen, um diesen Winter und auch das kommende Jahr zu überstehen», sagte VCI-Präsident Christian Kullmann. «Die Drosselung der Produktion ist ein erster Schritt. Wenn bestimmte Prozesse ganz stillgelegt werden müssen, laufen sie möglicherweise nie wieder an.» Bisher hatte der Verband mit einem Produktionsrückgang von 1,5 Prozent gerechnet und mit einem Minus von 4 Prozent für das reine Chemiegeschäft.

Im zweiten Quartal sank die Produktion in der Chemie- und Pharmabranche um 6,4 Prozent zum Vorquartal. Während es etwa bei Wasch- und Körperpflegemitteln kaum Einbußen gab, sank die Produktion von Arzneien kräftig um 8,6 Prozent. Der Umsatz wuchs wegen der stark steigenden Preise um 3,4 Prozent auf fast 65 Milliarden Euro. Er könnte zwar dieses Jahr immer noch zweistellig wachsen, so der VCI. Ein Grund zur Freude sei das aber nicht, da das Umsatzplus nur kostengetrieben sei. Es falle Betrieben immer schwerer, die hohen Energie- und Rohstoffkosten an Kunden weiterzugeben.

Branche benötigt viel Gas

Die Geschäftserwartungen der Branche seien im Keller, teilte der VCI weiter mit. Man rechne überwiegend mit einem sehr schwierigen zweiten Halbjahr. Während Chinas Wirtschaft erheblich geschwächt sei, sei die US-Wirtschaft schon das zweite Quartal in Folge geschrumpft. Die EU werde unter anderem wegen der Energiekrise voraussichtlich in eine Rezession stürzen. Dies gelte gerade für Deutschland.

Eine Entspannung auf den Energiemärkten, wo sich besonders Gas und Öl rasant verteuert haben, ist nach Einschätzung des VCI nicht in Sicht. Hinzu komme die Unsicherheit, ob im Winter eine Rationierung des Gases nötig sein werde.

Die Chemie- und Pharmaindustrie mit mehr als 473.000 Beschäftigten ist von der Energiekrise besonders betroffen. Die Branche ist laut VCI mit einem Anteil von 15 Prozent größter deutscher Gasverbraucher, knapp ein Drittel des Industrieverbrauchs entfällt auf sie. Sie braucht Gas als Energiequelle und als Rohstoff zur Weiterverarbeitung - etwa in Kunststoffen, Arzneien oder Düngemitteln.

@ dpa.de