Auto, Umweltverschmutzung

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen zieht weitere Kreise.

10.07.2017 - 16:22:33

Abgas-Skandal - Ermittler nehmen Porsche ins Visier. Nach Audi ist nun auch der Sportwagenbauer Porsche offiziell Gegenstand der Ermittlungen.

Stuttgart - Im Zuge der Abgas-Affäre rückt nun auch die Volkswagen-Tochter Porsche stärker ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

Die Behörde nahm Ermittlungen wegen einer möglichen Abgas-Manipulation an Diesel-Fahrzeugen von Porsche auf, wie ein Sprecher am Montag mitteilte. Sie richteten sich gegen unbekannte Mitarbeiter des Autobauers und eines US-Tochterunternehmens. Es werde der Vorwurf des Betrugs und der strafbaren Werbung geprüft. Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Sie hatte im April 2016 Vorermittlungen aufgenommen.

Porsche kündigte an, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Das Unternehmen nehme die Prüfungen der Staatsanwaltschaft ernst und werde alles dafür tun, um die Angelegenheit vollumfänglich und schnellstmöglich aufzuklären, sagte ein Sprecher. «Unabhängig von der jetzigen Entscheidung der Staatsanwaltschaft hat Porsche schon zuvor das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart gesucht und gefunden, steht mit ihr im Austausch und unterstützt die Ermittlungen in jeder Hinsicht.» Der Mutterkonzern VW wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Im Abgas-Skandal spielte Porsche bisher eine Nebenrolle. Der Autobauer bezieht seine Dieselantriebe von der VW-Tochter Audi. Der Audi-Motor ist im Modell Cayenne verbaut. Nach der Entdeckung neuer auffälliger Diesel-Abgaswerte bei Audi war daher im Juni das Kraftfahrt-Bundesamt angewiesen worden, Untersuchungen am Porsche-Modell Cayenne durchzuführen. In Deutschland ist außerdem der kleinere Porsche-Geländewagen Macan Teil eines «freiwilligen» Rückrufs von 630 000 Fahrzeugen verschiedener Marken, bei denen amtliche Zweifel an der Abgastechnik bestehen - aber nicht der Vorwurf einer illegalen Einrichtung erhoben wird.

Vergangene Woche war ein Audi-Manager auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II festgenommen worden. Bis zu seiner Beurlaubung 2015 war er einer der führenden Audi-Motorenentwickler und ist offenbar stark in die Abgasaffäre verwickelt. Ihm werden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen. Außerdem ist er einer von acht Mitarbeitern des VW-Konzerns, gegen den die US-Justiz Strafanzeige gestellt hat. Er sitzt in Untersuchungshaft und will mit den Behörden kooperieren.

«Mein Mandant sagt aus», sagte sein Anwalt Walter Lechner der «Süddeutschen Zeitung» (Montag). «Er kooperiert mit der Staatsanwaltschaft, um seinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts zu leisten.» Dem Bericht zufolge hat die Anklagebehörde Erkenntnisse, dass er dazu beigetragen hat, die US-Umweltbehörden jahrelang mit manipulierten Schadstoffwerten über den wahren Abgasausstoß von Diesel-Fahrzeugen zu täuschen. Lechner sieht die Verantwortung dafür aber nicht bei seinem Mandanten. «Fest steht jedenfalls, dass mein Mandant nicht die unternehmenspolitische Entscheidung hierfür treffen konnte und auch nicht getroffen hat.»

In Deutschland ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugsverdachts gegen fast 40 Beschuldigte, darunter der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Ihnen droht derzeit aber kein Haftbefehl. «Es hat sich für uns im Laufe der bisherigen Ermittlungen kein Haftgrund ergeben», sagte ein Behördensprecher. Keiner der Beschuldigten habe bislang beispielsweise erkennbare Tendenzen gezeigt, sich dem Ermittlungsverfahren zu entziehen. Ermittelt wird zudem wegen Marktmanipulation. Daneben gibt es in Europa unzählige Klagen von Aktionären und Autobesitzern gegen VW.

Einem Bericht der «Bild am Sonntag» zufolge hat Winterkorn mindestens zwei Monate vor Bekanntwerden des Diesel-Skandals von den Manipulationen erfahren. Ein VW-Abgasspezialist habe Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess am 27. Juli 2015 ausführlich die Betrugssoftware erklärt, mit der weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge manipuliert wurden. Die Zeitung beruft sich auf «Hunderte Zeugenbefragungen, FBI-Berichte, interne E-Mails und geheime Präsentationen».

Volkswagen wollte sich dazu mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Der frühere Vorsitzende des Abgas-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Herbert Behrens (Linke), nannte die Aussagen des von der Zeitung zitierten Kronzeugen am Montag «sehr glaubwürdig».

Nach Konzernangaben hat die VW-Führungsspitze um Winterkorn erst wenige Tage vor Bekanntwerden des Skandals in den USA am 18. September 2015 detailliert von den Manipulationen erfahren.

«Ein Konzernchef kann doch nie und nimmer von sich behaupten, das Ganze nur registriert zu haben, ohne sich die Hintergründe und Details erklären zu lassen», sagte Behrens. Die CDU in Niedersachsen warf den Vertretern der Landesregierung im VW-Aufsichtsrat Untätigkeit vor. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) müsse «seiner Rolle als Aufsichtsrat endlich gerecht werden»; außerdem müsse das Kontrollgremium die Frage einer Schadenersatzklage gegen Winterkorn neu prüfen, forderte der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Dürfen Städte selbst handeln? - Bundesverwaltungsgericht verhandelt über Diesel-Fahrverbote. Ein Urteil noch am Donnerstag gilt als möglich. Es könnte eine bundesweite Signalwirkung haben. Leipzig - Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt heute darüber, ob Fahrverbote für Dieselautos in Städten rechtlich zulässig sind. (Wirtschaft, 22.02.2018 - 06:06) weiterlesen...

Bundesverwaltungsgericht verhandelt über Diesel-Fahrverbote. Ein Urteil noch am selben Tag gilt als möglich. Es könnte eine bundesweite Signalwirkung haben. Seit Jahren werden in vielen Städten Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten. Dabei geht es um Stickoxide, die als gesundheitsschädlich gelten. Der Verkehrsbereich, darunter vor allem Dieselautos, trägt nach Angaben des Umweltbundesamts rund 60 Prozent zur Belastung bei. Leipzig - Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt heute darüber, ob Fahrverbote für Dieselautos in Städten rechtlich zulässig sind. (Politik, 22.02.2018 - 00:28) weiterlesen...

Studie belegt Folgen von Diesel-Abgasen. Rund 6000 Menschen in Deutschland sterben laut einer Studie des Umweltbundesamts pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickstoffdioxid ausgelöst werden. In Städten stammt das Gas hauptsächlich aus Dieselabgasen. Der Studie zufolge kann es über einen längeren Zeitraum schon in geringen Konzentrationen schwere Folgen haben. Morgen beschäftigt sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Frage, ob Fahrverbote für Dieselautos zulässig sind, um die NO2-Belastung zu senken. Berlin - Vor der Verhandlung über mögliche Diesel-Fahrverbote belegt eine amtliche Untersuchung die Gefahr von Diesel-Abgasen. (Politik, 21.02.2018 - 16:08) weiterlesen...

Vor Urteil zu Fahrverboten - Studie belegt Folgen von Diesel-Abgasen. Neue Zahlen über die Gesundheitsfolgen von Dieselabgasen zeigen, wie brisant das Thema ist. Dürfen Städte Dieselautos aussperren, um die Luft sauber zu kriegen? Oder müssen sie sogar? Politik und Autofahrer schauen nach Leipzig - da hat die Justiz das Wort. (Wirtschaft, 21.02.2018 - 16:03) weiterlesen...

Wenig Vertrauen in Autobauer - Umfrage: Deutsche zu Fahrverboten gespalten. Eine Umfrage zeigt, wie kontrovers das Thema gesehen wird - und wie schlecht die Autoindustrie wegkommt. Sollen deutsche Städte Fahrverbote für schmutzige Dieselwagen verhängen dürfen oder nicht? Kurz vor einem wichtigen Urteil ist die Bevölkerung in der Frage entzweit. (Wirtschaft, 21.02.2018 - 06:53) weiterlesen...

Deutsche zu Fahrverboten gespalten. Vor der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts am Donnerstag äußerten 43 Prozent der Menschen in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, sie fänden solche Verbote eher gut oder sogar sehr gut. Genauso viele meinten bei der Befragung im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur jedoch, Diesel-Fahrverbote wären in bestimmten Kommunen eher schlecht oder sehr schlecht. Berlin - Die Deutschen sind in der Frage drohender Fahrverbote für Dieselautos in Städten tief gespalten. (Politik, 21.02.2018 - 05:52) weiterlesen...