Arbeitsmarkt, Deutschland

Die Entwicklung wiederholt sich alljährlich aufs Neue: Während der Sommerflaute fehlt es dem Arbeitsmark meist an Schub.

31.08.2017 - 14:55:24

Viele neue Jobs - Trotz steigender Sommer-Arbeitslosigkeit Jobmarkt stabil. Das führt zu leicht steigenden Arbeitslosenzahlen. An der guten Grundverfassung des Arbeitsmarktes ändert das aber nichts.

Nürnberg - Die Sommerpause mit Werksferien in vielen Unternehmen hat die Arbeitslosigkeit in Deutschland zuletzt leicht ansteigen lassen - trotzdem präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt weiter stabil. Ende August waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vom Donnerstag 2,545 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit.

Das waren zwar saisonbedingt 127 000 mehr als im Juli, aber 139 000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Juli um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent. Die Nürnberger Bundesbehörde verzeichnete damit die niedrigste August-Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung.

Entsprechend zufrieden zeigte sich Bundesagentur-Chef Detlef Scheele: «Am deutschen Arbeitsmarkt herrscht weiterhin eine positive Grundtendenz», betonte er und verwies unter anderem auf die große Zahl freier Stellen. Der leichte Anstieg sei allein auf saisonale Besonderheiten zurückzuführen: viele Unternehmen würden Neueinstellungen bis nach Ende der Werks- oder den Sommerferien verschieben.

Von «erfreulichen Zahlen» sprach am Donnerstag auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). «Aber sie sind kein Grund uns auszuruhen», betonte sie in einer Mitteilung. Die hohe Zahl der offenen Stelle zeige klar, dass Fachkräfte immer stärker gefragt seien. «Wir müssen daher alles auf Qualifizierung setzen.»

Hier die Einzelheiten zur Lage auf dem Arbeitsmarkt:

WIE VIELE MENSCHEN TATSÄCHLICH EINEN JOB SUCHEN: Tatsächlich waren zuletzt viel mehr Menschen auf Jobsuche als die Arbeitslosenzahl der Bundesagentur auf den ersten Blick vermuten lässt. Zählt man alle jene hinzu, die mit BA-Unterstützung zur Zeit Trainingskurse sowie Aus- und Fortbildungen absolvieren, lag die Zahl der Jobsucher um 936 000 höher - nämlich bei 3,481 Millionen. Fachleute sprechen von der «Unterbeschäftigung».

WIE VIELE NEUE STELLEN ENTSTANDEN SIND: Die deutsche Wirtschaft bleibt eine Jobmaschine: Innerhalb eines Jahres - von Juli 2016 bis Juli 2017 - entstanden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 698 000 neue Stellen. Damit stieg die Zahl der Erwerbstätigen auf 44,39 Millionen. Die Zahl der regulären Jobs mit Sozialversicherungspflicht lag nach BA-Hochrechnungen zuletzt im Juni bei 32,18 Millionen - das waren nach korrigierten BA-Angaben rund 750 000 mehr als im Juni 2016.

WO ES AKTUELL DIE MEISTEN FREIEN STELLEN GIBT: Im August gab es nach BA-Angaben in Betrieben 765 000 freie Stellen. Das sind rund 80 000 mehr als vor einem Jahr. Die Liste der am stärksten gefragten Fachkräfte ähnelt sich seit Monaten: Gesucht werden Facharbeiter für die Industrie, Bauleute, Verkäufer sowie Unternehmensdienstleister, wie Werbefachleute, Unternehmens- und Steuerberater, Makler, Liegenschaftsverwalter, Entwickler und Techniker.

FLÜCHTLINGE DRÄNGEN ALLMÄHLICH AUF DEN ARBEITSMARKT: Die ersten haben ihre Integrationskurse absolviert und wollen nun auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen - dieser Trend zeigt sich in der Arbeitsmarkt-Statistik immer deutlicher. So finden zum einen immer mehr Flüchtlinge einen Job; mit 157 000 gab es im Juni 55 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr als vor einem Jahr. Zugleich wächst auch die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge etwas stärker; im August lag sie bei 208 000 - das waren knapp 40 000 mehr als vor einem Jahr.

NOCH AUSWIRKUNGEN DES DIESEL-SKANDALS AUF DEN ARBEITSMARKT: Die Diesel-Affäre der deutschen Autoindustrie ist nach Einschätzung von BA-Chef Scheele auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch nicht spürbar. Zwar habe auch er gehört, dass die Verkaufszahlen von Diesel-Fahrzeugen derzeit zurückgingen. «Wir sehen aber zurzeit keine akute Situation (auf dem Arbeitsmarkt) durch die Diskussion über Fahrverbote für Diesel-Autos», betonte er. Es gebe bislang auch noch keine Anfrage von Firmen aus der Autobranche wegen geplanter Kurzarbeit.

@ dpa.de

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