Medien, Film

Der Streamingdienst Disney ist im vergangenen Quartal stark gewachsen.

11.08.2022 - 13:04:05

Unterhaltung - Disney holt mit Streaming-Diensten Netflix ein. Netflix hingegen hatte zuletzt Nutzerinnen und Nutzer verloren, so dass beide nun auf die gleiche Zahl an Nutzerkonten kommen.

Disney+, wo etwa Filme und Serien aus der Welt der Marvel-Comics und von "Star Wars" zu finden sind, war im vergangenen Quartal erneut der klare Wachstumstreiber. Der erst im November 2019 als Netflix-Jäger gestartete Dienst gewann binnen drei Monaten 14,4 Millionen Kunden hinzu und liegt jetzt bei gut 152 Millionen Abos. Mit der "Star Wars"-Serie "Obi-Wan Kenobi" und Marvels "Ms. Marvel" landete Disney+ zuletzt zwei Hits. Branchenbeobachter sehen die vielen Streaming-Dienste angesichts von Inflation und Konjunktursorgen im Wettstreit darum, sich bei Verbrauchern als unverzichtbar zu etablieren.

Der Zuwachs bei Disney+ lag deutlich über den Erwartungen der Analysten. Eine zentrale Rolle dabei spielte zugleich der indische Markt, wo rund acht Millionen Abonnenten dazukamen und der Service Disney+ Hotstar nun auf gut 58 Millionen Kunden kommt. Allerdings zog sich Disney dort aus dem Bieterkampf um Cricket-Spiele zurück, die aktuell ein Zuschauermagnet für den Dienst sind.

In den USA stagnierte die Abonnentenzahl von Disney+ unterdessen bei 44,5 Millionen, wie der Konzern nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte. Im gesamten internationalen Geschäft außerhalb Indiens kommt Disney+ nun auf 49,2 Millionen Kunden - ein Zuwachs von sechs Millionen binnen drei Monaten. Wichtiger Unterschied: In Indien nimmt der Konzern monatlich im Schnitt nur 1,20 Dollar pro Kunde ein, in den USA und anderen Ländern sind es rund 6,30 Dollar.

Der Sportdienst ESPN+ hat nun knapp 23 Millionen Abonnenten und Disneys dritter Streaming-Service Hulu kommt auf 46 Millionen Nutzer. Im Auslandsgeschäft - wie zum Beispiel in Deutschland - sind Inhalte von Hulu und Disneys TV-Sender ABC in der App von Disney+ enthalten.

Der operative Verlust der Disney-Sparte mit dem Streaming-Geschäft schoss auf gut eine Milliarde Dollar hoch. Im Vorjahresquartal war das Minus mit 293 Millionen deutlich kleiner. Der Konzern verweist unter anderem auf die hohen Produktionskosten.

Die Popularität der Dienste nutzt Disney, um das Potenzial für Preiserhöhungen zu testen. So gilt in den USA der bisherige Preis von 7,99 Dollar vom 8. Dezember für die Version von Disney+ mit Werbung. Wer weiter werbefrei schauen will, muss 10,99 Dollar zahlen. Bei Hulu geht der Preis je nach Abomodell um 1 bis 2 Dollar pro Monat hoch. ESPN+ hatte auch erst kürzlich eine Preiserhöhung in den USA angekündigt. Netflix stampft gerade ebenfalls eine Version mit Werbung aus dem Boden und hofft, sie zum Jahreswechsel zu starten. Konzernchef Bob Chapek zeigte sich in einer Telefonkonferenz mit Analysten überzeugt, dass die Preiserhöhung langfristig nicht zu einer Abwanderung von Kunden führen werde.

Das Geld für das Entertainment-Imperium verdiente unterdessen das klassische Geschäft mit der TV-Kabelsparte sowie Filmstudios, Themenparks, Ferienanlagen und Kreuzfahrtschiffen. So sprangen die Erlöse der Themenpark-Sparte im Vergleich zu dem von Corona-Maßnahmen geprägten Vorjahresquartal um 70 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar hoch und der operative Gewinn vervielfachte sich auf 2,2 Milliarden Dollar. "Wir hatten ein exzellentes Quartal", verkündete Chapek. Der Konzernumsatz wuchs um 26 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 53 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,36 Mrd Euro).

@ dpa.de