Deutschland, Volkswirtschaft

Deutschland vor der 'Winter-Rezession'

12.09.2022 - 17:08:29

dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 12.09.2022 - 17.00 Uhr

BERLIN - Heizung, Strom, Einkaufen - Verbraucher und Unternehmen in Deutschland stehen wegen hoher Preise vor einem harten Winter. Experten erwarten, dass die Wirtschaftsleistung schrumpft. "Wir gehen in eine Winter-Rezession", sagte der Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser vom Münchner Ifo-Institut am Montag.

GESAMT-ROUNDUP: Ukraine meldet militärische Erfolge - Forderung nach mehr Waffen

KIEW/MOSKAU/BERLIN - Die Ukraine meldet weitere Erfolge im Kampf gegen die russischen Besatzer. In der Ostukraine seien binnen eines Tages 20 Ortschaften befreit worden, berichtete der ukrainische Generalstab am Montag. Russland will den Krieg im Nachbarland aber trotz der Rückschläge fortführen. Deutschland sieht sich unter Druck, die Ukraine gerade jetzt mit mehr schweren Waffen zu stärken. Kanzler Olaf Scholz (SPD) bekräftigte jedoch seine Linie: Artillerie und Flugabwehr ja, aber keine westlichen Kampfpanzer "im Alleingang".

Merz will als Reaktion auf Ifo-Prognose neue Industriestrategie

BERLIN - Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat von der Bundesregierung angesichts jüngster pessimistischer Wirtschaftsprognosen eine neue Industriestrategie verlangt. "Die Wirtschaftslage, die das Ifo-Institut für die nächsten Monate beschreibt, muss die Bundesregierung wach rütteln", sagte der CDU-Vorsitzende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Krisenbewältigung ist wichtig. Aber ich vermisse eine Strategie für unser Land, wie wir den Wohlstand für die nächsten Jahrzehnte erhalten wollen."

IfW: Energiepreise und Demografie schmälern Wachstum länger

KIEL - Die hohen Energiepreise und der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge schmälern nach Einschätzung des Kiel Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) über Jahre die deutsche Wirtschaftsleistung. "Die Alterung der Gesellschaft drückt die Wachstumsaussichten empfindlich, weil künftig weniger Menschen arbeiten werden", sagte der Konjunkturchef und Vizepräsident des IfW, Stefan Kooths, einer Mitteilung vom Montag zufolge. "Hinzu kommen nun infolge des Krieges in der Ukraine knapper und teurer gewordene Energierohstoffe, die in vielen Produktionsprozessen eine wichtige Rolle spielen. Dies schmälert Deutschlands Wirtschaftskraft obendrein."

Studie: Hitzewellen bremsen weltweiten Außenhandel

FRANKFURT/MANNHEIM - Hitzewellen bremsen einer Studie zufolge weltweit den Außenhandel. Grund dafür sei, dass extreme Hitze die Arbeitsproduktivität mindere - was zu Angebotsausfällen führe und sich in Exportrückgängen niederschlage. Das geht aus einer am Montag vorgelegten Studie vom ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und von der Frankfurt School of Finance & Management hervor.

Italien: Industrieproduktion steigt leicht

ROM - Die Industrie in Italien hat im Juli wieder leicht zugelegt. Die Industrieproduktion stieg zum Vormonat um 0,4 Prozent, wie das Statistikamt Istat am Montag in Rom mitteilte. Experten hatten im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet. Im Mai und Juni war die Produktion jeweils schwächer ausgefallen als im Vormonat.

Weniger Firmenpleiten im ersten Halbjahr - Aber Anstieg im August

WIESBADEN - Nach zwei Monaten Abwärtstrend steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wieder. Im August wurden nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 6,6 Prozent mehr Regelinsolvenzen beantragt als im Juli. Die Statistiker wiesen am Montag darauf hin, dass die Insolvenzanträge oft erst mit Zeitverzug in die Statistik einfließen.

Britische Wirtschaft wächst wieder

LONDON - Die britische Wirtschaft ist im Juli nach einem deutlichen Rückschlag im Vormonat wieder gewachsen. Gegenüber Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent, wie das Statistikamt ONS am Montag in London mitteilte. Im Juni war das BIP auf Monatssicht um 0,6 Prozent geschrumpft. In den drei Monaten bis Juli stagnierte die britische Wirtschaft.

Ifo-Chef rechnet mit langfristig sinkenden Energiepreisen

BERLIN - Das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo rechnet langfristig mit sinkenden Energiepreisen. Künftig werde Russland sein Gas und Öl an andere verkaufen, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest dem "Tagesspiegel" (Montag). Diese Staaten kauften wiederum weniger Gas aus anderen Quellen. "Das fließt dann nach Europa." Der Ukrainekrieg habe die Energieversorgung weltweit gesehen wenig verändert. Allerdings sei der Umbau der Infrastruktur teuer.

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