Südkorea, Justiz

Der Enkel des Samsung-Firmengründers war in eine Korruptionsaffäre verwickelt.

12.08.2022 - 11:50:46

Südkoreas Präsident begnadigt Samsung-Erbe. Jetzt aber profitiert Lee Jae Yong von einer Amnestie, die fast 1700 verurteilte Personen in Südkorea betrifft.

Ein Jahr nach seiner bedingten Entlassung aus der Haft kommt der Erbe des Samsung-Firmenimperiums, Lee Jae Yong, in den Genuss einer Sonderbegnadigung durch Präsident Yoon Suk Yeol.

Der 54-jährige Vize-Vorsitzende des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics ist der prominenteste Nutznießer des Erlasses, den die Regierung am Freitag für insgesamt fast 1700 verurteilte Personen bekannt gab. Lee war Anfang 2021 erneut zu einer Haftstrafe wegen Korruption verurteilt worden. Sieben Monate später wurde er unter Bewährungsauflagen vorzeitig aus der Haft entlassen.

Die Begnadigung Lees bedeutet, dass er wieder freier seine Geschäftstätigkeiten ausüben darf, was ihm vorher wegen verschiedener Auflagen nicht möglich war. Allerdings läuft derzeit ein weiteres Verfahren gegen den Enkel des Samsung-Firmengründers Lee Byung Chull. So muss er sich wegen des Vorwurfs der Aktienkursmanipulation vor Gericht verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe.

Begnadigung für «sorgfältig ausgewählte Wirtschaftsführer»

Der Erlass von Yoon tritt den Angaben zufolge am Tag der Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft (1910 bis 1945) am nächsten Montag in Kraft. In Südkorea werden zum 15. August jeden Jahres traditionell Amnestien oder Massenbegnadigungen gewährt. Von dem jetzigen Straferlass profitiert auch der Vorsitzende der Lotte Group, Shin Dong Bin, der wegen Korruption zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt wurde.

Die Wirtschaft stecke in einer Krise, sagte Justizminister Han Dong Hoon zu dem jetzigen Erlass. Die Begnadigung betreffe «sorgfältig ausgewählte Wirtschaftsführer», die durch ihre Investitionen in die Technologie und die Schaffung von Arbeitsplätzen zum Wachstum beitrügen.

Lee Jae Yong war in eine massive Korruptionsaffäre um die frühere Präsidentin Park Geun Hye, die im März 2017 aus dem höchsten Staatsamt entfernt worden war, verwickelt. In einem wieder aufgelegten Prozess sah es das Gericht im Januar des vergangenen Jahres als erwiesen an, dass Lee der früheren Staatschefin und einer ihrer Vertrauten Geld angeboten habe, um politische Unterstützung für den Machttransfer innerhalb des größten südkoreanischen Mischkonzerns zu bekommen.

@ dpa.de