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Flugzeugbau, Deutschland

Die Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche in ihre schlimmste Krise gestürzt.

29.06.2020 - 11:50:05

Entlassungen drohen - Airbus drosselt Produktion um 40 Prozent. Maschinen bleiben am Boden, der Bedarf nach neuen Flugzeugen ist begrenzt. Das geht auch am Luftfahrtgiganten Airbus nicht spurlos vorbei.

Berlin - Dem Flugzeugbauer Airbus droht ein drastischer Stellenabbau. Als Reaktion auf die Luftfahrt-Krise will der Konzern für zwei Jahre seine Produktion und seine Auslieferungen um 40 Prozent kürzen, wie Airbus-Chef Guillaume Faury der «Welt» am Montag sagte.

«Wir können uns von der Entwicklung bei den Airlines nicht abkoppeln», so Faury. Die IG Metall warnt vor einem Kahlschlag und schlägt vor, die wenige Arbeit auf mehrere Köpfe zu verteilen.

Diese Krise ist in ihrem Ausmaß und ihrer Dauer beispiellos, so Airbus. Der Luft- und Raumfahrtkonzern geht davon aus, dass vor Ende Juli weitere Einzelheiten über die Maßnahmen mitgeteilt werden. Zunächst müsse aber mit den Sozialpartnern kommuniziert werden. Zu Spekulationen im Zusammenhang mit internen Sitzungen äußere man sich generell nicht. In Deutschland beschäftigt Airbus Zehntausende Mitarbeiter und hat zahlreiche Standorte - etwa in Hamburg-Finkenwerder.

Trotz der Drosselung des Geschäftes werde aber keine Endmontagelinie geschlossen, betonte Faury. Alle Modelle würden weiter produziert, «aber in langsamerem Tempo». An jedem Standort werde nach Möglichkeiten zur Kostensenkung gesucht. «Wir drehen jeden Stein um.» Der Konzern hatte bisher von einer Produktionskürzung um rund 30 Prozent gesprochen. Jetzt ist von 40 Prozent die Rede, weil sich die Differenz zum zuvor geplanten Produktionsausbau in 2020/21 vergrößert.

Von der meistverkauften Baureihe A320 sollen nur noch 40 Maschinen pro Monat gefertigt werden. Derzeit seien viele fertige Flugzeuge geparkt, sagte Faury. Die Airlines nehmen sie wegen des Einbruchs im Markt durch die Corona-Krise zunächst nicht ab. Es werde bis Ende 2021 dauern, bevor Produktion und Auslieferungen wieder im Einklang stehen, sagte der Airbus-Chef dem Blatt.

Spekuliert wird, dass bis zu 15.000 Stellen in der Zivilflugzeugsparte mit 90.000 Beschäftigten betroffen sind. «Es geht um die notwendige Anpassung an die massiv gesunkenen Produktionszahlen. Es geht darum, unsere Zukunft zu sichern», betonte Faury. Der Airbus-Chef will dabei Kündigungen nicht grundsätzlich ausschließen, zumal sich durch eine zweite Corona-Welle die erhoffte Belebung wieder verschlimmern könnte.

Die Gewerkschaft IG Metall schlägt Alarm. «Kurzarbeit alleine reicht nicht aus, um diese Lage zu überbrücken», warnte Jürgen Kerner, geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall und Airbus-Aufsichtsrat. Er hatte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» vorgeschlagen, die wenige Arbeit auf mehrere Köpfe zu verteilen - eine «kollektive Arbeitszeitverkürzung» nach dem Vorbild von VW. «Wir müssen alles tun, um ohne einen harten Personalabbau durch die Krise zu kommen», sagte Kerner. Das Virus dürfe nicht als Vorwand für Einschnitte auf Kosten der Beschäftigten dienen.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus ist wie die gesamte Luftfahrtbranche wegen der Covid-19-Pandemie in eine schwere Krise geraten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor einigen Wochen ein 15 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die Luftfahrtindustrie angekündigt. In Frankreich arbeiten allein bei Airbus mit Schaltzentrale in Toulouse knapp 50.000 Menschen.

Gute Nachrichten gibt es unterdessen beim Erzrivalen Boeing. Nach dem mehr als einjährigen Startverbot für den Mittelstreckenjet Boeing 737 Max kann der US-Flugzeugbauer Testflüge starten. Die US-Luftfahrtbehörde FAA gab am Sonntag grünes Licht für den Start entsprechender Flüge mit Testpiloten. Bis zu einer Wiederzulassung des Modells für den Flugverkehr wären aber auch dann noch mehrere Hürden zu nehmen. Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten hatten Aufsichtsbehörden in aller Welt im März 2019 ein Startverbot für die 737 Max verhängt. Zudem darf Boeing neue Maschinen der Reihe seitdem nicht ausliefern.

© dpa-infocom, dpa:200629-99-602706/2

@ dpa.de

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